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Aus der Stadt Polizei jagt russische Schutzgeld-Mafia
Hannover Aus der Stadt Polizei jagt russische Schutzgeld-Mafia
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23:55 18.01.2010
Von Tobias Morchner

Das geht aus einem internen Bericht hervor, der dieser Zeitung vorliegt. Neben Einkünften aus dem Rauschgiftverkauf gehöre Schutzgelderpressung zu den Haupteinnahmequellen der organisierten kriminellen Gruppen. Insbesondere russische Banden bedienten sich in hohem Maße dieser Form der Kriminalität.

Die Erpresser tauchen plötzlich in Kneipen oder Betrieben auf und verlangen hohe Summen von den Geschäftsleuten. Im Gegenzug kündigen sie an, den Betrieb künftig vor möglichen Übergriffen schützen zu wollen. Wer die Zahlung verweigert, wird von den Kriminellen massiv bedroht und unter Druck gesetzt – so lange, bis der gewünschte Betrag regelmäßig ausgehändigt wird.

Wie umfangreich das Problem in Hannover ist, dazu kann die Polizei bislang nur Vermutungen anstellen. „Wir haben keine konkreten Zahlen, deshalb suchen wir dringend nach Zeugen“, bestätigt Behördensprecher Thorsten Schiewe. Bereits im Herbst hatte die Polizeidirektion in russischsprachigen Zeitungen, die auch in Deutschland erscheinen, einen Aufruf veröffentlicht. Opfer von Schutzgelderpressern wurden aufgefordert, sich mit der Kripo in Verbindung zu setzen. Reaktionen gab es aber nicht. Jetzt hat die Behörde ein Faltblatt in deutscher und in russischer Sprache zum Thema Schutzgelderpressung herausgebracht. Es soll gezielt in russischen Vereinen und Kirchengemeinden in Hannover verteilt werden. „Wer schweigt, verliert“, steht auf dem Deckblatt. Im Text auf der Innenseite ist von einem Teufelskreis für die Opfer die Rede: „Wer einmal zahlt, zahlt immer wieder und immer höhere Beträge.“ Oft werden die Opfer auch zum Einkauf überteuerter Waren oder zur Inanspruchnahme von Dienstleistungen genötigt. Die Bedrohten hofften häufig, dass sich das Problem durch eine einmalige Zahlung aus der Welt schaffen lasse, vermutet man bei der Polizei. Das Gegenteil aber sei der Fall: „Die Geschädigten befinden sich in einer andauernden Erpressungssituation, aus der es ohne professionelle Hilfe immer schwieriger wird, herauszukommen.“

Auch die Ermittler stecken in einem Dilemma: Erpressungsopfer haben oft Angst, sich mit der Polizei in Verbindung zu setzen. „Wir können aber nur Straftaten verfolgen, von denen wir wissen“, sagt Polizeisprecher Schiewe. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Erpresser ihre Forderungen mit möglichst wenig Risiko durchsetzen wollen. „Erfahrungsgemäß lassen sie von ihrem Vorhaben ab, wenn die Polizei eingeschaltet wird“, heißt es in dem Faltblatt. Opfer der Schutzgeld-Mafia können sich jederzeit mit dem Zentralen Kriminaldienst unter der Nummer (05 11) 1 09 66 00 in Verbindung setzen.

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