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Aus der Stadt Viele offene Fragen nach dem Derby
Hannover Aus der Stadt Viele offene Fragen nach dem Derby
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00:15 14.11.2013
Von Tobias Morchner
Ausgerüstet mit Leuchtmunition und Feuerwerkskörpern zogen die gewaltbereiten 96-Fans am Freitag zum Stadion. Die Polizei ließ sie gewähren, nahm lediglich vier Personen fest. Quelle: Michael Thomas
Hannover

Es wird offenbar noch dauern, bis alle Fragen zum Derby-Einsatz lückenlos beantwortet werden können. Die HAZ zieht eine vorläufige Bilanz:

Wie viele Beamte waren im Einsatz?
Offizielle Zahlen gibt die Polizei auch vier Tage nach dem Derby nicht heraus. Nach HAZ-Informationen waren rund 1800 Einsatzkräfte in der Stadt, am Stadion und am Hauptbahnhof unterwegs - etwa 1100 von der Landes- und rund 700 von der Bundespolizei.

Wie viele Verletzte gab es?
14 Menschen wurden bei den Auseinandersetzungen rund um das Derby verletzt, darunter auch einige Polizisten. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass sich in den kommenden Tagen weitere Personen bei der Polizei melden, die vor oder nach dem Spiel Verletzungen davongetragen haben.

Welche Schäden haben die Randalierer angerichtet?
Die Zahlen werden gerade zusammengetragen. In der Innenstadt haben 96-Randalierer mehrere Mülleimer und Straßenschilder umgetreten. Sie versuchten, unter anderem bei C&A und bei Sport-Scheck Schaufensterscheiben mit Stühlen einzuschlagen, was aber misslang. Zudem demolierten sie mehrere Streifenwagen mithilfe von Flaschen und verwüsteten eine Baustelle am Leibnizufer.

Was sagen die Gewerkschaften der Polizei?
Ulf Küch, der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Bund deutscher Kriminalbeamter, fordert ein härteres Vorgehen gegen die Randalierer. Insbesondere gegen die sogenannten Fans, die vor oder im Stadion mit Feuerwerkskörpern warfen, sollte nach Ansicht des Gewerkschafters nicht wegen eines Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt werden, sondern wegen versuchten Totschlags. Die Gewerkschaft der Polizei will in den kommenden Tagen an die Mannschaften und die Verantwortlichen der Klubs in Hannover und Braunschweig herantreten, um sie dazu zu bewegen, künftig deutlich Position gegen die gewaltbereiten Fans zu beziehen. „Sie dürfen ab sofort nicht mehr in Watte gepackt werden“, sagt der Landesvorsitzende Dietmar Schilff. Die Bundespolizei ist bei dem Einsatz am Freitagabend einem Sprecher zufolge „personell an die Grenzen des Machbaren“ gestoßen. „Wir haben bisher noch nie eine so hohe Anzahl gewaltbereiter Fußballchaoten erlebt“, sagt Behördensprecher Martin Ackert.

Drei Punkte sollten her, am Ende mussten sie sich die Punkte teilen: Hannover 96 und Eintracht Braunschweig trennten sich im November 2013 mit 0:0. Es war das erste Niedersachsen-Derby der beiden Teams in der Bundesliga seit 37 Jahren.

Wie hoch sind die Kosten für den Einsatz?
Die Polizei ist derzeit dabei, die Zahlen zusammenzutragen. Der Einsatz beim Derby dürfte allerdings deutlich über eine halbe Million Euro verschlungen haben. So waren beispielsweise zwei Hubschrauber der Zentralen Polizeidirektion mindestens zehn Stunden lang im Einsatz, um das Geschehen rund um das Stadion aus der Luft zu überwachen. Für eine Flugstunde veranschlagt die Behörde 1500 Euro - die Personalkosten nicht eingerechnet. Ein Polizeikommissar verdient an einem normalen Ach-Stunden-Arbeitstag durchschnittlich etwa 129 Euro ohne Zuschläge. Legt man diesen Satz zugrunde, schlagen die Kosten für die 1800 Beamten für den Zwölf-Stunden-Einsatz vom Freitag mit knapp 350 000 Euro zu Buche.

Wie viele Randalierer wurden festgenommen?
Lediglich vier. Es gehörte zur Taktik der Polizei, auf die Festsetzung größerer Gruppen von Fans zu verzichten, auch wenn von ihnen Straftaten verübt worden waren. „Massenhafte Festnahmen sind insbesondere zum Schutz der friedlichen Fans unterblieben“, sagt Einsatzleiter Guido von Cyrson.

Wie viele beschleunigte Verfahren wurden eingeleitet?
Keins. Obwohl extra für die brisante Partie zwei Staatsanwälte und zwei Richter in Bereitschaft waren, um straffällig gewordene Fans schnell aburteilen zu können, war deren Einsatz nicht nötig.

Können die Fußballrowdys strafrechtlich belangt werden?
Die Polizei hat die Ausschreitungen mit Kameras gefilmt. Die Bilder werden in den nächsten Tagen ausgewertet. Es wird allerdings schwerer, einzelnen Gewalttätern konkrete Taten zuordnen zu können - denn die Randalierer hatten nicht nur größtenteils ihre Gesichter hinter Masken verborgen. Sie hatten auch auffällige Embleme auf ihren Jacken wie Logos oder Schriftzüge mit schwarzem Klebeband verdeckt, um nicht anhand ihrer Kleidung identifizierbar zu sein.

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