Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Polizei räumt besetztes Haus in Hannover-Linden
Hannover Aus der Stadt Polizei räumt besetztes Haus in Hannover-Linden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:48 06.06.2011
Ein 20-jähriger Besetzer wird von Höhenrettern der Polizei vom Dach des besetzten Hauses abgeseilt. Quelle: Martin Steiner
Anzeige

Fünf Tage lang hielten Aktivisten das Haus Nummer 98 in der Limmerstraße besetzt, am Montag beendete die Polizei die Aktion und räumte das Gebäude. Mehrere Mannschaftswagen fuhren gegen 9.45 Uhr vor dem besetzten Haus vor. Im Gebäude stießen die Polizisten auf 14 Mitglieder der linksalternativen Szene im Alter von 20 bis 40 Jahren. Die Polizisten nahmen die Personalien der Besetzer auf und erteilten Platzverweise. Der Einsatz verlief weitgehend friedlich. Lediglich ein 30-jähriger Mann widersetzte sich der Aufforderung, das Gebäude zu verlassen, und kam vorübergehend in Gewahrsam. Ein 20-jähriger Hausbesetzer wartete auf dem Dach auf die Beamten und weigerte sich, freiwillig herunterzukommen. Daraufhin erklommen Höhenretter der Polizei den Dachstuhl und brachten den Mann nach unten.

Etwa 40 Aktivisten hatten das Haus Nummer 98 am Mittwochabend besetzt. Zunächst hatten sie ihre Aktion damit begründet, dass sie das Gebäude vor dem Abriss bewahren wollten. Später forderten sie, das Haus solle als alternatives Jugendzentrum genutzt werden. Ein Hannoveraner mit iranischen Wurzeln hatte das Grundstück im Februar gekauft. Er plant, an der Stelle ein Mehrfamilienhaus zu errichten. „Ich habe vier Tage lang versucht, gemeinsam mit den Besetzern eine Lösung zu finden“, sagte der Mann am Montag. Unter anderem habe er vorgeschlagen, einen Verein zum Erhalt des Gebäudes zu gründen. „Ich war offen, vielleicht hätte das funktioniert. Aber die Besetzer haben nur gefordert.“

Unterdessen zeigten die hannoverschen Grünen Verständnis für die Besetzungsaktion. Das Anliegen der Besetzer sei „nachvollziehbar“, sagte Stadtverbands-chefin Friederike Kämpfe, auch wenn „sich über den Weg, den sie gewählt haben, um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen, sicherlich streiten lässt“. Die Linken-Bundestagsabgeordnete Heidrun Dittrich teilte mit: „Ich stehe voll und ganz hinter den jugendlichen Besetzern.“

Kämpfe und Grünen-Landeschef Jan Haude fordern nun eine politische Debatte über die sogenannte Gentrifizierung. Der Begriff beschreibt die Verbürgerlichung und Verteuerung alternativer, oft innenstadtnaher Stadtteile. „Die Besetzung hat keinen zähnefletschenden Immobilienhai getroffen, sondern einen gesprächsbereiten und offenen Menschen, der durchaus ein Interesse an einer sozialen Entwicklung des Stadtteils hat“, räumte Haude ein. „Daher darf die weitere Debatte nicht auf dem Rücken des neuen Hausbesitzers geführt werden.“ Erstaunt über die Haltung der Grünen zeigte sich indes ihr Koalitionspartner SPD. „Für Hausbesetzungen habe ich kein Verständnis“, sagte SPD-Parteichef Alptekin Kirci. Das Problem der Gentrifizierung müsse angepackt werden. „Aber dass irgendwelche Chaoten Häuser besetzen, ist nicht tolerierbar. Wie die Grünen mit so einem Rechtsbruch umgehen, müssen sie selber wissen.“ Wohlwollend begleitet worden war die Besetzung auch vom stellvertretenden Bezirksbürgermeister von Linden-Limmer, dem Grünen Rainer-Jörg Grube.

Kritik an der Rolle der Grünen übte auch Hannovers CDU-Chef Dirk Toepffer. „Weder das Anliegen der Besetzer noch die Art und Weise ihres Vorgehens sind nachvollziehbar“, sagte er. Mit diesen „ideologisch urzeitlichen Grünen“ sei eine politische Zusammenarbeit nicht möglich.

Vivien-Marie Drews
 und Felix Harbart

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nachdem Rechtsextremisten in der Nacht zu Sonnabend einen Fackelzug durch Hannover-Kleefeld veranstaltet haben, beschäftigt sich nun der Verfassungsschutz mit dem Fall. Die Teilnehmer versteckten ihre Gesichter hinter weißen Masken und riefen ihre Parolen laut in die Nacht.

06.06.2011

Es geht um den Mord an einem Briefmarkenhändler: Seit Montag müssen sich drei Männer vor dem Landgericht Hannover verantworten. Alle drei haben eine Aussage angekündigt.

06.06.2011

Wickeln, fütterm spazieren gehen: Weil die Schwerstbehinderte Hediye Krüger ihre kleine Tochter nicht allein versorgen kann, erhält sie Elternassistenz durch einen Pflegedienst.

Veronika Thomas 06.06.2011
Anzeige