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Aus der Stadt Polizei sucht Zeugen des Messerangriffs
Hannover Aus der Stadt Polizei sucht Zeugen des Messerangriffs
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21:27 04.03.2016
Mit diesem Foto sucht die Polizei nach Zeugenhinweisen. Quelle: Polizei/HAZ/Montage
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Hannover

Eine Woche nach dem Messerangriff einer 15 Jahre alten Schülerin auf einen Bundespolizisten hat die Polizei ein Foto des Mädchens veröffentlicht. Damit sucht die Ermittlungsgruppe „Bahnhof“ nach Zeugen, die die Täterin kurz vor dem Angriff am Hauptbahnhof gesehen haben. Unter anderem prüfen die Fahnder, ob ein politisches oder religiöses Motiv der Grund dafür war, dass die 15-Jährige dem 34 Jahre alten Beamten bei einer Kontrolle unvermittelt ein Küchenmesser in den Hals rammte. Die Polizisten berichteten nach der Tat, dass das junge Mädchen ihnen zuvor gefolgt war und sie mit starrem Blick fixiert hatte. Die Polizei hofft so zu erfahren, ob sich die Täterin in Begleitung anderer Personen befand, die vielleicht Auskunft über die Hintergründe der Tat geben können.

In der Moschee in der Nordstadt, die das Mädchen mit marokkanischen Wurzeln nach Informationen der HAZ regelmäßig besuchte, wollte man sich am Freitag nicht zu dem Vorfall äußern. Die Vorsitzenden des „Deutschsprachigen Islamkreises Hannover“, der das Gotteshaus an der Kornstraße betreibt, wollen Fragen nur schriftlich beantworten. „Wir Männer wissen sowieso nichts über die Frauen, die hierher kommen“, erklärt ein Besucher des Freitagsgebets und verweist auf die strikte Geschlechtertrennung in der Moschee. Spricht man eine Frau an, erklärt diese wiederum, dass sie nicht mit Fremden sprechen darf.

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Eine 15-Jährige hat am Freitagnachmittag im Hauptbahnhof einen Beamten der Bundespolizei mit einem Messer attackiert und schwer verletzt.

Das schmucklose Gebäude in der Kornstraße wird vom niedersächsischen Verfassungsschutz in seinem aktuellen Bericht als ein Schwerpunkt des Salafismus bezeichnet. Grund dafür sind wiederkehrende Auftritte von salafistischen Predigern. Ob die 15-Jährige hier vor mehr als acht Jahren auch den bundesweit bekannten Salafisten Pierre Vogel kennenlernte, der mit ihr gemeinsam in mehreren Videos im Internet auftrat, ist unklar.

Am vergangenen Freitag soll nach Aussagen einiger Besucher der Moschee Ahmad Abdulaziz gepredigt haben. Seine Vorträge und Koranseminare sind nach Informationen des Verfassungsschutzes „durchaus geeignet, Mitglieder für salafistische Vereine anzuwerben“. Ob die 15-Jährige vor ihrer Tat das Freitagsgebet besuchte, ist ebenfalls bisher noch offen. „Wir haben sowohl mit ihrer Mutter als auch ihrem Vater gesprochen“, sagte der hannoversche Oberstaatsanwalt Thomas Klinge auf Anfrage. Welche Erkenntnisse die Ermittler dadurch erlangten, will Klinge jedoch nicht sagen. Nach Informationen aus der Schule der 15-Jährigen galt ihre aus Marokko stammende Mutter als streng religiös, aber keinesfalls radikal. Der Vater, ein Deutscher, soll nie an der Schule aufgetaucht sein. 

Auftritt in Salafisten-Video

Anhaltspunkt für eine Radikalisierung haben an dem ersten Gymnasium, das die 15-Jährige besuchte, offenbar weder Schüler noch Lehrer festgestellt – obwohl manchen Jugendlichen bekannt war, dass die 15-Jährige seit vielen Jahren regelmäßig mit dem salafistischen Prediger Pierre Vogel in Internetvideos auftrat. Das Mädchen hatte ihre Mitschüler selbst auf die Filme hingewiesen. Den Schülern kamen die Aufnahmen mit Koranrezitationen langweilig vor, die Rolle Vogels konnten sie damals nicht einschätzen.

Derweil reden Vogels Sympathisanten den Einfluss des Predigers auf die heute 15-Jährige klein. Vogel werde für die Attacke mitverantwortlich gemacht, „obwohl er sie seitdem nie wieder gesehen hat und nicht im Kontakt zu ihr stand“, schreibt etwa Dennis Rathkamp. Rathkamp ist Vorsitzender des islamischen Vereins „Der Schlüssel zum Paradies“, der ebenfalls seit geraumer Zeit vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Weiter erklärt Rathkamp auf seiner Facebook-Seite, „dass ein Mensch nichts für die Taten anderer Menschen kann, nur weil er sie vor Jahren irgendwann mal irgendwo getroffen hat“. Vogel selbst ruft gleichzeitig auf seiner Internetpräsenz alle Muslime auf, sich zu melden, die ihr Leben geändert haben, nachdem sie anfingen, seine Predigten zu hören.

Zeugen gesucht

Die 15-Jährige ist 1,71 Meter groß und schlank. Sie hat lange, glatte, dunkle Haare und braune Augen. Am vergangenen Freitag war sie mit einer schwarzen Jogginghose und einer schwarz-roten Trainingsjacke bekleidet. Zudem trug sie ein sogenanntes Palästinensertuch, ein schwarzes Kopftuch und hatte eine braunkarierte Damenhandtasche im Louis-Vuitton-Stil bei sich. Zeugen, die das Mädchen gesehen haben und Auskunft über ihr Verhalten geben können, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer (05 11) 1 09 55 55 zu melden. 

Von Jörn Kießler und Bärbel Hilbig

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