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Aus der Stadt Polizei sucht TV-Kneipe für Fans mit Stadionverbot
Hannover Aus der Stadt Polizei sucht TV-Kneipe für Fans mit Stadionverbot
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00:16 17.07.2016
Jahrelang hat Gastronom Markus Kulz die Riskofans der Gästemannschaften betreut. Mittlerweile ist ihm das zu gefährlich. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Kurz vor dem Start der 2. Bundesligasaison hat die Polizei Hannover Schwierigkeiten, eine Gaststätte zu finden, in der sie bei Heimspielen von Hannover 96 die mit einem bundesweiten Stadionverbot belegten Gästefans unterbringen kann. Seit Jahren nimmt die Behörde diese Risikofans am Hauptbahnhof in Empfang und geleitet sie zu einem Gastronomen, der sich zuvor bereit erklärt hat, die Fußballfans zu bewirten. Jahrelang war das Markus Kulz, der die Vereinsgaststätte von 1897 Linden betreibt. Für die kommende Saison der Roten in der 2. Bundesliga erteilte Kulz der Polizei jedoch eine Absage.

„Mir ist das aus mehreren Gründen zu viel und zu anstrengend geworden“, sagt der Gastronom. „Einerseits rechnet sich die Bewirtung der Gästefans für mich nicht mehr, andererseits fühle ich mich auch von der Polizei, der Stadt und Hannover 96 alleingelassen.“ Bei der Polizeidirektion Hannover hat man dafür wenig Verständnis. „Die Gastwirte machen an den Spieltagen, an denen sie die Gästefans bewirten, guten Umsatz“, argumentiert ein Pressesprecher.

Krawalle bei Wahl?

Am 11. September findet in der Region die Kommunalwahl statt. Genau auf dieses Datum hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) nun das Hochrisikospiel zwischen Hannover 96 und Dynamo Dresden gelegt. Um 13.30 Uhr sollen die Mannschaften gegeneinander spielen, bei deren letzten Zusammentreffen während des DFB-Pokals es im November 2012 zu schlimmen Krawallen in Hannovers Innenstadt kam. 

Das sieht Markus Kulz anders. „Allein das Sky-Abonnement, das ich brauche, um die Spiele der ersten und zweiten Liga zeigen zu können, kostet mich monatlich 600 Euro“, erklärt der Wirt. Um dieses Geld wieder einzunehmen, müssten die Gästefans, die nicht in die Arena dürfen, in seiner Kneipe extrem viel essen und trinken. „Viele der älteren 96-Fans, die früher an den Spieltagen zu uns kamen, kommen nämlich wegen der Risikofans nicht mehr, weil sie Angst vor Ärger haben“, sagt Kulz.

Das hängt mit einem weiteren Kritikpunkt zusammen, den der Gastronom anführt. „Früher hat die Polizei die Fans zu uns gebracht und ist mit Einsatzkräften in zwei bis drei Bullis geblieben, um nach dem Rechten zu sehen“, sagt Kulz. In der vergangenen Saison sei die Behörde aber vermehrt dazu übergegangen, die Risikofans bei 1897 Linden abzuliefern, dann aber wieder abzuziehen. „Selbst als in der vergangenen Saison plötzlich rund hundert Eintracht-Frankfurt-Fans bei mir im Laden standen, musste ich die Polizei mehrfach bitten, ans Vereinsheim zu kommen“, sagt Kulz.

Damals, im Oktober 2015, hatte die Polizei eine Massenschlägerei zwischen gewaltbereiten Anhängern von Eintracht Frankfurt und 96 verhindert, die sich in der City verabredet hatten. Die Risikofans aus Hessen wurden danach mit Bussen an die Landesgrenze gebracht. Viele der Frankfurt-Fans im Stadion verließen daraufhin aus Solidarität mit den abgeschobenen Eintracht-Anhängern die Arena. Weil sie das Spiel aber dennoch bis zum Ende sehen wollten, kehrten sie bei Kulz ein. „Bis auf ein paar kleine Schäden ist aber nichts zu Bruch gegangen“, sagt Kulz.

Andere Gastronomen wollen seine Aufgabe dennoch nicht übernehmen. „Auch ich wurde von der Polizei angesprochen“, erzählt ein Wirt, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Er habe die Beamten daraufhin gefragt, ob sie verrückt seien. „In der ersten Liga hatten wir in der vergangenen Saison vielleicht drei kritische Spiele“, erklärt er. In der 2. Liga gebe es jedoch neun Risikospiele, davon bewertet die Polizei zwei sogar als Hochrisikospiele. „Und ich soll dann die Fans, die so gewaltbereit sind, dass sie nicht ins Stadion dürfen, bei mir in der Kneipe betreuen?“, sagt der Gastronom: „Ohne mich.“

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