Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Waffe weg und ins Wasser

Polizei übt Wasserrettung Waffe weg und ins Wasser

Die Polizei Hannvoer reagiert auf die steigende Zahl von Ertrunkenen in diesem Sommer – und trainiert den Notfall am Altwarmbüchener See.

Voriger Artikel
Überfall am Aegi: Video zeigt mögliche Täter
Nächster Artikel
Statt Eisdusche: Zoo wirbt für ALS-Forschung

„In Gefahrensituationen im und am Wasser darf die Bevölkerung zu Recht von ihrer Polizei erwarten, dass wir Menschenleben retten“, sagt der Polizeisportbeauftragte Müller.

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. Für Sarah Hannemann ist es immer wieder die gleiche Prozedur. Kaum hat die 25-Jährige wieder Sand unter den Füßen, macht sie sich schon wieder auf, um etwa 20 bis 30 Meter weit in den Altwarmbüchener See hinauszuschwimmen. Dort dreht sie sich um, wirft einen Blick ans Ufer und bricht dann mit den Armen rudernd in gespielte Panik aus. Diesmal stürzen sich Hannes Schnabel und Thorsten John in Uniform ins Wasser, um die Kollegin zu retten.

Genau das haben 120 Beamte der Niedersächsischen Polizei an dem beliebten Badesee trainiert. „In Gefahrensituationen im und am Wasser darf die Bevölkerung zu Recht von ihrer Polizei erwarten, dass wir Menschenleben retten“, sagt der Polizeisportbeauftragte des Landes, Jörg Müller. „Die Rettungsfähigkeit von Polizeibeamten ist von elementarer Bedeutung.“

Vor allem mit Blick auf die Zahl der Menschen, die im vergangenen Jahr ertranken. 446 Personen kamen in ganz Deutschland ums Leben, 52 davon in Niedersachsen. Im bundesweiten Vergleich belegt das Land den zweiten Platz. Nur in Bayern starben mehr Menschen in Gewässern. Besonders dramatisch ist der Anstieg in der Region Hannover. Mit insgesamt 16 Badetoten im Jahr 2013 verdoppelte sich die Zahl im Vergleich zu 2012.

110 Polizeibeamte aus ganz Niedersachsen sind im Altwarmbüchener See im wahrsten Sinne des Wortes baden gegangen: Bei einer Übung zur Wasserrettung.

Zur Bildergalerie

Auch in diesem Jahr scheint sich die Situation nicht zu verbessern. Mindestens fünf Menschen kamen bereits bei tragischen Unfällen in der Landeshauptstadt und dem Umland ums Leben. Bereits im Februar brach ein siebenjähriger Junge auf einem zugefrorenen Teich in Schulenburg ein und starb. Am Pfingstsonntag ertrank ein Student am Altwarmbüchener See, als der Nichtschwimmer einen Volleyball holen wollte, der ins tiefere Wasser abgetrieben war. Innerhalb von zwei Wochen von Ende Juli bis Mitte August starben drei weitere Menschen in Gewässern der Region. „In solchen Fällen zählt bei der Rettung jede Sekunde“, erklärt der Polizeipräsident der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen (ZPD), Uwe Lührig. „Gerade deshalb sind körperliche Fitness und situationsgerechtes Verhalten im Wasser unabdingbare Grundvoraussetzungen.“

Über eine dieser Grundvoraussetzungen verfügt Thorsten John. Trotzdem ist der Bundespolizist, der Mitglied bei der Technischen Einsatz Einheit ist, noch mehrere Minuten nach der Rettung seiner Kollegin aus der Puste. „Ich bin nicht unbedingt der beste Schwimmer“, sagt der 31-Jährige. „Aber genau deshalb wollte ich an dieser Weiterbildung unbedingt teilnehmen.“ Aber selbst für wasseraffine Kollegen ist die Schulung, die die ZPD ab sofort für alle Mitglieder niedersächsischer Polizeidirektionen anbietet, eine Erfahrung. „Ich bin früher leistungsmäßig geschwommen“, erzählt Sarah Hannemann. „Trotzdem ist gerade das Schwimmen in schwerer Uniform etwas, das ich noch nie gemacht habe.“

„Genau um diesen Aspekt geht es bei dem Seminar“, erklärt der Polizeisportbeauftragte Müller. „Die Beamten sollen abschätzen können, wie viel Zeit sie in einer realen Notsituation haben, um Ausrüstungsteile abzulegen.“ Das Holster mit Waffe und Handfesseln müssen dem Kollegen übergeben werden. Die Schutzausrüstung, die bis zu zehn Kilogramm wiegt, sollte ebenfalls abgelegt werden. „Und wenn dann noch die Zeit ist, empfehle ich, die Stiefel auch abzulegen“, sagt Müller.

Bei der Feuerwehr, die in erster Linie für die Wasserrettung in Hannover verantwortlich ist, steht man der Polizeioffensive positiv gegenüber. „Häufig sind die Kollegen von der Polizei durch ihren Streifendienst schneller am Einsatzort als wir“, sagt Feuerwehrsprecher Jan Feichtenschlager. „Wenn sie dann, ohne sich selbst zu gefährden, einem Ertrinkenden helfen können, begrüßen wir das natürlich - genau wie jeden anderen Ersthelfer.“

Tipps für Ersthelfer

„Eigensicherheit geht vor Fremdsicherheit“: Das ist der wichtigste Grundsatz, wenn man einem Ertrinkenden helfen will. „Was bringt es, wenn ein Nichtschwimmer versucht, einem Hilflosen zu helfen, der im Wasser treibt?“, sagt Volker Streeck von der DLRG Hannover-Stadt. „Nichts!“ Deshalb müsse jeder Ersthelfer sicherstellen, dass er durch seine Rettungsversuche nicht in Gefahr gerate. Auf dieser Grundlage kann dann eine Rettung nach einem bestimmten Schema durchgeführt werden. Notruf absetzen: Entweder der Helfer alarmiert selbst über die Nummer 112 den Rettungsdienst oder er beauftragt eine weitere Person. „Zweiteres hat den Vorteil, dass sich der Retter direkt um den Ertrinkenden kümmern kann“, erklärt Streeck. Von Land retten: Zunächst sollte jeder Helfer überprüfen, ob dem Ertrinkenden von Land aus geholfen werden kann. Gibt es einen Rettungsring, ein Seil oder eine Stange, die der Person in Not gereicht werden kann? Hilfsmittel im Wasser: Ist die Hilfe von Land aus nicht möglich, muss der Retter ins Wasser. Dabei gilt weiterhin das Prinzip der Eigensicherheit. „Das sind banale Dinge – etwa sich an heißen Tagen etwas abzukühlen, bevor man ins Wasser springt“, sagt Streeck. Viel wichtiger ist aber der Grundsatz „kein direkter Kontakt mit der Person in Not“. Zu groß ist die Gefahr, dass der Ertrinkende den Retter umklammert und mit sich hinunterzieht. „Auch hier kann man einen Pullover, eine Hose oder einen Ast als Hilfsmittel nutzen.“ Von hinten nähern: Hilft das alles nichts, muss der Retter sich dem Ertrinkenden nähern. Das macht er am besten von hinten, er nicht von dem Ertrinkenden, der womöglich in Panik ist, angegriffen oder umklammert wird. „Im Notfall muss man wirklich warten, bis das Gegenüber vollkommen erschöpft oder sogar bewusstlos ist“, sagt Streeck. Dann kann die Person mit einem Griff unter die Achseln in Rückenlage und mit dem Brustbeinschlag abgeschleppt werden.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Anfang Juli heiratete Ernst August Erbprinz von Hannover Ekaterina Malysheva. Auf unserer Themenseite finden Sie Bilder, Videos und Berichte zur Promi-Hochzeit des Jahres in Hannover.

Polizistenmord in Hannover

Die Beamten Ulrich Zastrutzki und Rüdiger Schwedow wurden am 22. Oktober 1987 bei einem Einsatz in der Brabeckstraße erschossen.