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Polizei verliert Salafisten aus den Augen

Terrornetzwerk in Hannover Polizei verliert Salafisten aus den Augen

Nächste Panne der Behörden bei den Ermittlungen gegen das mutmaßliche Terrornetzwerk in Hannover: Der 23-jährige Terrorverdächtige Ahmed A. aus Ricklingen verstößt gegen seine Meldeauflagen - und ist seit dem 11. Juli verschwunden. Die Polizei fahndet bislang vergeblich nach dem Salafisten.

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Im September 2015 ging Ahmed A. vor dem Verwaltungsgericht gegen den Entzug seines Passes vor - erfolglos. Jetzt ist er untergetaucht. 

Quelle: Foto: Dröse

Hannover. Der 23-jährige Ahmed A. aus Ricklingen, dem der Pass entzogen worden war, weil er nach Afghanistan reisen wollte, um dort Anschläge zu verüben, ist offenbar untergetaucht. Wie die Polizei bestätigte, meldet er sich seit dem 11. Juli nicht mehr bei der Behörde, wie es ihm von der Stadt auferlegt worden war. Die Ermittler fahnden derzeit nach dem Salafisten „auf Basis des Gefahrenabwehrrechts“, wie die Polizei mitteilte.

Ahmed A. hatte sich in der Vergangenheit mehrfach an Koran-Verteilungen in der Innenstadt beteiligt. Zudem soll er regelmäßig die Moschee des Deutschsprachigen Islamkreises an der Kornstraße besucht haben. Dort soll er Kontakt zu mehreren terrorverdächtigen Jugendlichen aufgebaut haben: zu Safia S., der mutmaßlichen IS-Terroristin vom Hauptbahnhof, ihrem Bruder Saleh S., der im Verdacht steht, Brandsätze auf Kunden der Ernst-August-Galerie geworfen zu haben, und zu Mohamad Hassan K., der etwas mit dem wegen eines geplanten Terroranschlags abgesagten Fußball-Länderspiel in der HDI-Arena zu tun haben soll.

Die Stadt Hannover hatte Ahmed A. vor rund einem Jahr den sogenannten Flüchtlings-Reiseausweis nicht verlängert und ihm ein Ausreiseverbot erteilt. Zudem musste er sich dreimal pro Woche bei der Polizei melden. Grund: Der Verfassungsschutz hatte Hinweise darauf, dass A. gemeinsam mit seiner Freundin, einer Deutschtürkin, nach Afghanistan reisen wollte, um dort Terroranschläge gegen Nato-Einrichtungen zu verüben.

Durch diese Ermittlungen wurde auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge auf A. aufmerksam und entzog ihm den Flüchtlingsstatus. Die Stadt lehnte daraufhin eine Verlängerung seiner Aufenthaltserlaubnis ab. A. war 2011 nach Deutschland geflüchtet. Zuvor hatte er als Dolmetscher für die Bundeswehr in Afghanistan gearbeitet.

Das Ausreiseverbot war auf ein Jahr befristet. Doch bereits im Juli dieses Jahres, also zwei Monate vor dem Ende des Ausreiseverbots, verlängerte die Verwaltung die Reisebeschränkung. Zwei Tage nach dieser Entscheidung tauchte Ahmed A. unter. Seitdem hat er sich nicht wieder bei der Polizei gemeldet.

Seine Freundin Nur G. dagegen ist noch in Hannover. „Wir haben regelmäßig mit ihr Kontakt“, sagte ein Polizeisprecher. Der Freundin war im Winter dieses Jahres ebenfalls der Pass entzogen worden, weil der Verfassungsschutz Hinweise darauf hatte, dass die 22-Jährige ihren Freund bei Anschlägen in Afghanistan unterstützen wollte. Sie hatte beim Verwaltungsgericht dagegen geklagt, war aber abgewiesen worden. Eine Meldepflicht hatte sie nicht.

Von Isabel Christian und Tobias Morchner

Hannovers Terror-Netzwerk

September 2015: Ahmed A. wird der Reisepass entzogen. Es besteht der Verdacht, er wolle in seiner Heimat Afghanistan Anschläge verüben.

17. November 2015: Das Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden in Hannover wird wegen akuter Terrorgefahr abgesagt.

20. November 2015: Razzia bei Mohammed Hassan K., der am Abend des 17. November als Ordner im Fußballstadion ein verdächtiges Video aufgezeichnet hat.

26. Februar 2016: Safia S. verletzt im Hauptbahnhof einen Bundespolizisten mit einem Messer schwer.

5. Februar 2016: Ein Unbekannter wirft Molotowcocktails vom Dach der Ernst-August-Galerie. Später wird gegen Safias Bruder Saleh S. als mutmaßlichem Täter ermittelt.

11. Juli 2016: Ahmed A. meldet sich letztmalig bei der Polizei.

29. August 2016: Anklage gegen Safia S. und Mohammed Hassan K.

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