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Aus der Stadt Polizei will gegen Sportwagenprotzer in der City vorgehen
Hannover Aus der Stadt Polizei will gegen Sportwagenprotzer in der City vorgehen
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00:15 07.10.2017
Vor allem abends und an Wochenenden dröhnen laute Luxusautos durch die Innenstadt. Nun hat die Polizei Kontrollen angekündigt.  Quelle: dpa
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Hannover

In der Innenstadt sind immer mehr Sportwagen möglichst laut und auffällig unterwegs. Anwohner und Politiker sind zunehmend genervt davon und verlangen Gegenmaßnahmen. Während sich die Stadt weiterhin zurückhaltend gibt, will die Polizei nun etwas gegen die Verkehrsrowdys unternehmen; sie kündigte Schwerpunktkontrollen an.

„Ich schrecke jedes Mal hoch“

Gerade am Abend und an Wochenenden rasen viele Fahrzeuge durch die City. Vor allem auf der Karmarsch- und Osterstraße, im Posttunnel, auf der Otto-Brenner-Straße sowie rund um Königsworther Platz und Weißekreutzplatz klagen Anwohner über die extreme Lärmbelästigung. „Das Problem herrscht rund um die Uhr“, sagt ein Bewohner der Körnerstraße. „Ich schrecke jedes Mal hoch.“ Aus Sorge, die Sportwagen-Fraktion könnte ihm einen Besuch abstatten, will er seinen Namen nicht nennen. Hochmotorisierte AMG-Mercedes, Porsches, Lamborghinis und Ferraris dröhnen durch die Häuserschlucht der Otto-Brenner-Straße, „wir hören es selbst durch die geschlossenen Fenster“.

Immer häufiger landen Beschwerden bei der Polizei. Behördensprecher Philipp Hasse spricht zwar noch von „Einzelfällen“. Dennoch hat der stete Protest gegen die lärmenden Sportwagen die Polizei nun zum Umdenken bewegt. „Wir planen demnächst Schwerpunktkontrollen“, sagt Hasse. Dann sollen laute Autos an bestimmten Orten gezielt kontrolliert werden. Einen konkreten Starttermin nannte er aber noch nicht.

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Damit folgt Hannover dem Beispiel anderer deutscher Städte, die ebenfalls mit Verkehrsrowdys zu kämpfen haben. In Mannheim beispielsweise legt die Polizei jedes Auto direkt vor Ort still, wenn es illegal getunt wurde. Binnen kürzester Zeit wurden so Dutzende Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen, Hunderte Beschwerden gingen bislang ein. Auch Köln kämpft seit 2015 mit einer eigenen Ermittlungsgruppe gegen Raser und Sportwagenprotzer.

Michael Sandow (SPD), Mitglied im Bezirksrat Hannover-Mitte, begrüßt das Vorhaben der Polizei. „Rasen und das Vorführen von radikal lauten Autos sind keine schützenswerten Interessen“, sagt er. Die Stadt hingegen hatte bislang kaum Interesse daran gezeigt, sich des Themas anzunehmen. Solange die Fahrzeuge unverändert zugelassen beziehungsweise im legalen Rahmen umgebaut seien, gebe es keine Handhabe. „In diesen Fällen ist von rechtlich zulässigem Lärm auszugehen“, schreibt die Stadt in einer Antwort auf Fragen des Bezirksrats. Ohnehin habe nur die Polizei die Befugnis, in den fließenden Verkehr einzugreifen.

Bei der Polizei war man bis dato ähnlich zurückhaltend. „Im Rahmen der Vorschriften können wir repressiv eingreifen“, sagt Behördensprecher Hasse. Allerdings beziehe sich das meist aufs Rasen oder auf eine Gefährdung des Straßenverkehrs. Ein zu lauter Motor gehöre nur dann dazu, wenn es keine Betriebserlaubnis gebe. Doch bereits das sanktionierbare, sinnlose Herumfahren sei in der Realität schwer nachzuweisen. „Wenn jemand auffällt, kontrollieren wir ihn aber“, so Hasse.

Taskforce gefordert

Die angekündigten Kontrollen könnten nur ein Anfang sein, sagt Bezirksbürgermeister Sandow. „Wir brauchen eine Taskforce gegen Verkehrsrowdys“, sagt er. Stadt und Polizei müssten bei dem Thema zusammenarbeiten. Er hofft darauf, dass illegale Autos stillgelegt werden und dass Verkehrsrowdys durch die ständigen Kontrollen irgendwann die Lust am Krachmachen verlieren. Auch rund um die Körnerstraße sehnen sich viele danach. „Die lauten Autos sind eine enorme Belastung“, sagt ein Anwohner. Er führt ein Lärmprotokoll. Selbst in 200 Metern Entfernung würde er noch 90 Dezibel messen, sagt er - das entspreche der Lautstärke eines Presslufthammers: „Alle sind ziemlich genervt.“

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