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Polizei zeigt Unfall-Gaffer von der A 7 an

Fotos mit Handy gemacht Polizei zeigt Unfall-Gaffer von der A 7 an

Nach einem schweren Unfall auf der A 7, bei dem drei Menschen lebensgefährlich schwer verletzt wurden, geht die Polizei strafrechtlich gegen einen Gaffer vor. Der Mann hatte auf dem Standstreifen der Gegenspur angehalten und aus dem Auto heraus Fotos gemacht, wie Rettungskräfte die Opfer bargen. 

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Der Audi-Fahrer stoppt auf der A 7 und macht mit dem Handy Aufnahmen der Opfer auf der Gegenfahrbahn - vor dem Rastplatz kommt ein weiterer Mann dazu. 

Quelle: Uwe Dillenberg

 „Wir bereiten eine Anzeige wegen der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen vor“, bestätigt Polizeisprecher André Puiu auf Anfrage der HAZ. Den Einsatzkräften sind Gaffer bei Unfällen schon länger ein Ärgernis, weil immer öfter die Bilder in sozialen Netzwerken im Internet gepostet werden.

Die Verletzung des „höchstpersönlichen Lebensbereichs“ kann laut Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit einer Geldstrafe geahndet werden. Die Polizei prüft auch, ob der Mann darüber hinaus wegen unerlaubten Telefonierens am Steuer belangt werden kann. „Zudem müsste man gegen solche Leute wegen des gefährlichen Eingreifens in den Straßenverkehr vorgehen“, sagt Sven Stieger vom Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) in Niedersachsen. „Schon allein durch das Abbremsen und Anhalten auf dem Standstreifen hat der Mann sich und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr gebracht.“

In der Nacht zu Sonnabend hatte der Fahrer eines Kleinwagens, der auf der A 7 in Richtung Hannover unterwegs war, kurz vor dem Parkplatz Seckbruch aus ungeklärter Ursache die Kontrolle über seinen Wagen verloren, der gegen die Mittelleitplanke prallte, sich um 180 Grad drehte und auf dem Überholstreifen zum Stehen kam. Der Fahrer eines nachfolgenden Fords konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und prallte gegen den liegen gebliebenen Hyundai. Der 33 Jahre alte Fahrer und der 35 Jahre alte Beifahrer des Kleinwagens wurden dabei lebensgefährlich verletzt. Die Beifahrerin in dem Ford wurde schwer verletzt, vier weitere Personen leicht.

Schon als die Einsatzkräfte kurz darauf am Unfallort eintrafen, waren zwei Männer, wahrscheinlich Fernfahrer, vom Rastplatz zur Autobahn gelaufen, um die Rettungsarbeiten zu beobachten. Kurz darauf hielt auch der silberfarbene Audi Kombi mit Kasseler Kennzeichen, dessen Fahrer sofort anfing, mit seinem Handy zu filmen. „Das sind meist Menschen, die sich nicht unter Kontrolle haben und dann solche Übersprungshandlungen begehen“, sagt der hannoversche Verkehrspsychologe Wolfgang Thielke. Und die Zahl der Menschen, die ihrer Sensationslust nachgeben und sich dabei äußerst rücksichtslos verhalten, wächst offenbar stetig.

„Mir sind zwar keine statistisch belegten Zahlen bekannt“, sagt Stieger. „Aus Gesprächen mit Einsatz- und Rettungskräften wissen wir aber, dass es immer häufiger vorkommt, dass Gaffer bei Unfällen anhalten und eine Kamera herausholen.“ Ein Grund dafür ist nach Stiegers Meinung der technische Fortschritt. „In jedem Smartphone ist heute eine Kamera integriert“, sagt er.

Die Polizei äußert sich wesentlich zurückhaltender. „Wir beobachten, dass die Problematik ab und zu auftaucht“, sagt Behördensprecher Puiu. Dennoch hatte die Polizeidirektion erst vor zwei Wochen gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr, dem ADAC und der Verkehrswacht Niedersachsen eine groß angelegte Aktion gestartet, in der sie die Verkehrsteilnehmer aufrief, sich bei Unfällen korrekt zu verhalten und eine Rettungsgasse zu bilden.

„Sensationslust gepaart mit Dummheit“

Drei Fragen an den Verkehrspsychologen Dr. Wolfgang Thielke

Herr Thielke, was geht in Menschen vor, die an einem Unfall auf der Autobahn vorbeifahren?
Zunächst einmal muss man wissen, dass jeder Mensch instinktiv den Impuls hat, genauer hinzuschauen, wenn er etwas entdeckt, das er für interessant hält. Würde man an einem schlimmen Unfall auf der Autobahn vorbeifahren, ohne auch nur einen Blick in diese Richtung zu werfen, wäre das auch nicht normal.

Aber wäre es dann nicht normal, dass sich regelmäßig Menschenmengen an den Unfallstellen bilden?
Nein, denn es gibt einen Unterschied zwischen Menschen mit gesundem Interesse und Gaffern. Bei Gaffern ist oft die extreme Sensationslust gepaart mit Dummheit. Diese Menschen erleiden dann einen Kontrollverlust und machen etwas, das sich nach den Werten unserer Gesellschaft nicht gehört. Zudem bringen sie durch ihr Verhalten auch noch sich und andere in Gefahr.

Kann man solchem rücksichtslosen Verhalten mit Strafen beikommen?
Selbst wenn es sich bei Gaffern oft um Wiederholungstäter handelt, denke ich, dass eine Anzeige, wie die Polizei sie jetzt prüft, Wirkung haben könnte. Wenn es publik wird, dass die Polizei gegen Gaffer teilweise rigoros vorgeht, überlegen sich manche Autofahrer vielleicht beim nächsten Unfall genau, ob sie
als Gaffer anhalten oder nicht.

Interview: Jörn Kießler

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