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Aus der Stadt Polizist aus Hannover will kein Frührentner sein
Hannover Aus der Stadt Polizist aus Hannover will kein Frührentner sein
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09:07 20.07.2011
Von Tobias Morchner
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Hannover

Der wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung und einer Krebserkrankung als schwerbehindert geltende Mann war von der Behörde im August 2009 entlassen worden. Die Mediziner des polizeiärztlichen Dienstes kamen in einem Gutachten zu dem Schluss, dass der heute 50-Jährige weder für den Vollzugsdienst noch für den allgemeinen Verwaltungsdienst geeignet ist. Der Beamte erhielt daraufhin seine Entlassung.

Seitdem lebt er von einer kleinen Rente statt von seinem A9-Gehalt. Doch das Verwaltungsgericht teilt offenbar die Einschätzung der polizeilichen Gutachter nicht. Zwar wird mit dem endgültigen Urteil erst in ein paar Tagen gerechnet, Richterin Anne Mayer ließ allerdings am Dienstag durchblicken, dass sie gewillt ist, die Frühpensionierung des Beamten aufzuheben. „Die Behörde hat es versäumt zu prüfen, ob es für den Beamten nicht doch irgendwo einen seiner Krankheit entsprechenden Arbeitsplatz gibt“, sagte sie.

Klaus E. ist seit 1979 im Polizeidienst. Als Schutzmann sei er oft in brenzlige Situationen geraten, berichtete er. „Man hat auf mich geschossen, ein Verdächtiger hat sich vor meinen Augen eine Kugel in den Kopf gejagt, bei einem Stadtbahnunfall ist eine Frau in meinen Armen gestorben“, fasst der Beamte seine traumatischen Erlebnisse zusammen. Irgendwann wuchs der Job dem Hauptkommissar über den Kopf. An Schichtdienst auf der Straße mit schussbereiter Waffe im Holster war nicht mehr zu denken. Als dann auch noch Hautkrebs bei dem Polizisten diagnostiziert wurde, ließ er sich in den Innendienst versetzen – zunächst in die Polizeiinspektion Ost, dann in die Kriminalfachinspektion 5, Abteilung DNA, auf dem Hanomag-Gelände. „Es war der ideale Arbeitsplatz in einem Zwei-Mann-Büro ohne Publikumsverkehr“, sagte Klaus E. in der Verhandlung.

Doch aufgrund seiner schweren Erkrankungen und den damit in Zusammenhang stehenden Reha-Maßnahmen fiel er häufig aus. So oft, dass seine Dienststelle schließlich den polizeiärztlichen Dienst einschaltete und die Mediziner besagtes Gutachten erstellten. Gegen die ärztliche Beurteilung reichte Klaus E. sofort Klage ein. Diese Schrift hätte eigentlich aufschiebende Wirkung. Der Polizist hätte also bis zu einem Urteilsspruch seinen Dienst versehen müssen. Doch Klaus E. wird seit dieser Zeit immer wieder von den Medizinern der Behörde krankgeschrieben. Damit ist – sollte Richterin Mayer tatsächlich entsprechend ihrer Ankündigung entscheiden – bald Schluss. „Dann ist es an der Behörde, meinem Mandanten einen entsprechenden Arbeitsplatz anzubieten“, erklärte Rechtsanwalt Peter Wiedekind, der den 50-Jährigen vertritt.

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