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Aus der Stadt Polizist streitet Sex in Zelle ab
Hannover Aus der Stadt Polizist streitet Sex in Zelle ab
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00:15 24.11.2013
Von Michael Zgoll
Verteidiger Matthias Waldraff (l.) kritisierte seinen Mandanten für widersprüchliche und unsinnige Aussagen, die dieser im ersten Verfahren vor dem Amtsgericht gemacht habe. Ralf W. bestreitet, dass ihn eine 36-jährige Frau in einer Ausnüchterungszelle in Linden befriedigt hat. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Das Amtsgericht Hannover beantwortete diese Frage im November 2011 mit „Ja“ und verurteilte den Beamten wegen sexuellen Missbrauchs einer Gefangenen, schwerer Nötigung, Ausnutzung der Amtsstellung und Vorteilsannahme zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten auf Bewährung. Der Polizist wurde vom Dienst suspendiert, ist noch heute freigestellt. Doch Staatsanwaltschaft und Verteidigung gingen in Berufung.

Seit gestern wird der Fall im Landgericht Hannover neu aufgerollt. Der Staatsanwalt fordert eine höhere Strafe, will W. wegen Bestechlichkeit statt Vorteilsnahme verurteilt sehen. W.s neuer Anwalt Matthias Waldraff sagt, dass sein Mandant die Tat überhaupt nicht begangen haben kann.

Unstrittig ist, dass die 36-jährige Polin am frühen Nachmittag in Limmer einen heftigen Streit mit Familienmitgliedern austrug und auf der Straße laut herumschrie. Der Blutalkoholwert der Frau, die gelegentlich als Prostituierte arbeiten soll und mehrfach vorbestraft ist, lag knapp über zwei Promille. Streifenpolizist Ralf W. und ein Kollege fuhren sie zur Wache.

Der Verteidiger verlas gestern vor der 9. Kleinen Strafkammer eine längere Erklärung des Angeklagten, die der 49-Jährige später ausführlich ergänzte. Schon im Streifenwagen, sagte W., habe ihm die Frau Avancen gemacht. In der Gartenallee sei sie von einer Beamtin durchsucht worden. Anschließend, während einer kurzen Rauchpause, habe ihm die 36-Jährige in den Schritt gegriffen und bekundet, dass sie mit ihm schlafen wolle. Daraufhin habe er einen Kollegen gerufen; gemeinsam hätten sie die betrunkene Frau in eine Ausnüchterungszelle gebracht. Er habe die „Anmache“ einem Vorgesetzten gemeldet und sei dann wieder Streife gefahren. Zu sexuellen Kontakten in der Zelle sei es niemals gekommen.

Nach Dienstschluss, schilderte der Polizist, habe die Frau vor dem Revier auf ihn gewartet, er habe sie auch ein Stück in seinem Privatwagen mitgenommen. Offenbar hatte sie nun doch sein Interesse erregt: In den nächsten zwei Wochen schickte er ihr per Handy schmachtende SMS, sie rief ihn mehrfach an. Er habe aber keine ernsthaften Gefühle für sie gehegt, meinte W. gestern, sondern nur auf Telefonsex gehofft. Letztendlich habe sich die Sache aber schnell wieder erledigt. Erst fünf Monate später, drei Tage vor seiner Hochzeit im Mai 2010, sei er von der Staatsanwaltschaft mit dem Vorwurf konfrontiert worden, dass er die Polin sexuell missbraucht habe - ein unglaublicher Vorwurf, der ihn tief erschüttert habe.

In den kommenden Monaten, geißelte Matthias Waldraff seinen eigenen Mandanten, habe dieser eine Reihe folgenschwerer Fehler gemacht. Aus Scham gegenüber seiner zukünftigen Frau, mit der er schon ein kleines Kind aufzog, habe er jegliches sexuelle Interesse an der Polin verneint, habe in den Vernehmungen Angaben „ohne Sinn und Verstand“ gemacht und sich in viele Widersprüche verstrickt. Erschwerend sei hinzugekommen, dass W. über die Gewerkschaft einen Pflichtverteidiger aus Mannheim an die Seite gestellt bekam, der die Angelegenheit nicht mit dem notwendigen Engagement verfolgt habe. So sei diesem beispielsweise etwas Entscheidendes entgangen: Zu der Zeit, als W. sexuellen Verkehr mit der Frau gehabt haben soll, habe sich ein Arzt in der Ausnüchterungszelle befunden und die Betrunkene untersucht.

Am 2. Dezember wird sich das Gericht unter Vorsitz von Rainer Gundlach ein Bild von der wichtigsten Zeugin dieses Verfahrens machen: Dann soll die Frau, die den Polizisten angezeigt hat, befragt werden. Im ersten Verfahren hatte ihr eine Gutachterin bescheinigt, dass ihre Aussagen glaubhaft waren.

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