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„Polizeibeamte sind kein Freiwild“

Gewalt gegen Ordnungshüter „Polizeibeamte sind kein Freiwild“

Ein 20-Jähriger, der einem Polizisten in einem Misburger Reihenhaus mit einem einzigen Schlag den Kiefer gebrochen und drei Zähne ausgeschlagen hatte, ist gestern zu einer Bewährungsstrafe von anderthalb Jahren verurteilt worden. Der Beamte hatte ihn in den Schwitzkasten genommen.

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Ein 19-Jähriger hat einem Polizisten den Kiefer gebrochen.

Quelle: Archiv/Symbolbild

Hannover. Eine Jugendschöffenkammer des Amtsgerichts sprach den Heranwachsenden wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung schuldig. Einbezogen in das Urteil wurde eine Verurteilung aus März 2016: Mit einem Kumpel hatte Royner G. in angetrunkenem Zustand mehreren Lindenern ihre Mobiltelefone geraubt.

Zu dem Angriff auf den 57-jährigen Polizisten war es vergangenen Oktober gekommen, als drei Beamte das Wohnhaus von G.s Schwester wegen der Handy-Raubüberfälle durchsuchen wollten. Zunächst war die Situation noch sehr entspannt, doch als der damals 19-Jährige vorläufig festgenommen werden sollte, spitzte sich die Lage urplötzlich zu. Es gab einen Wortwechsel zwischen dem 57-Jährigen und G., wie hoch dieser seine Hände halten müsse, daraufhin packte der Beamte den jungen Mann von hinten. Strittig blieb zum Schluss, ob er ihn zu Boden warf und in den Schwitzkasten nahm - was immerhin drei Anwesende bezeugten. Verteidiger Thomas Walter sprach in seinem Plädoyer von einer völlig überzogenen und grundlosen Attacke des erfahrenen Beamten.

Fest steht, dass der 19-Jährige sich aus dem Griff des 57-Jährigen befreite und zuschlug. Auch einen Tritt räumte der Realschüler, der erst jüngst eine Ausbildung abgebrochen hat, ein. Der Vorsitzende Richter Reinhard Meffert machte in seiner Urteilsbegründung deutlich, dass der Faustschlag gegen „alle Regeln unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens“ verstoßen habe: „Polizeibeamte sind kein Freiwild.“ Auch wenn G. sich ungerecht behandelt gefühlt habe, hätte er niemals so reagieren dürfen: „Der Rechtsstaat verträgt keine Selbstjustiz.“ Das Jugendschöffengericht wies darauf hin, dass G. schon sieben Wochen in U-Haft gesessen hat und verhängte mehrere Bewährungsauflagen. Der 20-Jährige muss 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten, einen sechsmonatigen Anti-Aggressions-Kurs besuchen und sich „nach Kräften“ um einen neuen Ausbildungsplatz bemühen.

Dass Polizisten immer mehr zur Zielscheibe tief sitzender Abneigung werden, zeigte sich gestern in einem anderen Verfahren. Der 33-jährige Marvin S. ist schon mehrfach verurteilt worden, weil er Mitarbeiter von Security und Polizei gerne beschimpft. Gestern ging es um Ausdrücke wie „Idiot“, „Wichser“ und „Pimmelberger“, die der alkoholisierte Mann zwei Beamten in seiner Wohnung an den Kopf geworfen hatte. Das Amtsgericht verhängte gegen den Nordstädter, der den Prozess schwänzte, auf Antrag des Staatsanwalts eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen à 30 Euro.

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