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Wiederaufbau

Präsentation der Entwürfe vom Architekturwettbewerb Schloss Herrenhausen

Von Conrad von Meding

Die Architekturentwürfe für den Wiederaufbau von Schloss Herrenhausen werden jetzt öffentlich gezeigt.
 Der Wettbewerbssieger setzt auf tiefergelegte Lichthöfe – und ein pfiffiges Raumkonzept im rekonstruierten Gartenschloss.
Blick von unten: Aus dem Forum unter dem Schlosshof lässt sich durch den Patio das Schloss erkennen, rechts wandert der Blick in den großen Tagungssaal mit bis zu 300 Sitzplätzen.

Blick von unten: Aus dem Forum unter dem Schlosshof lässt sich durch den Patio das Schloss erkennen, rechts wandert der Blick in den großen Tagungssaal mit bis zu 300 Sitzplätzen.

© Handout

Wie lässt sich ein modernes Tagungszentrum mit Platz für bis zu 300 Wissenschaftler möglichst elegant und funktional in ein ansonsten originalgetreu aufzubauendes, aber kleines Schloss integrieren? 14 Architekturbüros aus ganz Deutschland haben Antworten gesucht – und sind auf zum Teil pfiffige Lösungen gekommen. Im Wettbewerb des Bauherrn Volkswagenstiftung hat sich das Konzept des jungen Hamburger Planungsbüros Jastrzembski Kotulla (JK) durchgesetzt. Es bringt auf die überzeugendste Weise Licht in den unterirdischen Tagungsraum im Schlosshof: Rechts und links des großen Hörsaals sind offene Lichthöfe im Stil spanischer Patios angeordnet, die begehbar sind. „So bringen wir Licht und Luft in die Tagungsebene“, sagt Architektin Bettina Jastrzembski. „Innovation und Tradition“ seien „kongenial“ verbunden, lobte Wilhelm Krull, Generalsekretär der Volkswagenstiftung, am Freitag bei der ersten Präsentation der Entwürfe.

Die Hamburger Wettbewerbssieger haben lange an Details getüftelt. Das unterirdische Wissenschaftszentrum habe sich störungsfrei einbetten sollen in die Gartenarchitektur, betont Sven Kotulla: Oberirdisch soll kaum etwas von der modernen Technik im Untergeschoss zu erkennen sein. Bestenfalls würden die Lichthöfe wie eine „Neuinterpretation der Wasserbecken“ im Großen Garten wirken, verspricht Jastrzembski. Andere Planer haben deutlichere Spuren hinterlassen. Stephan Braunfels (Berlin) etwa lässt in seinem Entwurf den Schlosshof wie ein Amphitheater zum Tagungsbereich abfallen. Hans Kollhoff (Berlin) platziert eine starke, barocke Ornamentik im Außenbereich. Schneider+Schumacher (Frankfurt) haben riesige, blütenkelchartige Lichtschächte im Hof installiert, Storch Ehlers (Hannover) säulenartige Lichtschächte über den Hof verteilt. Der im Wettbewerb zweitplatzierte Entwurf (ASP, Hannover) hat die Idee der Viertelkreise des Ehrenhofs von der anderen Schlossseite mit modernen Lichtschächten wieder aufgenommen. Der Drittplatzierte, der Potsdamer Schlossarchitekt Peter Kulka (Dresden), schlägt einen typischen Herrenhausenbrunnen als von Wasser besprengte, barocke Lichtkuppel über dem Hörsaal vor. Mit ASP und Kulka wird zwar noch weiter verhandelt. Doch wer den Jurymitgliedern genau zuhört, der ahnt, dass die Hamburger als erste Preisträger im Wettbewerb das Rennen längst gemacht haben dürften. Stiftungschef Krull rechnet damit, dass schon „in vier bis fünf Wochen“ die endgültige Entscheidung bekannt gegeben werden kann.

Die Lichthöfe der Hamburger haben nicht nur den Reiz, dass sie sich der klassizistischen Schlossarchitektur des Hofbaumeisters Laves im Wortsinne unterordnen. Sie geben auch dem unterirdischen Wissenschaftsraum eine echte, eigene Qualität. Ein großzügiges Foyer entsteht auf der einen Seite des Hörsaals, auf der anderen Seite profitieren helle Seminarräume von der Patio-Idee. Und auch der Tunnel, der die Museumsbereiche in den beiden Schlossflügeln verbinden soll, könnte dank des ausgeklügelten Lichtkonzepts statt eines klaustrophobischen Gangs eine eigene Ausstellungszone mit Charme werden.

Auch in anderen Details überzeugt der Hamburger Entwurf. So haben Jastrzembski Kotulla als einzige Wettbewerbsteilnehmer bei der Neukonzeption des Festsaals im Obergeschoss andere Raumhöhen eingeplant – aus Rücksicht auf die Akustik. „Der unterirdische Hörsaal ist für Sprache ausgelegt, im Festsaal soll aber auch Kammermusik gut klingen“, sagt Ingenieur Carsten Ruhe, der die Hamburger in Akustikfragen beraten hat. Deshalb wurde im Festsaal statt der historischen Raumhöhe eine Deckenhöhe von über fünf Metern eingeplant. Was die Jury besonders überzeugt hat, ist die asymmetrische Raumaufteilung im Hauptgebäude. Weil der Museumsbereich von Osten her betreten wird und der Wissenschaftsbereich von Westen, haben die Hamburger auch das Haupttreppenhaus aus der Hauptachse Richtung Westen verlegt. Das sei konsequente Architektur, lobt der Juryvorsitzende und Berliner Architekt Prof. Klaus Theo Brenner: Wer sich mit klassizistischen Schlössern beschäftige, der wisse, dass häufig Asymmetrien eingesetzt wurden.

20 Millionen Euro will die Volkswagenstiftung in den Bau investieren. Bis zum Jahr 2012, zum 50-jährigen Bestehen der Stiftung, soll alles fertig sein, 2014 dort die große Welfenausstellung anlässlich der Feiern von 300 Jahren Personalunion mit Großbritannien gezeigt werden. Die Stadt mietet – mit Unterstützung des Landes – die beiden Schlossflügel für museale Zwecke zurück. Dort soll über die Welfen und das letzte Universalgenie Leibniz informiert werden. 2,2 Millionen Euro sind für das Museumsprojekt bereits zusammengekommen.

Der Juryvorsitzende Brenner nennt den Schlossneubau ein „wunderbares Rekonstuktionsprojekt“. Oberbürgermeister Stephan Weil frohlockte, in Herrenhausen werde künftig Natur- und Kulturgenuss mit Wissenschaftsgenuss und Wissenschaftsgeschichte vereint: „Jetzt haben wir eine Vorstellung davon, wie es künftig in Herrenhausen aussehen wird.“ Für alle Büros war die originalgetreue Rekonstruktion des Schlosses Bedingung, wobei Sonderaspekte wie die Fassadendämmung besondere Herausforderungen darstellen. Auch die Ausgestaltung der Innenräume des Hauptgebäudes ist noch offen. Einige Entwürfe lassen erkennen, wie schön sich der Festsaal wiederherstellen lässt, das Berliner Büro Kollhoff hat sogar konkrete Entwürfe zur Wiederherstellung des prächtigen Vestibüls geliefert. Die Innenausstattung aber ist derzeit noch kein Thema, stellte der Bauherr klar.

Stadt hofft auf Besucherzentrum: An der Ostseite des Schlosses, wo auch jetzt während der Bauphase schon Besucher am Jacobsen-Glasfoyer vorbei in den Großen Garten geleitet werden, will die Stadt ein zentrales Besucherzentrum einrichten, in dem sowohl Kassenbereiche von Gartenanlage und Museum als auch Museumsshop untergebracht werden können. „Die Entwürfe zeigen, dass es funktioniert“, freut sich Kulturdezernentin Marlis Drevermann, die am Freitag die Kulturpolitiker des Rates durch die Ausstellung führte.

Die Entwürfe aller 14 Planerbüros sind bis zum 2. Mai im Historischen Museum an der Pferdestraße zu besichtigen. Der Eintritt für diese Ausstellung ist frei.

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  • Wenn Zukunft verspielt wird Bürger – 27.04.10
    @Hannoveraner

    Normalerweise zähle ich mich zu den Bürgern der Stadt/Region, die sich über neu Entstehendes freut. Das muss zwar nicht an jedem Ort sein, aber ich freue mich darüber, wenn man bestimmte räumliche/städtebauliche Situation nicht wieder erkennt, wenn sich etwas weiterentwickelt hat. Heute leben wir in einer gleichgeschalteten sogenannten „Mediengesellschaft“, die ständig neue inszenierte „Bilder“ konstruiert, die jedoch mit ihrer Symbolik nichts mehr mit unserer Lebenswirklichkeit zu tun hat (das gilt auch für Architekturen). Diese „Bildersucht“ haben vor allem Politiker und diejenigen, die mit der „Öffentlichkeit“ Geld verdienen. Dabei liegt das Leben im Augenblick weit mehr in der Gewalt von Fakten, man denke nur an die Banken, - Wirtschafts, - und Staatskrise. Was bleibt? Nur die Zukunft, und das sind die Kinder.

  • Herrenhausen Hannoveraner – 26.04.10
    Bravo Stier,bravo Bürger!
    Die Gärten wurden nach dem Krieg mit viel Liebe, Einsatz und Geld wieder hergerichtet (restauriert?). Warum betrachtet man sie nicht einfach in ihrer jetzigen Darstellung als das was sie auch sein könnten?
    Als Mahnmal dafür, was menschliche Unvernunft, Zerstörungswut und Größenwahn anrichten können! Hätte für mich noch einen Sinn.

    Hannover hat genug Platz für alle möglichen Zusammenkünfte. Wir brauchen kein Denkmal für eine exponierte Elite von dem das Gros der Bevölkerung sowieso nichts hätte.

    Die Stiftung sollte sich vielleicht einmal folgendes überlegen:
    von dem Geld könnte man wahrscheinlich sämtliche hannoverschen Schulen mit modernen IT-Einrichtungen ausstatten.
    Das wäre gut angelegtes Stiftungsgeld. Oder?
  • Gebrauch und Wahrnehmung Bürger – 26.04.10
    @Martinsson
    Eine interessante Annährung an den Gegenstand. Zur Zeit der Romantik bezeichnete die Schriftstellerin Dorothea von Schlegel Architektur als „versteinerte Musik“ und selbst Goethe nennt auf einer Italienreise die Bauwerke, die ihn dort beeindruckten „stumme Musik“. Man sollte jedoch wissen, Gebäude werden anders als im Bereich der Musik auf doppelte Art rezipiert. 1. durch Gebrauch (Nutzung) und 2. durch Wahrnehmung. Zu 1. Das Gebäude wird für Veranstaltungen genutzt, die nichts mehr mit dem historischen Vorbild zu tun haben. Zu 2. Nur die Außen-Fassade spiegelt uns symbolisch die Welt der „Alten“ vor. Zur Idee: Jede Idee sollte ein Bild der Welt sein. Interessant wird es, wenn man sich fragt, welches Bild soll uns hier vermittelt werden? Die Wahrnehmung, ist immer ein interpretatives Lesen. Haben wir dazu überhaupt noch die Fähigkeit dieses Bild zu lesen und zu interpretieren?

  • Scloss Herrenhausen Martinsson – 23.04.10
    Unsachliche Kommentare zeichnen sich u.a. dadurch aus, dass ohne tiefergehende Diskussion immerzu sofort der Vergleich mit "Disneyland" gezogen wird.
    Die Architektur als eine - wie die Musik - vollkommene Kunst basiert doch auf der Idee! Es gibt auch in der Musik sehr eigene Inividuen - z.B. den großen Sergiu Celibidache - die Musik nur dann als wahr betrachten, wenn sie real von Menschen aufgeführt wird. Wer unter uns denkt aber ebenso? Es ist somit egal, ob ein Bauwerk nie zerstört war, ob es rekonstruiert ist oder wird, oder ob das Bauwerk vielleicht nie realisiert worden ist: es ist immer dasselbe Bauwerk. Dank der Volkswagenstiftung sollten sich die Menschen an dem Schloss Herrenhausen also auch erfreuen können. Die Kunst Laves' ist unvergänglich, mit der Rekonstruktion wird ihm nur ein weiteres Denkmal in Hannover gesetzt.
  • Disneyland-Architektur Benno – 22.04.10
    Leute, die es begrüßen oder auch nur hinnehmen, dass ein weltweit bedeutendes Kulturdenkmal wie der Herrenäuser Barockgarten durch eine sündhaft teures, aber ansonsten primitives Disneyland-Gebäude verschandelt und damit die Frage nach Aufnahme dieses Gartens in die Weltkulturerbe-Liste negativ beantwortet wird, haben jedes Recht verloren, sich ernsthaft über Architektur zu verbreiten!

    Das schließt Kommentare über den Landtagsneubau oder die vogebliche historische Qualität des alten Plenarsaalgebäudes mit ein.
  • Schade Tristan Kufuss – 18.04.10
    Unter den fünf im ersten Rundgang ausgeschiedenen Arbeiten gab es drei, die wegen ihrer prinzipiellen Klarheit und ihres Selbstbewußstseins hervorstechen - besonders Braunfels und Schweger. Prämiert wurde dann wieder der "kleinste gemeinsame Nenner". Besonders peinlich der 2. Preis - muffiger geht´s nimmer!
  • @Jens Bürger – 18.04.10
    Lieber Jens. In diesem Fall hat der Bauherr die „Nachbildung“ einer äußeren Erscheinung bestellt, und bekommt die jetzt auch. Heute ist technisch im Bauen fast alles möglich. Wenn das so ist, sollte man sich zuerst die Frage stellen, was sollte n i c h t getan werden, zumal das Raumprogramm, das Innere, die Nutzung , natürlich modern sein muss und auch sollte. Das war für die Architekten eine wirkliche Herausforderung. Übrigens, hätte ich nach meinem Kenntnisstand auch das Hamburger Büro mit dem 1. Platz im Wettbewerb ausgezeichnet, wegen der Lösungen im Inneren. Das war verdammt schwer, aufgrund der Vorgaben des Bauherrn. Ein Gebäude muss auch möglichst reibungslos funktionieren. Und nun zum Erscheinungsbild. In diesem Fall, hätte man auch z.B. die Proportionen, also die Dimensionen des „historischen Gebäudes“ aufnehmen können und modern interpretieren können. Aber nein, es sollte und musste von der Wirkung her eine romantisch- sentimentale Nachbildung von Vergangenem sein. Warum? Zumal wir es mit einer äußeren (Fassade) und inneren Wirklichkeit (Nutzung) zu tun haben. Außen, die Sehnsucht nach dem „Alten“, innen sehr „Modern“. Da wir gewohnt sind die Gegenstände der Erscheinungswelt nach ihrem Äußeren zu betrachten und einzuordnen, fällt es uns oft schwer, die Dinge von ihrem Wesen und Kern her zu sehen. Ich bin ein Anhänger, der in „Räumen“ denkt und nicht zuerst in „Architektur“. Wir haben es an diesem Ort in Herrenhausen mit einer barocken Gartenanlage zu tun (kunsthistorisch von hohem Rang). Vereinfachend kann man vielleicht sagen, dass im Barock das Wesen der Dinge mehr im Glanz ihrer äußeren Erscheinung gesehen wurde. Dies zeigt sich auch in der damaligen Auffassung des Raumes und der Formen und auch der Oberfläche. So weit erstmal. Grüße vom Bürger.
    P.S. Conrad von Meding hat als Journalist für eine Tageszeitung dieses Thema „Architektur-Wettbewerb“, aufgrund der Komplexität und des nachvollziehbaren Zeitdrucks erst einmal erfasst und transportiert. Bestimmte „fachliche“ Einschätzungen und Bewertungen, die natürlich unter „Kennern“ eine enorme Bedeutung haben, sollten jedoch unterlassen werden.
  • Baustil Jens – 18.04.10
    Ich kann die Kritik an der HAZ gut verstehen. Nun ist die HAZ kein Blatt von Welt und macht ihren Job soweit ganz passabel. Mehr kann man wohl nicht erwarten.

    Abgesehen davon: Ich kann nirgends in Hannover den "eigenständigen zeitgenössischen" Baustil, die Werke der "klugen", "großen Meister" finden. Wo sind sie denn?

    Was noch vor nur 30 Jahren herrausragende Architektur war wird heute schon wieder verachtet und abgerissen. Im Ergebnis traut man sich heute nichts besonderes mehr zu, wir verkommen im Glasfassaden- und graue-Platten-Verkleidungen-Mainstream. Siehe Aegi, siehe Expoplaza, Galerie, Karstadt, Kröpckecenter, Nord-LB... Wo sind die Augenschmeichler, die für mehr gut sind als vielleicht ein Jahrzehnt? Selten, sehr selten geht die Architektur in Hannover über den reinen Zweckbau hinaus. Der Turm der Nord-LB und der Gehry-Tower sind Beispiele. Aber sind diese wirklich grandios? Nunja...


    Augentäuscher? Gerade Glas täuscht eine Transparenz vor, die aber tatsächlich schwindet.


    Was ich sagen wollte, ist, dass die Kritik an Rekonstruktion oftmals Hand und Fuß hat, hier aber überhaupt nicht sinnvoll greift. Es gibt keinen Grund, hier keine Rekonstruktion hinzustellen. Und es wäre auch weder der Bevölkerung dieser Stadt noch ihren Gästen vermittelbar.

    Gruß
  • Die Macht der Bilder Bürger – 17.04.10
    Ich vergaß noch zu sagen. Die Medien machen oft keinen Unterschied, ob es sich um eine fundamentalistische oder ernst zu nehmende Kritik handelt. Übrigens haben die Medien ein ureigenes Interesse an solchen Fassaden, da man symbolische Bilder produzieren und verschicken kann in unserer Aufmerksamkeitsökonomie. Die Postkartenbilder sind dann für die Kaffeefahrten, die Bilder von durchgeführten Kongressveranstaltungen oder z.B. den „Händelfestspielen“ für Eingeladene- das alles sind Inszenierungsoptionen. Irgendetwas muss ja produziert werden, auch wenn es nur ein Medienprodukt ist. Und so wird dann eine Wirklichkeit konstruiert und inszeniert, die gar nicht wirklich ist. Ich persönlich stelle mir immer vor, ob ich mich in dieser gebauten Umwelt aufhalten möchte? Die Antwort ist eindeutig NEIN.
  • Unterthänigst Stier – 17.04.10
    Georg Ludwig Friedrich Laves‘ Bewerbungsschreiben vom 14. Januar 1814 für den Posten des Hofarchitekten im Königreich Hannover war in Sütterlinschrift verfasst und endete mit den Worten:

    Unterthänigster Diener L. Laves.

    Niemand käme heutzutage auf die Idee, sich so bewerben. Aber eine seiner Fließbandarbeiten – Laves war arbeitssüchtig – nachzubauen, ist anscheinend en vogue.
  • @Stier Bürger – 17.04.10
    So ist es! Was sonst sollen wir tun, als zu eigenständigen zeitgenössischen Lösungen zu kommen? Wir wollen keine Geschichte vortäuschen, wo keine mehr ist. Mir würde es auch nicht reichen, wenn die Menschen den Eindruck hätten, sie stünden vor historischen Fassaden, die in Wahrheit nur Bauteile in alter Anmutung sind. Wenn man da nicht aufpasst, gerät man auf ein totes Gleis. Bloße Kopien können schnell leblos wirken. Wenn sie unbegrenzte Mittel zur Verfügung haben, würden Sie vielleicht eine ganz nette Augentäuschung hinbekommen. Deshalb ist die Frage gar nicht Alt oder Neu. Die Sprache der Architektur lässt viele Variationen zu.
  • @ Jens Stier – 17.04.10
    Meine Kritik richtete sich an die Berichterstattung zu diesem Thema in der HAZ, die so einseitig ist, dass die journalistische Ethik zur Makulatur wird.

    Über Architektur wird gestritten, solange es Menschen gibt. Mal setzten sich die Meister durch, mal die Kleingeister. Wenn der Zeitgeist jetzt die Kleingeister nach oben schwemmt, so gehört das zum Leben. Ich werde dadurch nicht zum Misanthropen. Im Gegenteil. Diskussionen erweitern unseren Horizont. Und manchmal auch die Klugheit. Den Bau eines Retro-Schlosses damit zu rechtfertigen, dass sich der Gegenpol zum gegenwärtigen Baustil in der Mottenkiste befindet, ist allerdings nicht besonders klug.
  • Kritikwut Jens – 17.04.10
    Sie müssten sich einmal selber zuhören. "Seelenloser Retrobau", mal ganz ehrlich: Wünschen sie sich einen seelenlosen 08/15 Glasfassadenbau, wie ihn jeder Architekturstudent hinstellen kann?

    Oder darf es etwas außergewöhnliches á la Gery-Tower sein: Nach dem ersten Erstaunen einfach nur lächerlich effektheischend? Oder so ein dümmlicher Glastempelbau wie den neuen Landtag?

    Man kann ja an Rekonstruktion Kritik üben, aber wenn die moderne Architektur nichts zu bieten hat muss man auch einmal anerkennen, dass an einen Ort wie dem Großen Garten eine Rekonstruktion einfach am besten passt. Welcher Tourist will dort ein Gebäude vorfinden, das auch die örtliche AOK oder Allianz beheimaten könnte?

    Wer das nicht so sieht, kann ja auch mal konsequenterweise darüber nachdenken, ob man den Garten nicht auch nach 'modernen' Gesichtspunkten komplett umgestalten sollte. Z.B. einen Parkplatz draus machen!

    Gruß
  • Frohlocket! Stier – 17.04.10
    Für die Verhinderung des Landtagsneubaus zog und zieht die HAZ alle Register. Über Wochen kamen tagtäglich alle möglichen Kritiker zu Wort. Und seien sie noch so unwichtig. Für die Realisierung des seelenlosen Retro-Schlosses in Herrenhausen gibt es anscheinend nur Befürworter. Komisch. Ich kenne mehrere, namhafte Bürger dieser Stadt, die dagegen sind. Offenbar ist Conrad von Meding auf einem Auge blind.
  • Manieristische Stilübungen Bürger – 17.04.10
    Es herrscht ein phantasieloser Rekonstruktions- und Wiederaufbauwahn in Deutschland. Auch Hannover hat sich dem Zeitgeist gebeugt, doch der ruft, statt nach Kulissen, heute nach Authentizität. Es handelt sich auch um keine Rekonstruktion (lat. reconstructio „Wiederzusammenfügung“). Vom ehemaligen Schloss in Herrenhausen existiert kein einziger Stein mehr. Der Schloss-Neubau wird auch in moderner Stahlbetonweise ausgeführt werden. Bei einer „Rekonstruktion“ muss es sich um die tatsächliche Wiederherstellung eines verloren gegangenen ursprünglichen Zustandes von Werken der bildenden Künste, Architektur oder eines historischen Denkmals handeln. Die „Rekonstruktion“ erfordert die exakte Erfassung noch vorhandener originaler Einzelteile. Je weniger exakte Unterlagen vorliegen, umso hypothetischer ist der Charakter und umso geringer der Wert. Die äußere Erscheinung ist eine Bedeutungskopie eine manieristische Stilübung ohne mühsame Abstraktion, die nur im Inneren und zum Garten hin eine eigene zeitgemäße Sprache entwickelt. Das Innere wird modern behandelt und erhält ein völlig neues Raumprogramm. Nur hier finden wir das Wesentliche das charakteristisch ist, es ist eine feudale Repräsentanz, die klassizistische Elemente zitiert. Und wenn in einer Sommernacht am Himmel über Hannover ein Meer von Lichtern aufleuchtet, sollen im Großen Garten zu Herrenhausen wieder Zuschauer in eine magische Stimmung versetzt werden, in eine Zauberwelt der Illusionen.

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