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"Preacher Slam" ist Theologie in schnellen Worten

Ökumenischer Kongress "Preacher Slam" ist Theologie in schnellen Worten

Der „Preacher Slam“ ist der Versuch einer Öffnung. Vier Theologen treten in der Kunst der schnellen Worte gegen vier Literaten an. Aber mit wie viel Alltag kann die Kirche umgehen?

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„Wenn Jesus gevierteilt worden wäre, hinge in jeder Kirche ein Mobilie“: Tobias Kunze zeigt beim „Preacher Slam“ Mut.

Quelle: Akbaba

Hannover. Mit der Schöpfungsgeschichte kann Tobias Kunze nicht viel anfangen. Daraus macht er kein Geheimnis. „Wie hat Gott das eigentlich mit der Sonne hingekriegt?“, will er wissen.

Kunze hält kurz inne. „Sie besteht ja aus Gas“, sagt er, grinst. „Vielleicht hat er sie einfach gefurzt.“ Er blickt ins Publikum, wartet auf eine Reaktion. Sie kommt verhalten. Betretenes Schweigen. Dann vereinzelte Lacher, schließlich Klatschen. Es hätte auch anders ausgehen können. Der hannoversche Poetry-Slammer steht nicht in einer Studentenkneipe, sondern im Altarraum der Lutherkirche in der Nordstadt, an einem Ort, wo Pastoren sonst das Evangelium verkünden.

Im Publikum sitzen in der Hauptsache denn auch keine überzeugten Atheisten, sondern Kirchenleute. Protestanten wie Katholiken. Aus ganz Deutschland sind sie nach Hannover gekommen. Beim ökumenischen Kongress „Kirche2“ auf dem Expo-Gelände machen sie sich Gedanken darüber, wie die Kirche raus aus den Gotteshäusern und rein in den Alltag der Menschen kommt. Der „Preacher Slam“ ist so ein Versuch einer Öffnung. Vier Theologen treten in der Kunst der schnellen Worte gegen vier Literaten an. Aber mit wie viel Alltag kann die Kirche umgehen? Mit einer Menge, wie sich am Abend in der Lutherkirche herausstellt. Tobias Kunze landet auf Platz drei. „Wer auf diesem Kongress eine Herausforderung gesucht hat, hier ist sie“, sagt Moderator und HAZ-Redakteur Jan-Egge Sedelies und deutet auf Kunze.

Die Literaten können es. Sie wissen, worauf es ankommt beim Poetry-Slam. Schnell und wortgewandt sind sie, finden ungewöhnliche Bilder für Alltägliches. Ihre Auftritte sind mehr Performance als Vortrag. Wie wollen die Theologen gegen die Profis ankommen? Es könnte eine Blamage werden. Könnte.

Im Rahmen des christlich orientierten Dichterwettstreits von "Kirche hoch zwei", dem ökumenischen Kirchenkongress und "Macht Worte!" traten vier Geistliche und vier Poetry Slammer unter dem Motto "Wie viel Glaube braucht der Mensch?" gegeneinander an.

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Als Christina Brudereck das Mikrofon ergreift, gilt es 92 von 100 möglichen Punkten zu toppen. 92 Punkte, die Klaus Urban, routinierter Alt-Slammer aus Stadthagen, erzielt hat. Die Essener Theologin, kurze blonde Haare, sympathisches Lächeln, schaut zögernd, abwägend ins Publikum. „Keine leichte Aufgabe“, sagt sie. Dann hebt sie an: „Am Anfang schuf Gott die ganze Welt.“ So weit, so klar. Eine Predigt aber will kaum einer hören. Dann die Wendung: „Gott sprach in ihrer klaren, warmen Altstimme.“ In „ihrer“, nicht in seiner! Brudereck erzählt ihre eigene Version der Schöpfungsgeschichte. Sie spricht von Geranien, die Gott für bayerische Hotels geschaffen hat, von einer Pfingstrose für Jesus und davon, dass Gott sich ins Fäustchen lachen musste, als sie die Kaffeebohnen schuf. „Mal sehen, ob die rausfinden, wie man das lecker kriegt.“

Bruderecks und Kunzes Vortrag könnten unterschiedlicher nicht sein, wortgewandt aber sind sie beide. Während Kunze mutmaßte, dass Gott in Hinblick auf Krieg, Zerstörung und Krankheit ein „sadistisches Arschloch“ sein müsse, das „uns allen in einem großen Feldversuch zuguckt“, ist er, pardon sie, für Brudereck eine Pippi Langstrumpf, die sich ihre Welt macht, „widewidewitt, wie sie ihr gefällt“. Tosender Applaus. Zehn mal zehn Punkte. Mehr geht nicht. Christina Brudereck ist die Gewinnerin des Abends. Und Komoderator Henning Chadde gesteht: „Ich hätte nicht erwartet, dass ihr alle so gut seid.“

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