Hannover. Für einen durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 21 000 Kilowattstunden bedeute das allein beim Gas Mehrkosten von 130 Euro im Jahr, sagte Stadtwerke-Chef Michael Feist am Mittwoch. Hinzu kämen rund 30 Euro mehr für Strom und etwa 5 Euro mehr für Trinkwasser.
Als Gründe für die Preiserhöhungen führt das Unternehmen vor allem die gestiegenen Beschaffungskosten an. Allein im laufenden Jahr habe sich der Ölpreis um 40 Prozent erhöht, an den die Konditionen für den Gaseinkauf international gekoppelt sind. Den Stadtwerken sei es zwar gelungen, sich noch kleinere Gasmengen zu einem günstigen Preis zu sichern, sagte Feist: „Aber die bringen uns nur noch durch den November.“ Auch die Kohle, die in den Kraftwerken verstromt wird, sei heute teurer als vor einem Jahr. Die Preise für Fernwärme sind bereits zum 1. Oktober um 4,5 Prozent angehoben worden.
Trotz der Tarifanhebung zählen sich die Stadtwerke im bundesweiten Vergleich immer noch zu den günstigeren Anbietern – allerdings berücksichtigt man dabei nur Konkurrenten mit einer ähnlichen Versorgungsstruktur. An neuen Wettbewerbern, die mit Kampfpreisen an den Markt gingen, könne man sich nicht messen, sagte Feist: „Wir dürfen nicht pleitegehen.“ Die Stadtwerke müssten jederzeit in der Lage sein, auch Kunden von bankrotten Anbietern – wie zuletzt Teldafax – zu versorgen.
Die Stadtwerke haben ihre Lieferkonditionen lange konstant gehalten. Beim Gas blieben die Tarife über 20 Monate unverändert, beim Strom dauerte die Periode 14 Monate, bei Trinkwasser sogar zweieinhalb Jahre. Hier begründete Feist den Preisanstieg mit Investitionen in die Hochwasserbehälter und der nötigen Sanierung der Transportleitung aus Fuhrberg nach Hannover. Zwar gehe der Trinkwasserverbrauch zurück, das ändere aber nichts an den Fixkosten.
Bei der Opposition im Rat der Stadt stießen die geplanten Preiserhöhungen auf scharfe Kritik. „Das ist schon ein großer Schluck aus der Pulle“, sagte FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke. Mit einer Anpassung der Tarife habe er gerechnet, aber nicht in dieser Höhe. „Die Stadtwerke möchten offenbar jeden Euro mitnehmen“, erklärte der CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Seidel. Beide Politiker äußerten den Verdacht, dass die Stadtwerke bewusst erst nach der Kommunalwahl an der Preisschraube drehen. „Das hat schon ein Geschmäckle“, sagte Seidel. Das Unternehmen wies den Vorwurf zurück. An der „maßvollen Anhebung der Tarife“ führe leider kein Weg vorbei, sagte Aufsichtsratschef Walter Meinhold (SPD): „Je später, desto besser für die Kunden.“ Die Grünen wollen vor einem Urteil zunächst die offizielle Begründung im Aufsichtsrat abwarten. „Langfristig ist Energiesparen die einzige Chance, den unweigerlich weiter steigenden Preisen entgegenzuwirken“, sagte der stellvertretende Fraktionschef Michael Dette.
An einer Stelle kommen die Stadtwerke den Kunden entgegen. Parallel zur Preiserhöhung im Dezember wollen sie beim Abschluss von Gas- und Stromverträgen über das Internet eine Prämie zahlen – gedacht sei an einen Bonus von 70 bis 75 Euro, sagte Unternehmenschef Feist. Die Interessenten müssten sich dafür zwei Jahre an die Stadtwerke binden. Das Angebot richte sich nicht nur an Neukunden, auch bei einem Wechsel des Tarifs könnten die Abnehmer davon Gebrauch machen, erklärte Feist. „Das gilt allerdings ebenfalls nur für Verträge, die über das Internet abgeschlossen werden.“
Jens Heitmann