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Aus der Stadt Klinik Auf der Bult weist Vorwürfe zurück
Hannover Aus der Stadt Klinik Auf der Bult weist Vorwürfe zurück
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00:17 20.04.2014
Von Veronika Thomas
Das Kindekrankenhaus Auf der Bult muss sich wegen dem Tod eines Säuglings verantworten. Quelle: Michael Thomas
Hannover

Nach dem tragischen Tod eines Säuglings hat das Kinderkrankenhaus Auf der Bult am Donnerstag den Vorwurf zurückgewiesen, das Kind einer Asylbewerberin abgewiesen und dadurch den Tod des Babys mit verschuldet zu haben. Der Ärztliche Direktor der Klinik, Thomas Beushausen, widersprach der Darstellung der aus Ghana stammenden Mutter, ihr Sohn sei nicht behandelt worden, weil kein gültiger Krankenschein vorgelegen habe. „Wir hätten uns auch ohne Krankenschein um das krankes Kind gekümmert“, betonte Beushausen. „In unserer Klinik werden generell keine Kinder abgewiesen.“

Nach Darstellung der Klinik war die Asylbewerberin Vida M. am 10. April mit ihren vier Wochen alten Zwillingen Joshua und Joseph um 9.30 Uhr in das Ambulanz- und Aufnahmezentrum gekommen. Die Mutter berichtete, Joshua habe seit dem Vorabend keine Nahrung mehr zu sich genommen. Die Frage, ob das Kind Fieber habe, habe sie verneint. „Weil kein erkennbarer Notfall vorlag, haben die Mitarbeiter den üblichen Aufnahmeprozess eingeleitet“, sagte der Klinikchef. Allerdings sei die Verständigung schwierig gewesen, weil die Frau nur sehr schlecht Englisch gesprochen habe. Einen Krankenschein des Sozialamts habe die Frau vorgelegt. „Die Untersuchung des Kindes stand unmittelbar bevor“, erklärte Beushausen. Nach Einschätzung der Mitarbeiterinnen sei die Mutter nicht in Panik gewesen, sondern habe einen ruhigen und besonnenen Eindruck gemacht.

Möglicherweise führten aber die nächsten Minuten dann zu einem folgenschweren Missverständnis. Während des Aufnahmeprozesses habe die Mitarbeiterin einen telefonischen Notruf zu einem Verkehrsunfall entgegengenommen. Sie habe Vida M. gebeten, einen Moment zu warten und sei während des Telefonats in einen Nebenraum gegangen. Als sie nach „maximal fünf Minuten“ zurückkehrte, sei die Mutter verschwunden gewesen, etwa um 9.45 Uhr. Warum, das könne sich die Klinik nicht erklären. Gegen 11.45 Uhr wurde das Baby „unter Reanimation“ per Rettungswagen in die Klinik gebracht. Die in der Klinik fortgesetzten Wiederbelebungsmaßnahmen seien erfolglos blieben. „Dieser Krankheitsverlauf war für uns absolut überraschend“, sagte Beushausen weiter.

Der Rechtsanwalt der Familie des verstorbenen Kindes, Matthias Waldraff, widerspricht den Darstellungen der Klinik. Die Mutter habe versichert, sowohl das Kinderuntersuchungsheft als auch den Entlassungsbrief des Kinderkrankenhauses, in dem Joshua unmittelbar nach seiner Geburt am 10. März bis zum 19. März behandelt worden war, vorgelegt zu haben. „Da hat aber keiner reingeschaut“, sagt Waldraff. Überdies habe Vida M. während einer fünfstündigen Zeugenbefragung bei der Polizei am Donnerstag überzeugend dargelegt, dass der von ihr vorgelegte Krankenschein nicht anerkannt worden sei, weil er nur für sie und ihre beiden älteren Söhne gegolten habe, nicht aber für die Babys. „Deshalb ist sie weggeschickt worden“, sagte Waldraff. Dabei hätte ein Blick in den Entlassungsbrief der Klinik genügt, um sich davon zu überzeugen, dass dieses Kind dort bereits behandelt worden war. „Das ist für mich der zentrale Punkt der strafrechtlichen Bewertung.“

Personelle Konsequenzen nach dem Tod des Jungen soll es im Kinderkrankenhaus nicht geben. „Ich habe keinen Anlass anzunehmen, dass meine Mitarbeiter gegen standardisierte Abläufe und Prozesse verstoßen haben“, erklärte Beushausen. Voraussichtlich am Dienstag soll das Obduktionsergebnis zur Todesursache des Babys vorliegen. Dann wird entschieden, ob die Staatsanwaltschaft Klage gegen das Kinderkrankenhaus Auf der Bult erheben wird.

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