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Priestermangel zwingt Katholische Kirche zu Umbau

Neue Organisationsstruktur Priestermangel zwingt Katholische Kirche zu Umbau

In der katholischen Kirche der Region beginnt am Sonntag ein großer Umbau: Am Ende gibt es keine klassischen Gemeindepfarrer mehr. Der Grund: Die Zahl der Kirchenmitglieder geht zurück und der Kirche fehlen Priester.

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„Echte Herausforderung“: Pfarrer Thomas Berkefeld in St. Oliver - einer seiner zehn Kirchen. Foto: Dillenberg

Quelle: UWE DILLENBERG

Hannover. Der Zukunft sieht er mit gemischten Gefühlen entgegen: „Das ist schon eine echte Herausforderung“, sagt Thomas Berkefeld. „Ich muss gestehen, dass sie mir großen Respekt abverlangt.“ Seit elf Jahren ist der 49-Jährige katholischer Pfarrer in Laatzen. Das bleibt er auch künftig - und doch ändert sich alles. Denn die katholische Kirche in der Region steht vor epochalen Veränderungen. Am Ende werden die Pfarreien keine festen Pfarrer mehr haben, und es wird in vielen Kirchen keine Sonntagsmessen mehr geben.

Vom kommenden Sonntag an leitet Berkefeld den neu gegründeten Pastoralbereich Hannover-Süd. Diesem gehören neben seiner Laatzener Pfarrei St. Oliver noch drei weitere an: Heilige Engel in Kirchrode, St. Bernward in Döhren und St. Augustinus in Ricklingen. Mit einem Team von zwei weiteren Priestern und fünf zusätzlichen Mitarbeitern ist er für zehn Kirchen und 30 Gebäude zuständig; für 23.000 Katholiken von Kirchrode bis Pattensen: „Besuche zu Geburtstagen werde ich da wohl kaum noch machen können“, sagt er.

Der Kirche fehlen Priester

Der Priestermangel zwingt die Kirche zum Umbau im ganz großen Stil: Die bisherigen 23 Pfarreien in der Region Hannover bleiben zwar als selbstständige Einheiten erhalten. Künftig werden sie jedoch in acht großen Pastoralbereichen zusammengefasst, die von übergreifenden Pfarrteams betreut werden.

Berkefelds Pastoralbereich Süd ist der erste, der offiziell aus der Taufe gehoben wird. Die anderen folgen sukzessive, immer wenn Priester durch Krankheit ausfallen oder in Ruhestand gehen. Ende September wird das Team für den Pastoralbereich Nordwest - Gemeinden in Wunstorf, Neustadt und später auch Nienburg - ins Amt eingeführt. Und 2019 wird der Pastoralbereich Nord - Gemeinden in der Wedemark und Burgwedel - um die Liebfrauengemeinde in Langenhagen ergänzt. Das alte, volkskirchliche Modell, nach dem jede Gemeinde ihren eigenen Pfarrer hatte, gehört damit der Vergangenheit an.

„Unser Team muss sich erst noch zusammenraufen“, sagt Berkefeld. Schließlich hat noch niemand Erfahrung mit dem, was bei Kirchenplanern „überpfarrlicher Personaleinsatz“ heißt. Er selbst wird künftig nicht mehr bei jeder Pfarrgemeinderatssitzung dabei sein. Vor allem jedoch können die drei Priester seines Teams nicht in jeder Kirche einen Sonntagsgottesdienst anbieten - und das sorgt bereits für die ersten Konflikte.

Nach der neuen Gottesdienstordnung soll es in St. Maria in Pattensen künftig nur eine sogenannte Vorabendmesse am Sonnabend geben. Zum Verdruss vieler Pattenser. Mehr als 100 Unterschriften hat eine Gruppe dort gesammelt, um diese Regelung zu kippen. Es sind die Verteilungskämpfe, die überall einsetzen, wo Ressourcen knapp werden.

Wo gibt es wann Gottesdienste?

Ein Kompromiss sieht jetzt vor, die Pattenser Regelung im Januar noch einmal zu überprüfen. „Wir sind aber nur drei Priester für zehn Kirchen, und wir werden nicht mehr“, sagt Pfarrer Berkefeld.

Bei allen Problemen hat der große Umbau noch einen Nebeneffekt: Immer mehr Laien aus dem künftigen Pastoralbereich Süd bilden sich mittlerweile fort, um künftig selbst Andachten leiten zu können - ganz ohne Priester. Das stärkt das Gottvertrauen der Beteiligten: „Unsere Kirche“, sagt Pfarrer Berkefeld, „hat über die Jahrhunderte schließlich schon viele Veränderungen erlebt.“

Info: Der Pastoralbereich Hannover-Süd wird am Sonntag, 14.30 Uhr, mit einem Gottesdienst in St. Augustinus, Göttinger Chaussee 145, begründet.

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