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„Für alles braucht man inzwischen Genehmigungen“

Probleme von Straßen- und Stadtteilfesten „Für alles braucht man inzwischen Genehmigungen“

Bei Straßen- und Stadtteilfesten gelten immer strengere Regeln – teils können Veranstalter die hohen Sicherheitsauflagen kaum noch erfüllen. In Misburg haben die Veranstalter das diesjährige Stadtteil- und Schützenfest abgesagt, weil sie die geforderten Security-Mitarbeiter nicht stellen konnten.

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„Das Sicherheitskonzept umfasst mittlerweile einen ganzen Aktenordner“: Buden auf dem Lister-Meile-Fest.

Quelle: Hagemann

Hannover. Die Party hat Tradition. Seit mehr als 20 Jahren gibt es das Butjerbrunnenfest in Oberricklingen: „Regelmäßig kommen Hunderte Besucher, das Ganze ist ein Riesenerfolg“, sagt Angelika Walther vom Organisationsteam. Doch zugleich macht das Fest ihr Sorgen: „Für alles braucht man inzwischen Genehmigungen, die Auflagen sind stetig gewachsen – wir überlegen, ob wir eine so große Veranstaltung überhaupt noch durchführen können.“

Kosten und Aufwand steigen

Früher habe es beispielsweise gereicht, verlegte Kabel mit Flatterband zu markieren: „Heute müssen wir uns für ein paar Hundert Euro Abdeckmatten leihen.“ Für eine Tombola brauche man eine Genehmigung vom Finanzamt. Und ständig müssten Sanitäter präsent sein: „Der Organisationsaufwand und die Kosten sind immens gestiegen.“

Veranstalter von Straßen- und Stadtteilfesten sehen sich wachsendem Druck ausgesetzt. In Misburg haben die Veranstalter das diesjährige Stadtteil- und Schützenfest abgesagt, weil sie die geforderten Security-Mitarbeiter nicht stellen konnten – die Polizei hatte versäumt, darauf hinzuweisen, dass auch Ehrenamtliche die Aufgabe übernehmen können.

Hygienevorschriften, Lautstärkeregelungen und Sicherheitsanforderungen machen Festkomitees zunehmend zu schaffen: „Das Sicherheitskonzept, das wir bei der Stadt einreichen, umfasst inzwischen einen ganzen Aktenordner“, sagt Dirk Eberitzsch von der Aktion Lister Meile, die unter anderem das Lister-Meile-Fest organisiert.

Die Zahl der Security-Kräfte sei mittlerweile ebenso vorgeschrieben wie die Kennzeichnung von Fluchtwegen. „Wenn es so weitergeht wie bisher, können wir das Fest finanziell und organisatorisch bald nicht mehr wuppen“, sagt Eberitzsch. Er wolle bei der Sicherheit keine Abstriche machen, betont er. Er wünsche sich jedoch, dass die Stadt den Veranstaltern von Volksfesten im Gegenzug bei Platzmieten und Reinigungskosten entgegenkommt.

Sicherheit wird immer wichtiger

„Die Sensibilität für Sicherheit ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen“, sagt Stadtsprecher Andreas Möser – die Entwicklung gebe es nicht erst seit der Duisburger Loveparade-Katastrophe oder den Terroranschlägen. Kontinuierlich habe man Auflagen etwa zu Absperrungen und Fluchtwegen präzisiert. Er rät Veranstaltern, sich frühzeitig mit Behörden in Verbindung zu setzen, um die nötigen Absprachen zu treffen.

„Wir dürfen uns vom Terror das gesellschaftliche Leben nicht kaputtmachen lassen“, mahnt hingegen Schützenpräsident Paul-Eric Stolle. „Hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben.“

Und beileibe nicht alle Auflagen sind der Terrorgefahr geschuldet: Im Laatzener Ortsteil Ingeln-Oesselse hatte die Junggesellschaft das traditionelle Osterfeuer in diesem Jahr ausfallen lassen. Ein Grund dafür waren auch die umfassenden Umwelt- und Brandschutzauflagen: „Und um eine Schankerlaubnis zu bekommen, muss man ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen“, sagt Philipp Großhennig, der Vorsitzende der Junggesellen, kopfschüttelnd.
„Früher war vieles unkomplizierter“, sagt Michaela Michalowitz, eine der Organisatorinnen des Ricklinger Deichfestes: „Speisen müssen heute hinter Glas angeboten werden; und wer selbst gebackenen Kuchen verkaufen will, muss ein Gesundheitszeugnis vorlegen.“ Beim Ausschank von Getränken arbeitet ihr Team inzwischen mit einer Sportgaststätte zusammen. Es ist kurios: Da wollen Ehrenamtliche ein Fest auf die Beine stellen – und müssen notgedrungen Profis engagieren.

Misburger Schützenfest nur im kleinen Rahmen

Das Stadtteil- und Schützenfest in Misburg fällt aus – doch eine kleine Feier soll es am 28. Mai gleichwohl geben: „Wir planen ein abgespecktes Schützenfest, das jedoch vor allem für unsere Vereinsmitglieder gedacht ist“, sagt Frank Beetz, Vorsitzender der Schützengesellschaft Misburg von 1862. Anstelle einer großen Feier mit mehreren Hundert Besuchern werde es jedoch nur ein kleines Fest für geladene Gäste geben. Seit Jahren waren Schützenfest und Stadtteilfest in Misburg als gemeinsame Veranstaltung gefeiert worden. Jetzt hatte Organisator Achim Lotsch die Feier abgesagt. Die Polizei habe unter anderem verlangt, 22 Security-Mitarbeiter zu beschäftigen – eine Auflage, die das Budget der Veranstalter gesprengt hätte. Die Polizei hatte in ihrem Schreiben allerdings nicht darauf hingewiesen, dass auch Ehrenamtliche diese Aufgabe wahrnehmen können. Die Polizei sprach nach der Festabsage von einem bedauerlichen Missverständnis. be

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