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Ungewöhnliches Stipendienprogramm

Professoren sollen für Studenten spenden

Von Juliane Kaune

Mit einer ungewöhnlichen Aktion will Uni-Präsident Prof. Erich Barke Stipendien für Studenten finanzieren: Per Mail hat er alle rund 340 Professoren und Professorinnen der Leibniz-Uni angeschrieben und sie um Spenden von 1000 Euro pro Jahr aus ihrem Privatvermögen gebeten.
Prof. Erich Barke.

Prof. Erich Barke.

© Handout

Hannover. Diese Summe würde die jährlichen Studiengebühren decken, die Studenten in Niedersachsen entrichten müssen. Mit seinem Vorstoß will Barke in erster Linie angehende Akademiker unterstützen, die finanziell nicht so gut gestellt sind. In bestehenden Stipendienprogrammen wird die soziale Bedürftigkeit seiner Ansicht nach nicht hinreichend berücksichtigt.

In der Mail, die der HAZ vorliegt, kritisiert Barke, dass es bundesweit kein „wirksames Stipendiensystem“ gebe. Das sogenannte Deutschlandstipendium greift nach seiner Meinung zu kurz. Dieses jüngst angelaufene Programm wird zu gleichen Teilen vom Bund und von Sponsoren aus der Wirtschaft finanziert. Die Hochschulen müssen sich auf eigene Faust um die Gegenfinanzierung durch die Unternehmen kümmern, nach einem bestimmten Schlüssel werden die mit jeweils 3600 Euro pro Jahr dotierten Stipendien verteilt. Auf die Leibniz-Uni entfallen 90 Deutschland-Stipendien.

Das sei „viel zu wenig“ schreibt Barke. Derzeit zahlten rund 13.000 Studenten die Studiengebühren von jährlich 1000 Euro und seien entsprechend finanziell belastet. „Ich würde mir wünschen, dass wir uns gemeinsam für die Studierenden einsetzen“, heißt es in dem Schreiben. In der Diskussion um die Abschaffung der Gebühren hatte Barke stets betont, dieses Geld sei für die Uni unverzichtbar, weil es die Lehre deutlich verbessere. Er hatte aber auch Bedenken geäußert, Studenten könnten abwandern, weil Niedersachsen neben Bayern das letzte Bundesland ist, das noch Gebühren erhebt. Ob seine Stipendienidee auch vor diesem Hintergrund entstanden ist, ließ Barke offen. Auf Anfrage der HAZ wollte er sich zu seinen Plänen nicht äußern.

Aus der Mail geht hervor, dass Barke vor allem die Studenten fördern will, die in der Regelstudienzeit studieren, den Bafög-Höchstsatz beziehen und kein Kindergeld mehr erhalten, weil sie älter als 25 Jahre sind.

In der Vergangenheit hatte Barke beklagt, dass das bisherige hochschuleigene Stipendienprogramm wegen den von der Politik vorgegebenen Richtlinien für das Deutschland-Stipendium nicht mehr umgesetzt werden kann. Seit 2007 hatte die Leibniz-Uni aus Gebühreneinnahmen und Firmenspenden jedes Jahr 250 Studenten mit je 1000 Euro unterstützt. Weil die Unternehmen nun das bundesweite Programm mitfinanzieren sollen, blieb das Uni-Projekt auf der Strecke. Unabhängig davon fördert das Land 130 Stipendien für die Uni à 1000 Euro aus einem landesweiten Topf.

Bei den Professoren stößt Barkes Spendenaufruf auf ein geteiltes Echo. „Grundsätzlich ist das eine gute Idee“, sagt Jurist Volker Epping. Elektroingenieur Ernst Gockenbach hält das Konzept für „überlegenswert“. Chemiker Thomas Scheper sagt, mit zwei Töchtern, die Studiengebühren zahlen, könne er sich eine Spende nicht leisten. Einem anderen Professor kommt es „merkwürdig vor, dass wir unseren Arbeitgeber bezuschussen sollen“. Barke selbst würde zwei Stipendien übernehmen.

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