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Aus der Stadt Programm „Balu und Du“ fördert benachteiligte Kinder
Hannover Aus der Stadt Programm „Balu und Du“ fördert benachteiligte Kinder
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07:45 17.07.2009
Treffen sich mindestens einmal pro Woche: Yang Yang Lian und Lydia Brand. Quelle: Kris Finn

Sie blinzeln in die Sonne, lassen die Beine über dem Wasser baumeln und überlegen gut gelaunt, was sie mit diesem wunderschönen Sommertag anfangen wollen.

Es ist eine ungewöhnliche Freundschaft, die die 21-Jährige und die Achtjährige miteinander verbindet - und eine intensive. Kennengelernt haben sich Lydia und Yang Yang über das Projekt „Balu und Du“, ein ehrenamtliches Programm der Caritas, das benachteiligte Kinder im Grundschulalter über eine Patenschaft fördert.

Paten können junge Erwachsene im Alter von 18 bis 30 Jahren sein. Sie treffen sich mit ihren Patenkindern mindestens einmal pro Woche für zwei bis drei Stunden, unternehmen etwas mit ihnen, helfen bei Schularbeiten oder klönen einfach nur. 1113 Paare haben sich seit 2002 bundesweit gefunden, in Hannover gibt es „Balu und Du“ seit 2006. Hier haben bereits 35 Paten ihre Schützlinge ein Jahr lang begleitet, 17 Paare sind zurzeit im Einsatz.

Die Beziehung, die auf mindestens ein Jahr angelegt ist, entwickelt sich in vielen Fällen zu einer echten Freundschaft. So wie bei Lydia und Yang Yang. Sie treffen sich jetzt schon seit anderthalb Jahren. Sie gehen zusammen schwimmen, fahren Inliner, töpfern, malen, basteln Monster aus Pappmaschee, backen Kuchen und besuchen zusammen die Bücherei.

Lydia kennt inzwischen Yang Yangs beste Schulfreundin, und Yang Yang mag Lydias Freund. Als Yang Yang Geburtstag hatte, verlegte sie ihre Feier, damit Lydia dabei sein konnte. „Ja, man kann wohl sagen, dass uns eine richtige Freundschaft verbindet“, sagt die gebürtige Bremerhavenerin, die in Hannover im vierten Semester Sonderschulpädagogik studiert. „Yang Yang ist super. Sie hat immer tolle Ideen. Es wird nie langweilig mit ihr.“ Die Peter-Petersen-Grundschülerin lächelt stolz und gibt das Kompliment prompt zurück: „Ich mag Lydia. Sie ist immer so nett und witzig.“

Seinen Namen hat das Projekt „Balu und Du“ von dem Zeichentrickfilm „Dschungelbuch“, in dem der lebenslustige und unkomplizierte Bär Balu den kleinen Jungen Mogli unter seine Fittiche nimmt. Die Figur des Balu mache, sagt Barbara Klose, die das Projekt für die Caritas mitbetreut, in geeigneter Weise die Intention der Patenschaft deutlich. „Es geht nicht so sehr um Erziehung, sondern darum, dass die Paten mit ihrer Lebenslust und ihrer Biografie die Kinder bereichern, ihnen neue, andere Impulse geben, und die Kinder in den Paten einfach noch einmal einen anderen Ansprechpartner finden.“

Die Idee zu „Balu und Du“ basiert auf der Erkenntnis, dass selbst Kinder, die eine Kindheit ohne Förderung, vielleicht sogar Vernachlässigung erlebt haben, stark und selbstbewusst werden können. Vorausgesetzt sie finden eine liebevolle Bezugsperson. „Das kann jeder sein, ein Lehrer, ein Nachbar, der Großvater“, sagt Klose. Wichtig sei lediglich, dass das Kind dem Paten vertraue und der Pate seinerseits eine positive Vorbildfunktion übernehme.

Eine schlimme Kindheit, geprägt von Vernachlässigung oder gar Gewalt, haben zum Glück die wenigsten „Moglis“ erlebt. „Die meisten Kinder haben liebende Eltern, denen nur die Zeit fehlt, sich zu kümmern“, sagt Klose. So seien es häufig alleinerziehende Mütter oft auch mit Migrationshintergrund, deren Kinder in das Projekt gehen. So ist es auch bei Yang Yang. Ihre Mutter Mayan zieht sie allein auf und hatte zunächst Mühe, sich in Deutschland zurechtzufinden. Auch zu ihr hat Lydia Brand inzwischen ein enges Verhältnis. „Sie hat mir sogar schon gezeigt, wie man chinesisch kocht“, erzählt die Studentin.

Ohne ein gutes Verhältnis zu den Eltern ihrer Schützlinge hätten es die Balus wohl auch schwer. Vertrauen müssen beide Seiten. Lydia und Yang Yang wollen jetzt mit dem Zug ans Meer fahren, nach Bremerhaven, in Lydias Heimatstadt. Die 21-Jährige will Yang Yang ihren Eltern vorstellen. Und wer weiß, vielleicht kommt Yang Yangs Mutter auch eines Tages mit.

Wer sich für das Projekt „Balu und Du“ interessiert, bekommt Informationen unter Telefon (05 11) 1 26 00 10 47 sowie auf dem Infoabend am 28. Oktober um 19 Uhr im K-Punkt, Grupenstraße 8, und im Internet unter www.balu-und-du.de.

von Julia Pennigsdorf

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