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Projekt O-Tonne verläuft erfolgreich

Wiederverwertung Projekt O-Tonne verläuft erfolgreich

Vor wenigen Monaten hat aha in der Region Hannover die Verteilung der orangenen O-Tonnen gestartet. Bislang verläuft das Projekt vielversprechend. Für den Abfallentsorger geht es dabei allerdings nicht nur um eine Dienstleistung – sondern vor allem um die teuren Wertstoffe im Müll.

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Am Förderband im Sortierraum trennen die aha-Mitarbeiter die verschiedenen Wertstoffe voneinander.

Quelle: Herzog

Der Schäferweg steht voll. In der schmalen Straße im Lehrter Ortsteil Immensen hat fast jedes Haus eine der neuen Mülltonnen mit dem orangefarbenen Deckel vor der Tür. Warum die O-Tonne ausgerechnet hier so beliebt ist, können sich Jörg Gellert und Frank Bruns nicht erklären. Gellert steuert den weißen Müllwagen über den holprigen Untergrund von Haus zu Haus. Bruns rollt die Tonnen heran, sein Kollege steuert den Greifarm, mit dessen Hilfe sie angehoben und in den Müllwagen entleert werden. Safttüten, Konservendosen und Styroporstückchen landen im Laderaum, ebenso zerschlissene Kinderkleidung und ein paar alte Stromkabel. An manchen Grundstücken stehen nur die gelben Säcke mit Verpackungsmüll, auch die wirft Bruns in den Wagen.

Vor wenigen Monaten startete aha in der Region Hannover die Verteilung der orangen O-Tonnen. Bislang verläuft das Projekt vielversprechend.

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Der 35-jährige Frank Bruns und sein vier Jahre älterer Kollege sind montags bis freitags im Osten der Region im O-Tonnen-Einsatz. Alle vier Wochen leeren die beiden Müllwerker die Wertstofftonnen, jede Woche holen sie die gelben Säcke mit dem Verpackungsmüll ab. Für den Abfallwirtschaftsbetrieb aha aber geht es dabei nicht nur um eine Dienstleistung am Kunden, es geht um mehr – nämlich um die vielen teuren Wertstoffe im Abfall.

Man übertreibt nicht, wenn man sagt, dass aha mit der O-Tonne einen regelrechten Krieg gegen private Müllentsorgungsfirmen führt. Vor noch nicht einmal einem Jahr wurden die ersten O-Tonnen, die 240 Liter fassen, den Bürgern in Uetze angeboten. aha-Chefin Kornelia Hülter und Regions-Umweltdezernent Axel Priebs sprachen von einem Pilotversuch, der nach zweijähriger Laufzeit ausgewertet werden sollte. Schon fünf Monate später dehnte aha diesen Pilotversuch überraschend aus, vom kleinen Uetze auf den ganzen Osten und Nordosten der Region. Und vor wenigen Tagen startete die Verteilung der Wertstofftonnen in Springe, Wennigsen, Barsinghausen und Wunstorf. Ab dem Jahr 2013 soll allen Bürgern in Stadt und Umland die Wertstofftonne angeboten werden.

Wertstoffe im Müll werden im wertvoller

Das Motiv für die Eile: Weil die sogenannten Wertstoffe im Müll immer wertvoller werden, bereiten sich private Unternehmen auf ein großes Geschäft vor. Sie wollen Alteisen, Plastik und Bekleidung direkt bei den Bürgern einsammeln und dann zu Geld machen. Ein Gesetz, das die Bundesregierung in Berlin in Arbeit hat, soll dies ermöglichen. Hülter spricht von „Rosinenpickerei“. Sie will nicht einsehen, warum es den Privaten ermöglicht werden soll, sich allein den lukrativen Bereichen des Abfallgeschäfts zu widmen.

Als „Rosinenpickerei“ kann man den Job von Tim Kahlert nicht bezeichnen. Der 21-Jährige arbeitet in der Sortieranlage der Deponie Burgdorf. Hier kommt der Müll aus den O-Tonnen des gesamten Ostens der Region Hannover an, und hier wird er sortiert. Elektroschott, Bekleidung, Alteisen, Plastik ohne Verpackungsmüll und Verpackungen. Kahlert steht ganz vorn in dem kleinen Sortierraum, gleich da, wo das Förderband die Wertstoffe antransportiert. Es riecht leicht säuerlich, beißend in der Nase. Man gewöhne sich daran, sagt Kahlert.

Er hat es auf Toaster abgesehen. Und auf Elektrokabel, Satellitenreceiver und Mikrowellengeräte. Routiniert greift Kahlert nach den Geräten, zieht sie zu sich und lässt sie in einen Schacht fallen. Der Elektroschrott landet vier Meter weiter unten in einem großen Container. 30 Kilogramm Wertstoffe pro Einwohner landen jedes Jahr im Restmüll, schätzen die Experten von aha. Kunststoffe wie zerbrochene Blumentöpfe, Wäschewannen oder Spielzeugbagger, Metalle wie verrostete Gartenstühle oder alte Fahrradrahmen, kleine Elektrogeräte wie Bügeleisen oder Mixer, Bekleidungsstücke. „Das alles lässt sich vermarkten“, sagt aha-Chefin Hülter. Eine Tonne Altmetall bringt derzeit rund 200 Euro, Kunststoffe kann aha für 140 Euro je Tonne verkaufen, und sogar alte Bekleidungsstücke bringen Geld, wenn sie noch tragbar sind. Hülter rechnet mit dem Geld.

Für viele Privathaushalte ist die Tonne von Vorteil

Sonja Clement hat die O-Tonne zu schätzen gelernt. „Wir sind ein Fünf-Personen-Haushalt“, berichtet die 34-Jährige aus Immensen. Und dementsprechend viel Müll falle auch in ihrer Familie an, sagt Clement. Das sei schon durch die drei kleinen Kinder im Alter von eins bis sechs Jahren bedingt. Woche für Woche wirft sie allein drei Säcke mit Verpackungsmüll weg. „Und in die Tonne kann man sowohl alte Kinderbekleidung als auch Altmetall einfach reinwerfen.“ Aus ihrer Sicht ein klarer Vorteil.

Andere haben massive Einwände gegen die O-Tonne. So etwa die Firma Landbell aus Mainz. Das Unternehmen, das sich neben anderen um die Verwertung des Mülls aus den gelben Säcken kümmert, befürchtet, dass aha den Inhalt der gelben Säcke nicht ordnungsgemäß weiterleitet, wie es die Verträge mit der Duales System Deutschland GmbH vorsehen. Landbell überzieht aha derzeit mit Prozessen und bezeichnet das Verteilen der O-Tonne als „Husarenritt“. Hinter Landbells Klagen steckt offenbar die Sorge, dass aha mit der Etablierung der O-Tonne den Markt so besetzt, dass Privatunternehmen keine Chance haben.

Abfallgebühren könnten durch O-Tonne stabil bleiben

152 O-Tonnen haben Jörg Gellert und Frank Bruns auf ihrer Tagestour geleert, das ist deutlich weniger als sonst. „Viele Leute sind verreist“, erklärt Gellert. Der Müllwagen steht jetzt in Burgdorf in einer Halle, und Gellert drückt vom Fahrersitz aus auf einen Knopf. „Das ist unser kleiner Computer“, sagt er. Die Rückseite des Wagens ist geöffnet, und eine riesige Wand schiebt den Abfall aus dem Müllwagen.

Mit den Wertstoffen aus der O-Tonne könnten die Abfallgebühren für die Bürger stabil gehalten, heißt es bei aha. Die ersten Ergebnisse des eilig ausgeweiteten Modellversuchs haben den Verantwortlichen Mut gemacht. Im Osten und Nordosten der Region sind mittlerweile mehr als 15.000 O-Tonnen aufgestellt, rund 24 Tonnen Wertstoffe pro Einwohner und Jahr konnte aha einsammeln. Aber es geht auch noch um etwas anderes, was bei aha niemand offen ansprechen möchte: Die Bürger im Umland sollen die Vorteile der Tonne generell kennen und schätzen lernen. Denn aha wäre es am liebsten, wenn auch der normale Hausmüll, der derzeit noch in Säcken gesammelt und abgefahren wird, künftig auch in einer Tonne landen würde. Sonja Clement aus dem Immenser Schäferweg muss nicht mehr von den Vorzügen eines solchen Systems überzeugt werden. „Ich würde die Tonne auch für den Hausmüll lieber heute als morgen nehmen“, sagt sie.

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