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Aus der Stadt Projekt verwandelt Maschseeufer in Lichtkunstmuseum
Hannover Aus der Stadt Projekt verwandelt Maschseeufer in Lichtkunstmuseum
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22:32 05.02.2009
Von Johanna Di Blasi
Spot an für die Topfpflanze: Das Kunstprojekt von Isa Melsheimer zeigt am Südufer Beete unter Wärmelampen. Quelle: Martin Steiner

Seit 1937 steht der Fackelträger des Bildhauers Hermann Scheuernstuhl wacker auf seiner hohen Stele am Maschseeufer. Ob es sich bei dem Werk um eine Sehenswürdigkeit, ein Denk- oder ein Mahnmal handelt, ist seit Langem eine Streitfrage. Bis gestern Nachmittag hatte der nackte Jüngling freie Sicht, doch dann wurde ihm der Panoramablick geraubt. Das Hamburger Künstlerduo Genth & Mutter hat dem athletisch schönen, doch ideologisch bedenklichen Jüngling aus der Nazi-Ära einen Spiegel vor die Nase gesetzt – und eigens dafür einen 30 Meter hohen Baukran aufstellen lassen.

Nun ist der vermeintliche Nazi-Schönling als „Narziss“ entlarvt. Wie die Mythenfigur erscheint er in sein Spiegelbild vernarrt. Spaziergänger und Jogger dürfte die Figur ganz schön ins Grübeln bringen. Die Komposition aus Held, Kran und beleuchtetem Spiegel ist die Hauptattraktion der Open-Air-Schau „Neulicht am See“. Die internationale Lichtkunstausstellung, organisiert von den hannoverschen Künstlern Olav Raschke und Markus Hutter, lässt vom Sonnabend an die Uferregion des Maschsees punktuell aufstrahlen – und der frostige See wird das Licht reflektieren.

Zugleich bildet die Schau, eine Kooperation von Stadt und Region, den Auftakt des „Gartenjahrs 2009“. Mit rund 700 Veranstaltungen in 21 Städten und Gemeinden und einem Investitionsvolumen von insgesamt mehr als acht Millionen Euro (unter anderem wurden Gärten frisch herausgeputzt) handelt es sich um ein gewaltiges und komplexes Unternehmen. Allein das hannoversche Kulturprogramm zum „Gartenjahr“ kostet 900.000 Euro, wovon 330.000 Euro öffentliche Mittel sind. Das kostspieligste Kunstprojekt ist mit 90.000 Euro „Neulicht am See“.

Verspielt, versponnen, konzeptuell, kritisch, poetisch und magisch sind die gezeigten Werke der 22 Lichtkünstler, die vor allem aus Deutschland und der Schweiz kommen. Sie setzen ihre strahlenden Markierungen auf einem riesigen Gelände: dem gesamten Ufersaum des 1934/35 künstlich geschaffenen Sees. Betrachter des „nachtaktiven Kunstprojekts“ müssen einen 6,5 Kilometer langen Parcours abwandern, wenn sie nichts übersehen wollen.

Neben dem Spazierweg stößt man unvermittelt auf eine farbig leuchtende Tanzfläche („Silent Dancefloor“ von Giessler & Sandmann). An anderer Stelle wird man von flackerndem Licht in einer Baumkrone angezogen. Es dringt aus den Ritzen eines Baumhauses, aus dem auch der Sound eines Actionfilms schallt. Das Werk des in Berlin lebenden Videokünstlers Björn Melhus vermittelt den Eindruck, ein Kind habe sich zum Fernsehgucken ausgerechnet in ein Baumhaus zurückgezogen. Die Gruppe „Häkelkreis“ hat Sitzbänke mit Leuchtfäden behäkelt – sehr umgarnend. Die energiesparendste Arbeit aber steuert Pablo Wendel bei: Der Aktionskünstler plant zur Stromgewinnung in Guerillataktik Werbetafeln anzuzapfen und damit seine Kunst zu illuminieren.

Lichtkunst ist in der Regel eine Auseinandersetzung mit künstlichem Licht. Ihren vorläufigen Höhepunkt hatte die noch relativ junge Kunstgattung in den sechziger Jahren. Bedeutende Lichtkünstler haben ihre Spuren auch in Hannover hinterlassen, etwa Joseph Kosuth am Historischen Museum oder James Turrell im Sprengel Museum. In neuerer Zeit hat der Däne Olafur Eliasson auf sich aufmerksam gemacht – im Vorjahr mit leuchtenden Wasserfällen in New York. In Unna und in Celle gibt es eigene Museen für Lichtkunst.

Neulicht am See“ versammelt Künstler unterschiedlicher Bekanntheitsgrade. Neben regionalen Größen finden sich Künstler vom Rang eines Christoph Rütimann, der schon bei der Biennale in Venedig dabei war und im Vorjahr eine Einzelausstellung im Kunstmuseum Bonn hatte. Am Maschsee zeigt der Schweizer eine würfelförmige Skulptur im Wipfel eines Baumes. Die Künstler von „Neulicht am See“ verbindet nicht nur das Interesse an Licht, sondern auch an Kunst im öffentlichen Raum. Anders als in der großen Zeit der „Straßenkunst“ setzen heutige Künstler ihre Zeichen vorsichtig. Nach den gerade auch in Hannover heftig geführten Diskussionen, so scheint es, ist ihnen die schützende Dämmerung ganz lieb. Wenn die Ausstellung Mitte März endet, wandelt sich das Ufer zurück in seinen Naturzustand.

Auf zum See: Die Kunst leuchtet vom 7. Februar bis 15. März rund um den Maschsee täglich von 18.30 bis 6.30 Uhr. Eröffnung ist am Sonnabend um 17 Uhr im Neuen Rathaus, um 18.30 Uhr beginnt der Rundgang, und um 19.30 Uhr zeigt Suse Weber an der Löwenbastion eine Schießperformance. Informationen gibt es in einer Infobox am Arthur-Menge-Ufer (täglich von 17 bis 21 Uhr) oder im Internet unter www.neulicht-am-see.de. Eine Broschüre kostet 3,50 Euro. Ein Katalog erscheint später.

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