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Reinigung? Gibt´s jetzt auch im Internet

Projekt von Stichweh Reinigung? Gibt´s jetzt auch im Internet

Im Internet gibt es fast alles. Jetzt auch einen Hol- und Bringdienst der Reinigung. Das Traditionsunternehmen Stichweh startet mit Persil die erste Online-Textilreinigung in Deutschland. Sie basiert auf einem patentiertem Versandsystem. Die Zentrale dafür ist in Anderten.

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Von der Lieferung im Karton bis zur sauberen Wäsche: Claudia Ehrhardt leitet Deutschlands erste Internet-Reinigung.

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. Bücher, Kühlschränke, Schuhe und inzwischen sogar Lebensmittel - wer will, kann fast alles im Internet bestellen. Eine überregional aktive Online-Reinigung für Textilien aber gab es bisher noch nicht. Der hannoversche Traditionsreiniger Stichweh hat die Lücke geschlossen - und sich Persil und DHL als Partner ins (virtuelle) Haus geholt.

Stichweh will ein neues Geschäftsfeld erschließen: Gemeinsam mit Persil hat das Reinigungsunternehmen Deutschlands erste Internet-Reinigung gegründet.

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Benutzte Hemden, Sakkos und Tischdecken: Der Kunde packt zunächst alles in den Karton. Dann geht es zur Post, innerhalb von drei Tagen hat man die Textilien gereinigt zurück - das ist das Versprechen von Stichweh-Geschäftsführer Hanno Ziehm. Damit wäre trotz teilweise langer Transportwege das Tempo einer herkömmlichen Reinigung erreicht. Auch in Sachen Kosten und Klimaschutz ist man bei Stichweh sicher, es mit lokalen Reinigungsfilialen aufnehmen zu können. „Unser Ziel ist aber nicht, Konkurrenz zu Stadtteil-Reinigungen zu sein“, sagt Ziehm: „Nur gibt es inzwischen ganze Städte ohne Reinigungen, etwa Braunlage oder Soltau.“ Vor allem dort wolle man eine Angebotslücke schließen und überdies für internet­affine Kunden eine zusätzliche Dienstleistung bieten. Stichweh und Persil-Hersteller Henkel rechnen für diesen Geschäftszweig mit einem erzielbaren Jahresumsatz von bis zu 30 Millionen Euro - fast 5 Prozent des bundesweiten Umsatzes aller Reinigungsunternehmen.

160 Jahre alt ist Stichweh, die Firma darf damit als einer der Traditionsnamen in Hannover gelten. „Wir glauben, dass man mit der Zeit gehen und sich auf Entwicklungen einstellen muss, bevor es andere tun“, sagt Wirtschaftsingenieur Remo Ricci. Er ist bei Stichweh fürs Immobiliengeschäft zuständig und sitzt in der neu gegründeten Stichweh AG mit Ziehm im Vorstand - beide sind Schulfreunde und haben den Internet-Coup ausgetüftelt. Das Prinzip: Alles soll für den Kunden so einfach wie möglich sein, denn im Internet funktioniert Kompliziertes nicht. Nicht einmal um den Karton für die erste Dreckwäschelieferung muss sich der Kunde kümmern, geschweige denn um das Adressieren oder Frankieren des Pakets. Für die schwierige, knitterfreie Verpackung von Sakkos ist sogar ein Patent angemeldet. „Textilien reinigen und danach in ein Paket packen - das ist nicht schwer“, sagt Ricci. „Den Prozess aber so zu gestalten, dass der Kunde am Ende so zufrieden ist, als hätte er seine Kleidung aus der Reinigung um die Ecke abgeholt - das ist kniffeliger als gedacht.“ Etliche Reinigungsunternehmen deutschlandweit haben bereits regionale Bring- und Holdienste - aber meist nur als Ergänzung ihres Kerngeschäfts. Stichweh geht mit der Gründung eines eigenen Unternehmenszweigs konsequent neue Wege.

Deutschlands erste Online-Reinigung ist nicht auf dem Stichweh-Gelände in Limmer angesiedelt, sondern in Anderten, nahe am Autobahnanschluss und dem Post-Verteilzentrum. Die große Logistikhalle neben dem Freizeitpark Tumultus bietet Platz für Erweiterungen, falls das Geschäftsmodell ankommt. „Im Grunde“, sagt Ziehm, „läuft fast alles genauso wie bei einer stationären Wäscherei.“ Unterschiede aber gibt es insbesondere zu Beginn des Prozesses und am Ende.

So nimmt in einer stationären Filiale der Kunde eine Quittung für die angelieferten Artikel entgegen. Bei der Online-Reinigung gibt es dagegen die Quittung per E-Mail. Das Öffnen des Pakets und die Herausnahme der Textilien aber wird ebenso gefilmt wie das spätere Verpacken der gereinigten Ware - so will Stichweh Konflikte um angeblich abhandenkommende Ware verhindern. Der zweite große Unterschied: Während der Kunde bei stationären Reinigungen seine Textilien normalerweise hängend abholt, erfordert der Paketversand ein Falten. Das verteuert zum Beispiel den Preis der Hemden spürbar, denn auch bei stationären Anbietern ist Falten teurer als Hängen. Und es macht den Versand von Sakkos schwieriger. Zusammen mit dem Industriedesignbüro Ding3000 aus Hannover wurde daher die sogenannte Sakkobrücke entwickelt, eine gebogene Pappkonstruktion, mit der sich auch hochwertige Jacketts faltenfrei in einem Karton verstauen lassen.

Seit Ende November läuft Deutschlands erste Online-Reinigung im Echtzeitbetrieb. „Einige Hundert Kunden“ habe man bereits, sagt Ziehm. Schon bei 1000 Kunden sei die Rentabilitätsschwelle erreicht, die Reinigungsstraße lässt sich modulartig erweitern.

Im Moment gibt die junge Internet-Reinigung 13 Mitarbeitern Beschäftigung. Das richtige Personal zu finden sei gar nicht so einfach gewesen, sagt Ziehm. „Auch wenn es irgendwie um Internetversand geht, ist es kein Job für die klassischen Logistikmitarbeiter.“ Die würden „die gereinigten Klamotten am Ende ohne Fingerspitzengefühl in die Kartons hauen“. Und so ist es kein Wunder, dass sich unter den Beschäftigten auch langjährige Stichweher befinden. Wie etwa die 55-jährige Edith Struß. Sie hat schon in zahlreichen Filialen gearbeitet, zuletzt am Steintor. „Seit 37 Jahren bin ich im Betrieb“, sagt sie, während sie Anzughosen bügelt: „Anfangs habe ich gedacht, bügeln ist bestimmt langweilig. Inzwischen mag ich die Abwechslung und das selbstständige Arbeiten“, sagt sie. Jetzt ist sie Teil des Aufbruchs in eine neue Zeit - die Reinigung im Internet.

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