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Aus der Stadt Russische Propaganda in Hannover?
Hannover Aus der Stadt Russische Propaganda in Hannover?
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00:17 05.02.2016
Von Tobias Morchner
Dramatische Musik, schnelle Schnitte, 
Prügelszenen aus deutschen Städten: 
In dem Beitrag des russischen Senders Zwezda wird auch 
immer wieder nach Hannover geschaltet. Gezeigt werden unter anderem das 
Oststadtkrankenhaus oder Passanten in der Passarelle – und eine gewisse Viktoria Schmidt (oben links) berichtet von einem angeblichen Mord. Quelle: Screenshots Zwezda/Montage
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Hannover

Ist in einem hannoverschen Flüchtlingsheim eine Frau vergewaltigt und getötet worden? Ein Propagandafilm des russischen TV-Senders Zwezda zur deutschen Flüchtlingskrise spielt mit dieser These – und sorgt damit im Internet für Wirbel. Bei der Polizeidirektion Hannover ist ein solcher Fall nicht bekannt. „Es hat kein Tötungsdelikt in einer Flüchtlingsunterkunft gegeben“, stellt ein Behördensprecher klar.
Offenbar haben Fernsehredakteure wenig lautere Methoden angewendet. Russische Investigativ-Reporter wollen herausgefunden haben, dass zumindest eine Frau, die in dem Beitrag zu Wort kommt, für ihre Aussagen vor laufender Kamera bezahlt worden ist.

Die junge Interviewpartnerin, die sich in dem etwa 25-minütigen Film Viktoria Schmidt nennt, berichtet den Reportern von einer Bekannten, die in einer hannoverschen Flüchtlingsunterkunft von Migranten vergewaltigt und dann getötet worden sei. Aus diesem Grund, so die junge Frau weiter, traue sie sich nur noch mit Reizgas aus dem Haus. Dann mischt der Bericht, der im Januar zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, in schnellen Schnitten Ansichten von hannoverschen Schauplätzen mit Bildern von aggressiven Ausländern, bei denen nicht klar wird, wo sie aufgenommen wurden.

Die kruden Aussagen der angeblichen Viktoria Schmidt fußen aller Wahrscheinlichkeit auf einem Gerücht, das Anfang Oktober 2015 durch die sozialen Medien geisterte. Bereits damals hat die Polizeidirektion mit einem Hinweis auf ihrer Facebookseite die falschen Behauptungen zurückgewiesen. „Es ist uns wichtig, euch wissen zu lassen, dass uns ein solcher Sachverhalt nicht bekannt ist. Bei diesen Meldungen handelt es sich also um einen sogenannten Hoax“, heißt es in der Internet-Stellungnahme der Polizei. Ein Hoax ist eine absichtlich im Netz gestreute Falschmeldung.

Aussagen mit einem "gewissen Inhalt"?

Die Reporter der russischen Investigativ-Plattform „The Insider“ haben die angebliche Viktoria Schmidt aus dem TV-Beitrag ausfindig gemacht – und ihr offenbar eine Falle gestellt. Sie gaben sich am Telefon als Fernsehproduzenten aus, die auf der Suche nach Menschen seien, die vor laufender Kamera Aussagen zur deutschen Flüchtlingsproblematik mit einem „gewissen Inhalt“ machen sollten. Schmidt, die in Wirklichkeit Natalja mit Vornamen heißen soll, erklärte, sie habe ähnliche Aufträge bereits von anderen Fernsehsendern entgegengenommen und würde das für 500 Euro wieder machen. Anschließend melden sich die Investigativ-Reporter bei dem russischstämmigen Kameramann Oleg Cherkasov aus Hannover. Auch ihn fragen sie, ob er einen solchen Propaganda-Beitrag drehen würde. Auch er willigt ein – für einen fünfminütigen Dreh verlangt er 200 Euro. „Ich sollte nur die Aufnahmen machen, das ist schließlich mein Beruf, ich bin Kameramann“, sagt er im Gespräch mit der HAZ.

Ein anderer Befragter in dem Fernsehbeitrag ist der langjährige HAZ-Redakteur Jens Gundlach. Er sei vor etwa zwei Wochen von einem Kamerateam auf dem Kröpcke angesprochen und nach seiner Meinung zu Merkels Flüchtlingspolitik befragt worden, berichtet der 77-Jährige. Ins Russische übersetzt wird er in dem Filmbeitrag nur mit den Worten zitiert, wenn es nach Merkels Flüchtlings-Entscheidung nun Probleme gebe, dann müsse der Kurs korrigiert werden. „Das ist aber sehr aus dem Zusammenhang gerissen“, ärgert sich Gundlach: „Ich habe zuvor ausdrücklich gesagt, dass ich Merkels Schritt richtig fand.“ Er fühle sich „für Putin-Propaganda missbraucht“, indem seine Aussage aus dem Zusammenhang gerissen worden sei.

Unklar ist, warum sich die Reporter des russischen Militärsenders Zwezda ausgerechnet Hannover als Drehort ausgesucht haben. „Es gibt hier eine große, russische Gemeinde, und für die Propagandafilme ist es wichtig, dass die Interviewpartner russisch sprechen, um deren Glaubwürdigkeit zu erhöhen“, sagt eine Szenekennerin, die nicht namentlich genannt werden möchte.

Es ist nicht das erste Mal, dass russische Staatsmedien wenig objektiv über Vorgänge in Deutschland im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise berichten. Auch die angebliche Entführung der 13-jährigen Lisa aus Berlin durch Flüchtlinge wurde von russischen Medien so lange instrumentalisiert, bis sich sogar Russlands Außenminister Sergei Lawrow einschaltete und den deutschen Behörden Vertuschung vorwarf. Inzwischen ist klar: Die 13-Jährige hatte die Entführung schlicht frei erfunden.

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