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Aus der Stadt Protest gegen 300 Baumfällungen
Hannover Aus der Stadt Protest gegen 300 Baumfällungen
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00:19 14.07.2015
Von Conrad von Meding
BUND-Naturschutzreferent René Hertwig (li.) hängt mit Mitstreiterin Lotta Braunert Plakate gegen die Fällung an Bäumen auf. Quelle: Krajinovic
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Hannover

Das habe sich auch bei der Planung etwa am Eilenriedestadion oder am Trautenauer Hof in Kirchrode gezeigt. Besonders perfide sei, dass das Baudezernat mithilfe eines „Tricks“ die Umweltprüfung für den ersten Bauabschnitt verhindere, die bei größeren Bauvorhaben vorgeschrieben ist. Die Stadt weist den Vorwurf zurück. Der angebliche Trick sei eine Verfahrensbeschleunigung. Zudem bleibe ein Großteil der schützenswerten Bäume erhalten. Allerdings hält sie nur 36 Gewächse in der parkähnlichen Anlage für erhaltenswert.

Die Kliniknutzung auf dem Areal an der Podbi ist seit 2014 aufgegeben. Im alten Bettenhaus sind derzeit Hunderte Flüchtlinge untergebracht. Auf dem Gelände soll möglichst bald mit dem Bau einer großen Siedlung mit mindestens 500 Wohnungen begonnen werden. Zur Straße hin errichtet sich das Bauunternehmen Strabag seine neue Hannover-Zentrale in einem Bürokomplex, in dem auch 80 Wohnungen und einige Geschäfte unterkommen sollen. Weil sich die Planung für die Wohnsiedlung noch hinzieht, die Strabag aber mit ihrem Bau beginnen will, hat die Stadt das große Verfahren zur Änderung des Bebauungsplans aufgesplittet. So kann die Strabag schneller starten. Die Konsequenz bringt die Naturschützer auf die Palme. Für das kleine Baugebiet der Strabag gilt das sogenannte vereinfachte Verfahren, es sieht keine formelle Umweltverträglichkeitsprüfung vor.

„Allein bei dieser Bebauung könnten 62 von 65 Bäumen gefällt werden, die unter die Baumschutzsatzung fallen“, moniert BUND-Vorstand Armin Steiner. Beim Bau der rückwärtigen Siedlung fallen den aktuellen Planungen zufolge noch viel mehr Bäume. „Viele Häuser sind im Entwurf genau dort platziert, wo jetzt alte Bäume stehen“, bemängelt BUND-Aktivist Karsten Plotzki, der als Unabhängiger im Bezirksrat sitzt. Wo hingegen Gebäude abgerissen werden, sind Freiflächen geplant. „Auf die werden dann bestimmt wieder kleine Bäumchen gepflanzt, die Jahrzehnte benötigen, bis sie sich entwickeln“, kritisiert Carina Bach von der Fledermaus-AG. Alte Bäume leisteten nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz, sondern vor allem auch zum Schutz des Stadtklimas, der in dicht besiedelten Städten immer wichtiger werde.

BUND-Naturschutzreferent René Hertwig fordert, dass die Bauverwaltung vor Beginn von Planungen zunächst von der Umweltverwaltung prüfen lässt, welche Bäume schützenswert seien: „Dann können die Architekten bei ihren Planungen besser Rücksicht auf wertvolle Bäume nehmen.“ Beim Eilenriedestadion habe sich in langen Nachverhandlungen gezeigt, dass sich Planungen durchaus mit Naturschutz vereinbaren ließen.

Die Stadt allerdings beteuert, dass sie genau das getan habe. „Dem Erhalt von Bäumen kommt eine herausgehobene Bedeutung zu“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix. Das Gelände sei von einem externen Gutachter „erfasst und bewertet“ worden. Allerdings hielt er offenbar nur 36 Bäume für schützenswert. Von diesen könne nun tatsächlich „ein Großteil erhalten werden“, sagt Dix – auch, weil der ursprüngliche Entwurf noch einmal überarbeitet wurde. Alle wertvollen Bäume, die gefällt werden, würden „wie gesetzlich vorgeschrieben ersetzt“. Das aber kennen die Naturschützer schon. „Diese Ausgleichspflanzungen werden meist auf irgendwelchen Feldern am Stadtrand vorgenommen, wo sie für das Stadtklima und die Tierwelt kaum Nutzen haben“, kritisiert Bach. Mit ihren Mitstreitern hat sie gestern an zahlreichen Bäumen Plakate gegen die Fällung aufgehängt.

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