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Protest gegen Boehringer geht weiter

Vandalismus Protest gegen Boehringer geht weiter

Zwei Tage nach der Räumung des besetzten Boehringer-Geländes in Kirchrode haben Tierversuchsgegner erneut ihrem Unmut Luft gemacht und ihre Protestbotschaften auf Hauswände geschmiert.

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Schmiererein in der Odeonstraße.

Quelle: Christian Elsner

So war am Freitagmorgen in rosa Lettern der Spruch „Wir sind grün. Was seid Ihr?“ an der Fassade des Grünenzentrums in der Straße Senior-Blumenberg-Gang in der City zu lesen. Auch vor den Geschäftsstellen des Landesverbandes der Grünen und des SPD-Stadtverbands in der Odeonstraße hinterließen die Täter ihre Spuren. „Fleisch ist Mord“ pinselten sie an die Hauswand eines Fleischereigeschäfts in der Calenberger Straße.

Am Schwimmbad in Vahrenwald, am Bahnhof in der Nordstadt und einem Ärztehaus in der Calenberger Esplanade fand die Polizei ebenfalls die rosafarbenen, schwarzen und weißen Schmierereien. „Alle Sprüche weisen auf einen Zusammenhang mit dem Protest gegen Boehringer hin“, sagte am Freitag Polizeisprecherin Petra Holzhausen. Eine Spur zu den Tätern haben die Ermittler jedoch noch nicht. Ratsherr Michael Dette von den Grünen zeigte sich gestern erstaunt über den Angriff auf seine Partei. „Wir waren es doch, die den Dialog mit Boehringer und den Anwohnern vorangetrieben haben“, sagte Dette.

Aber seine Partei stimmte auch für die Ansiedlung des Tierimpfstoffzentrums in Kirchrode. „Wir sind zurzeit anderer Meinung als die Boehringer-Gegner und halten die Anlage für akzeptabel“, sagte Dette. In den vergangenen Wochen hatten Boehringer-Gegner mehrfach das Wohnhaus von Oberbürgermeister Stephan Weil mit Protestsprüchen beschmiert. Beamte entdeckten bei den Besetzern des Boehringer-Geländes Tuben mit roter und schwarzer Farbe. Ein Gutachten ergab jedoch, dass es sich dabei nicht um die Farbe handelte, die Spurensicherer von Weils Hauswand gekratzt hatten.

Derweil haben die meisten der 33 Besetzer in Hannover einen Platz gefunden, an dem sie vorübergehend bleiben können. Aus Angst vor der Polizei wollen sie nicht, dass der genaue Ort öffentlich bekannt gemacht wird. „Wir hatten genug Stress mit denen“, sagte Thomas (23). Er ist einer von drei Tierversuchsgegnern, die während der Räumung von einer Spezialeinheit vom Dach einer Kleingartenlaube geholt wurden. Gemeinsam mit Susanne (19), Helga (20) und den anderen Boehringer-Gegnern bereitet er gerade die Aktionswoche vor, die Anfang September stattfinden soll. „Wir wollen in diesen Tagen weiter darüber aufklären, was künftig auf dem Gelände passieren soll und das mit möglichst kreativen Aktionen“, erläutert Susanne.

Über die neuen Farbschmierereien waren die Aktivisten am Nachmittag noch nicht informiert. „Wir finden gut, dass es verschiedene Arten des Widerstandes in der Stadt gibt, aber das ist nicht die Form, die wir gewählt haben“, sagt Thomas. Zu den kreativen Protestaktionen gehört auch ein Musikvideo, das am Freitag vor dem Boehringer-Areal gedreht wurde. Der 33-jährige Hannoveraner Künstler Ismael, der als Musiker unter dem Namen MS Huhn auftritt, wird den Clip zu dem Rap-Song „Keine Tierversuche“ am Montag im Internet verbreiten. „Wir wollen so noch mehr Unterstützung bekommen“, sagte der Sänger.

Auch das Neue Rathaus ist in der Nacht zu Freitag zur Angriffsfläche unbekannter Vandalen geworden. Mit kleinen Metallkugeln versuchten die Täter, fünf Fenster des Gartensaals im rückwärtigen Teil des Gebäudes einzuwerfen. Das gelang ihnen jedoch nicht. Die Scheiben des Saals sind aus speziellem Sicherheitsglas gefertigt. Sie wurden zwar beschädigt, gingen aber nicht zu Bruch. Dennoch richteten die Täter einen beachtlichen Schaden an. Den beziffert die Polizei nach ersten Schätzungen auf rund 30 .000 Euro.

Am Tatort fanden die Ermittler mehrere kleine Metallkugeln. Vermutlich handelt es sich dabei um die Wurfgeschosse der Täter. Die Polizei schließt nicht aus, dass der Vorfall am Neuen Rathaus ebenfalls im Zusammenhang mit den Boehringer-Protesten steht. Die Beamten ermitteln aber in alle Richtungen wegen Sachbeschädigung gegen Unbekannt. „Am Rathaus wurden keine Farbspuren entdeckt“, sagte eine Polizeisprecherin. Das deute darauf hin, dass nicht die Täter am Werk waren, die in der gleichen Nacht an verschiedenen Stellen der Stadt ihre Botschaften auf Wände malerten. Nur weil sich die Tat offenbar im selben Zeitraum ereignete, heiße das nicht, dass zwangsläufig die selben Täter dahinter stecken.

Die Polizei sucht nun nach Zeugen, die Angaben zu den Beschädigungen am Neuen Rathaus machen können. Hinweise nehmen die Beamten des Kriminaldauerdiensts unter der Telefonnummer (05 11) 1 09  55  55 entgegen.

von Vivien-Marie Frews und Tobias Morchner

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In der Nacht von Freitag auf Sonnabend haben unbekannte Täter an vier Orten in der Innenstadt weitere Farbschmierereien mit politischem Hintergrund angebracht.

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Von Redakteur Vivien-Marie Drews

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