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Aus der Stadt Initiativen kämpfen für Nachtflugverbot
Hannover Aus der Stadt Initiativen kämpfen für Nachtflugverbot
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06:00 02.01.2018
Hannover-Langenhagen gehört zu den vier großen deutschen Verkehrsflughäfen mit Flugbetrieb rund um die Uhr. Quelle: dpa
Hannover

Flughafenkritische Lärmschutzinitiativen aus Langenhagen, Garbsen, Isernhagen und neuerdings auch Burgdorf haben sich zur Arbeitsgemeinschaft „Region-Hannover gegen Nachtfluglärm“ (hgnf) zusammengeschlossen. Ziel ist ein komplettes Nachtflugverbot zwischen 22 Uhr und 6 Uhr. Sprecher des Bündnisses ist Dieter Poppe aus Isernhagen-Altwarmbüchen, ein neues Gesicht in der Szene. „Mich haben die Ankündigungen des Flughafens aufgescheucht, dass der Verkehr und damit auch die Lärmbelästigung steigen sollen. Das ist nicht mehr hinnehmbar“, sagt der 68-jährige ehemalige Chef einer Privatkrankenkasse.

Hannover-Langenhagen gehört zu den vier großen Verkehrsflughäfen in Deutschland mit sogenanntem offenem Himmel, also Flugbetrieb rund um die Uhr. Diese Regelung besteht seit Inbetriebnahme des Airports im Jahr 1952. Verankert ist sie in der Betriebserlaubnis, die regelmäßig überarbeitet und verlängert wird. Die aktuelle läuft Ende 2019 aus.

In Norddeutschland ist Langenhagen sogar der einzige Flughafen ohne Nachtflugeinschränkung. Die chinesische Post will deshalb an diesem Standort einen Logistikumschlagplatz ansiedeln. „Die dafür fehlende Lizenz beziehungsweise Genehmigung wird Anfang 2018 erteilt werden“, sagte Udo Sass, Deutschland-Direktor der China Express Germany, die für die Planung der Hannover-Aktivitäten zuständig ist. „Für eine Flugvorbereitung werden einige Monate benötigt, sodass wir positiv von ersten Chartern im Sommer 2018 ausgehen“, sagte Sass der Deutschen Presse-Agentur. Die Charterflüge würden im Winterflugplan dann auf reguläre Linienflüge umgestellt.

Hintergrund sind Pläne der chinesischen Post, europäische Waren, die von Chinesen im Internet bestellt werden, nach China und umgekehrt chinesische Produkte nach Europa zu transportieren. Der Flughafen in Hannover-Langenhagen mit seinen drei Landebahnen ist für bis zu 80 Starts und Landungen pro Stunde ausgelegt. Flughafen-Chef Raoul Hille war im vergangenen Sommer davon ausgegangen, dass pro Woche perspektivisch drei bis fünf Flugzeuge der China Post die niedersächsische Landeshauptstadt anfliegen werden. Mit der neuen Kundschaft war der Airport seit rund fünf Jahren im Gespräch gewesen. Für den Flughafen ist der Nachtflug ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, das Land Niedersachsen als Anteilseigner hat diese Auffassung bisher immer geteilt. 

„Wir fordern, das endlich der Gesundheitsschutz der Bevölkerung in den Vordergrund gerückt wird“, sagt demgegenüber Poppe. Die Lärmschutzinitiativen verweisen auf den aktuellen Fluglärmbericht des Umweltbundesamtes. „Das Fluglärmschutzgesetz in seiner aktuellen Fassung bietet nur unzureichende Entlastung für die vom Fluglärm belastete Bevölkerung“, heißt es dort. Das Amt plädiert unter anderem für die Einführung eines Nachtflugverbots auf stadtnahen Flugplätzen.

Bisher hatten die Initiativen vor allem auf politischem Wege für ihre Ziele gekämpft und dabei Hoffnung in die ehemalige rot-grüne Landesregierung gesetzt. „Das hat sich nicht erfüllt“, sagt Holger Zenz, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Lärmschutz Südbahn in Langenhagen. Die Zahl der schlafraubenden nächtlichen Flüge sei ständig gestiegen auf mittlerweile im Schnitt knapp 40 im Zeitraum zwischen dem späten Abend und dem frühen Morgen.

Dass nun statt der Grünen die CDU zusammen mit der SPD Regierungspartei in Niedersachsen ist, steigert die Erwartungshaltung der Fluglärmgegner nicht gerade. Sie setzen deshalb auf einen Strategiewechsel. Sie wollen die Öffentlichkeitsarbeit verstärken und damit breitere Schichten in der Bevölkerung mobilisieren. „Viele ärgern sich über die Nachtflüge, aber sie finden keinen Weg, wie sie dagegen angehen sollen“, sagt Poppe. Die Burgdorferin Katrin Bittner schätzt, dass insgesamt rund 30 000 Anlieger rund um den Flughafen Langenhagen unter der Lärmbelästigung leiden.

„Je mehr sich engagieren, desto mehr werden wir auch ernst genommen“, erwartet Poppe. Außerdem hofft die hgnf auf Spenden, um Gutachten und rechtliche Unterstützung durch einen spezialisierten Anwalt finanzieren zu können. „Das juristische Schwert ist das scharfe Schwert, das uns bleibt“, sagt Zenz. Wie genau es geführt werden könnte, müsse am Ende die Rechtsberatung ergeben. Möglich sei beispielsweise ein Musterprozess.

Die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen eines Nachtflugverbots auf den Flughafen ziehen die hgnf-Mitglieder in Zweifel. „Bei der Einführung des Rauchverbots hieß es auch, die Gastronomie werde zusammenbrechen“, erklärt Zenz. Als es dann eingeführt wurde, sei das so nicht eingetreten.

Von Bernd Haase

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