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Aus der Stadt Üstra-Kontrolleure gewürgt und geschlagen
Hannover Aus der Stadt Üstra-Kontrolleure gewürgt und geschlagen
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06:55 18.01.2017
Von Michael Zgoll
Feras A. erschien vor Gericht, sein mitangeklagter Bekannter nicht. A. soll zunächst versucht haben, die Situation in Stadtbahn und Station zu beruhigen - bis die Fahrscheinkontrolle in Gewalttätigkeiten mündete. Foto: Villegas Quelle: Villegas
Hannover

Dass Fahrkartenkontrolleure in Bussen und Bahnen nicht immer willkommen sind, gehört zum Wesen ihres Jobs. Gelegentlich aber sind sie Übergriffen ausgesetzt, die jeden Rahmen sprengen. Am Dienstag wollte Amtsrichterin Susanne Lotz einen Prozess gegen zwei Männer führen, die zwei Fahrscheinprüfer heftig attackiert haben sollen und sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten müssen. Weil ein Angeklagter fehlte, wurde das Verfahren jedoch vertagt.

Es gibt Kontrolleure des Sicherheits-Dienstleisters Protec, die von einer Zunahme verbaler und körperlicher Attacken in Hannover berichten - insbesondere durch schwarzfahrende Flüchtlinge. Nach Medienberichten soll dies in anderen Städten ebenfalls ein wachsendes Problem sein; die Üstra allerdings bestreitet eine Zunahme von Gewalttätigkeiten gegen ihr Personal.

Der Vorfall, der am Dienstag verhandelt werden sollte, spielte sich laut Staatsanwaltschaft an einem frühen Juliabend 2016 ab. Drei Männer fuhren mit einer Stadtbahn der Linie 10 aus Linden in die Innenstadt und gerieten in eine Fahrscheinkontrolle. Zwei von ihnen - die nunmehr angeklagten Feras A. (35) und der gleichaltrige Bilal U. - hatten eine gültige Fahrkarte dabei, der dritte nicht. An der Station Waterloo verließen sie gemeinsam mit den beiden 31 und 25 Jahre alten Kontrolleuren den Waggon, doch auf dem Bahnsteig eskalierte die Situation.

Es kam zu einem Handgemenge, offenbar versuchten A. und U., dem dritten Mann die Flucht zu ermöglichen. Als einem der Kontrolleure sein Prüfgerät aus der Tasche fiel, soll es einer der Angeklagten aufgenommen und damit auf den Kopf des 25-Jährigen eingeprügelt haben. Auch versuchten die Angreifer, den Fahrscheinprüfer ins Gleisbett zu stoßen - was dieser dank starker Gegenwehr verhindern konnte. Dem älteren Kontrolleur wurden die Beine von hinten weggezogen, dann nahm ihn einer der Männer in den Würgegriff. Schlussendlich konnten A. und U. festgenommen werden, während dem unbekannten Dritten die Flucht gelang. Der jüngere Fahrscheinprüfer erlitt eine Schädelprellung, bei seinem Kollegen wurde eine Kehlkopfquetschung diagnostiziert.

Wie der aus Jordanien stammende Angeklagte Feras A. erklärte, lebe er schon seit 16 Jahren in Deutschland. Er habe versucht, an jenem Julitag deeskalierend zu wirken - doch das hielt offenbar nicht lange vor. Die Frage von Richterin Lotz, ob sein Mitangeklagter wieder in sein Heimatland Syrien zurückgekehrt sei, verneinte A. Dieser halte sich noch in Hannover auf, Näheres wisse er aber nicht. U. habe nur eine Woche bei ihm in Gehrden gewohnt.

Es existieren Videoaufnahmen von jenem Julitag aus der Station Waterloo, die aber nur begrenzte Ausschnitte der Auseinandersetzung zeigen. Wann der Prozess wieder aufgenommen wird, ist offen - zunächst muss man den Aufenthaltsort von Bilal U. ermitteln.

Fahrscheinkontrollen bergen Risiken

Gut ein halbes Dutzend gewaltsamer Auseinandersetzungen, so erzählte ein Protec-Kontrolleur der HAZ, habe er in den vergangenen zwei Jahren miterlebt, dreimal sei er im Rahmen von Fahrscheinkontrollen verprügelt worden, und auch angespuckt hätten ihn Fahrgäste schon. Üstra-Pressesprecher Udo Iwannek aber bestreitet, dass der Ton in hannoverschen Bahnen und Bussen generell rauer geworden ist: „Gemessen an der Zahl der Fahrgäste und der Einsatzstunden der Kontrolleure ist die Zahl der Übergriffe verschwindend gering.“ Aus etlichen anderen Städten gibt es allerdings Berichte, dass sich die Prüfer zunehmend aggressiver Schwarzfahrer erwehren müssen, insbesondere aus Nordafrika. Und die Bundesbahn beklagt schon länger, dass ihre Zugbegleiter Opfer von Gewalttätigkeiten werden – hier sind es oft Fußballfans, die gegen Menschen wie Material zu Felde ziehen.

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