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Wurde Dealer bei Wasser und Brot eingesperrt?

Prozess Wurde Dealer bei Wasser und Brot eingesperrt?

15 Monate lang soll Dogukan B. Marihuana verkauften haben. Deshalb steht er vor dem Landgericht. Aber hat er auch einen anderen Dealer zwei Tage lang bei Brot und Wasser in einer Kellerverlies gesperrt, um den Mann zur Zahlung seiner Schulden zu bewegen. So steht es zumindest in der Anklageschrift.

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Quelle: Symbolbild

Hannover. 90-mal soll Dogukan B. zwischen Juni 2014 und Oktober 2015 Marihuana verkauft haben. Doch die Anklageschrift, die Montag vor dem Landgericht Hannover verlesen wurde, enthält noch einen weiteren, gravierenden Vorwurf: Der 33-Jährige aus Vahrenwald soll einen anderen Drogendealer zwei Tage lang in einem verdreckten Kellerraum eingesperrt haben, um ihn zum Begleichen von 2900 Euro Schulden zu bewegen. B.s Verteidiger Manfred Koch spricht von falschen Anschuldigungen eines zweifelhaften Kronzeugen - eben des jungen Mannes, der weggesperrt worden sein will. Dieser ist in einem anderen Prozess bereits wegen Handels mit Betäubungsmitteln zu einer zweieinhalbjährigen Jugendstrafe verurteilt worden.

Noch ein zweiter Mann muss sich vor der 2. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Martin Grote verantworten: Der ebenfalls 33 Jahre alte Ali B. In dessen Wohnung in Ledeburg fand die Polizei bei einer Hausdurchsuchung im vergangenen Oktober 5,7 Kilogramm Marihuana. Der Verkaufserlös, so der Staatsanwalt, habe mindestens 23.000 Euro betragen. Die Wohnung sei von den Angeklagten - beide deutsche Staatsbürger, beide nicht in Untersuchungshaft - als Lager- und Verkaufsraum für ihre Drogengeschäfte genutzt worden.

Nach Ansicht von Ali B.s Anwalt Dirk Schoenian darf das Ergebnis der Hausdurchsuchung im Prozess nicht verwertet werden, weil der entsprechende Beschluss „fehlerhaft“ und „willkürlich“ war. So hätten die Ermittler gar nicht gewusst, welche Wohnung in dem Ledeburger Mehrfamilienhaus überhaupt ein Drogenumschlagplatz sein solle.

Dogukan B.s Anwalt verlas namens seines Mandanten eine längere Erklärung. Demnach kickte dieser einst mit Per Mertesacker in der A-Jugend von Hannover 96, musste das Fußballspielen dann aber wegen einer schweren Verletzung aufgeben. Anschließend, so Koch, habe B. neun Jahre lang einen Kiosk an der Schulenburger Landstraße betrieben. Weil sich das Lädchen nicht mehr rentierte, habe er es 2014 verkauft. Derzeit verdinge sich der Familienvater als Aushilfsfahrer. Der 33-Jährige sei selbst ein „Gelegenheitskiffer“, der manchmal kleinere Mengen Marihuana an Freunde weitergegeben habe, höchst selten an Außenstehende. Die Aussage des Hauptbelastungszeugen, in einen Kellerraum eingesperrt worden zu sein, sei eine „erfundene Geschichte“.

Der Kronzeuge hatte im Vorfeld erklärt, er sei von Dogukan B. und einem Albaner in einem fünf Quadratmeter kleinen Kellerverlies weggeschlossen worden. Man habe ihn geohrfeigt und in den Magen geboxt, um ihn zum Begleichen seiner Schulden zu bewegen. Der Albaner habe eine Machete am Gürtel getragen. Während der Gefangenschaft sei er nur mit vier Scheiben Schwarzbrot und einer Flasche Wasser versorgt worden. Diese Tortur - strafrechtlich Freiheitsberaubung und schwere räuberische Erpressung - habe ihn total eingeschüchtert. Später will der Dealer an B. 5000 Euro gezahlt haben.

Der Kronzeuge soll morgen vor Gericht aussagen. Dann wird sich die Kammer ein Bild machen können, wie glaubwürdig seine Anschuldigungen sind.

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