„Ich habe meiner Frau gesagt: Heute wird’s spät“, sagt Richter Detlef Süßenbach, ein Lächeln umspielt seinen Mund. Offenbar hat sich Süßenbach vorgenommen, sich von den auf Chaos programmierten Tierschützern im Saal nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Seine Geduld wird beim Prozess um die Besetzung des Boehringer-Geländes auf eine harte Probe gestellt: Auch am zweiten Verhandlungstag haben die fünf Angeklagten, die sich vor dem hannoverschen Amtsgericht wegen Hausfriedensbruchs verantworten müssen, ihn mit einer Flut an Anträgen und Rügen eingedeckt. Fast zehn Stunden lang wurde am Donnerstag verhandelt.
Weil sich die Angeklagten nicht zu den Vorwürfen äußern wollen, wie sie erklärten, müssen nun weitere Prozesstage folgen. Gut 50 Tierschützer, die bis auf die Schuhsohle durchsucht worden waren, verfolgten die gestrige Verhandlung. Drei von ihnen wurden wegen ständiger Zwischenrufe von den Justizbeamten gewaltsam aus dem Gerichtssaal gebracht.
Unterbrochen von gemeinschaftlich inszenierten Hustenanfällen im Zuschauerraum verlas Staatsanwältin Claudia Becker-Kunze schließlich die Anklage. Danach sollen sich die Aktivisten in der Nacht zum 22. August 2009 Zugang zu dem mehrere Tausend Quadratmeter großen Areal an der Bemeroder Straße verschafft und das Grundstück ein zweites Mal für besetzt erklärt haben. Schon zwei Wochen zuvor hatte die Polizei mit einem Großaufgebot die ehemalige Kleingartenkolonie geräumt und 33 jungen Männern und Frauen Platzverweise erteilt. Mit den Besetzungsaktionen protestierten die Tierschützer gegen die von Boehringer geplante Ansiedlung eines europäischen Tierimpfstoffzentrums.
Ein erster Prozesstag Anfang Mai war bereits zur Farce geworden, die Verhandlung wurde durch Tumulte gestört und musste wegen zahlreicher Befangenheitsanträge gegen den Richter verschoben werden. Diese seien von einem Kollegen abgelehnt worden, wie Süßenbach am Donnerstag verkündete. Sei es aus Hochachtung vor der Kampfbereitschaft der jungen Aktivisten oder aus Angst vor Verfahrensfehlern, gab Richter Süßenbach aber auch mehreren Anträgen statt.
So war die Verhandlung vom Amtsgericht bereits in einen größeren Saal des Landgerichtes verlegt worden, wo alle Zuschauer Platz fanden. Süßenbach ließ auch zu, dass sich einer der Angeklagten von einem Studenten aus den eigenen Reihen verteidigen ließ. Der 20-Jährige aus Berlin hatte sich gut vorbereitet und lieferte sich einen juristischen Schlagabtausch mit Richter und Staatsanwältin. Nur einmal platzte dem Richter der Kragen („Das ist unverschämt“), als der Verteidiger ihn aufforderte, einen Paragraphen vorzulesen – aus Sorge, der Richter kenne diesen nicht. Auch ein 71-Jähriger, der bei einem Sicherheitsdienst jobbt und in der besagten Nacht auf dem Boehringer-Gelände Wache gehalten hat, musste einiges über sich ergehen lassen. Die Angeklagten wollten von ihm wissen, wie tief die Sonne stand oder wie dick die Blätter waren. Die zehn weiteren Zeugen müssen sich auf Ähnliches gefasst machen. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.
Sonja Fröhlich
HAZ.de Anmeldung
8
Kommentare
Das Verhalten hat mit Tierschutz nichts zu tun S. B. – 23.05.10
Ich möchte auch mal meine Meinung dazu sagen. Ich war an 2 Tagen im Prozess dabei. Ich finde Tierschutz eine sehr gute und tolle Sache. Aber wenn diejenigen sogenannten Tierschützer in der Öffentlichkeit ernst genommen werden wollen, dann sollten sie sich nicht wie Clowns oder Drittklässler aufführen. Es gibt nunmal bestimmte Verhaltensregeln an bestimmten Orten. Und mit dem Verhalten dieser Leute ziehen sie den Tierschutz ins Lächerliche. Die Justiz will sie ernst nehmen, aber wie denn, wenn sie nicht mal einen Satz bis zum Ende anhören können und dauernd jeden Redner unterbrechen. Sie wollen auch dass ihnen zugehört wird. Also sollten sie es andersrum auch so machen. Mann kann nicht von anderen alles verlangen und sich selber an gar nichts halten. Ich meine, was für einen Sinn hat dieses kindische und peinliche Verhalten für den Schutz dieser Tiere? Vielleicht sollten diese Leute mal ein bisschen über ihre Art und Weise nachdenken, wie sie den Tierschutz betreiben. Das musste ich einfach mal loswerden.Schweine zu Pflugscharen a.d. – 21.05.10
Noch gar nicht erwähnt wurde die Anzahl der Verfassungsschutzmitarbeiter unter den Demonstranten, nur damit ich mir besser ein Bild machen kann über die tatsächlichen kosten...Dessen ungeachtet finde ich den Protest gut und begrüßenswert.
Teil 2 Martin G[Punkt] – 21.05.10
Aus 2 Gründen: Zum einen werden sie von der Presse obligatorisch verrissen und kriminalisiert und zum anderen gibt ihr Neid ihnen nicht die Möglichkeit mit solchen Menschen zu sympathisieren. Es ist einfacher mit der Bild in der Kneipe zu sitzen und den wohlverdienten Feierabend zu geniessen, als nach der Arbeit auch noch politisch aktiv zu werden und die Welt selber mit zu gestalten. Das wissen sie, aber auch die Demonstranten, mit dem Unterschied, dass die ehrenwerten Demonstranten sich nicht für den einfachen, bequemeren Weg entscheiden.In dem Kontext ist es besonders Lachhaft, diese Menschen als faul, arbeitsscheu oder Sozialschmarotzer zu bezeichnen. Nicht zu vergessen, die Königsdisziplin, sie zu sozialer Arbeit zu verdonnern. Das Lustige hierdran ist nämlich, dass diese Menschen fast alle in den sozialen Einrichtungen Tätig sind. Und würden sie sich mit der Materie auseinandersetzen oder einfach mal die Augen aufmachen, wenn sie ihr Kind oder Enkelkind aus dem Kindergarten oder der Kita abholen oder beim Besuch im Altersheim, so würden sie das auch wissen.
Aber wahrscheinlich wissen sie es sogar und haben eben darum keine andere Möglichkeit als sie zu hassen. Weil diese Menschen in ihrem jungen Leben schon viel mehr erreicht und versucht haben, als sie es jemals werden.
Teil 2 Martin G[Punkt] – 21.05.10
Aus 2 Gründen: Zum einen werden sie von der Presse obligatorisch verrissen und kriminalisiert und zum anderen gibt ihr Neid ihnen nicht die Möglichkeit mit solchen Menschen zu sympathisieren. Es ist einfacher mit der Bild in der Kneipe zu sitzen und den wohlverdienten Feierabend zu geniessen, als nach der Arbeit auch noch politisch aktiv zu werden und die Welt selber mit zu gestalten. Das wissen sie, aber auch die Demonstranten, mit dem Unterschied, dass die ehrenwerten Demonstranten sich nicht für den einfachen, bequemeren Weg entscheiden.In dem Kontext ist es besonders Lachhaft, diese Menschen als faul, arbeitsscheu oder Sozialschmarotzer zu bezeichnen. Nicht zu vergessen, die Königsdisziplin, sie zu sozialer Arbeit zu verdonnern. Das Lustige hierdran ist nämlich, dass diese Menschen fast alle in den sozialen Einrichtungen Tätig sind. Und würden sie sich mit der Materie auseinandersetzen oder einfach mal die Augen aufmachen, wenn sie ihr Kind oder Enkelkind aus dem Kindergarten oder der Kita abholen oder beim Besuch im Altersheim, so würden sie das auch wissen.
Aber wahrscheinlich wissen sie es sogar und haben eben darum keine andere Möglichkeit als sie zu hassen. Weil diese Menschen in ihrem jugen Leben schon viel mehr erreicht und versucht haben, als sie es jemals werden.
Und dann noch zum dem Herren der behauptet, dass sie sich vor der Strafe drücken. Da lach ich ja nur .. HAHA .. jeder drückt sich vor Strafen wo es nur geht. Die Idee ihen Protest gegen dieses moderne Hinrichtungslabor mit dem Protest an unserer scheinbar unfehlbaren Jutiz zu verknüpfen halte ich schlichtweg für genial.
Teil 1 Martin G[Punkt] – 21.05.10
Dieser Kommentar wurde von der HAZ.de-Redaktion gelöscht. Bitte beachten Sie unsere Nutzungsbedingungen unter: www.haz.de/nutzungsbedingungenbis auf die Schuhsohle kontrolliert Dr.Fleisch – 21.05.10
P.S: wieso wurden die nur bis auf die Schuhsohle kontrolliert? Möglicherweise transportieren sie darin Drogen oder Waffen.Laßt sie zur Strafe sozial Arbeiten Dr.Fleisch – 21.05.10
das ist für diese arbeitscheuen Chaoten die schlimmste Strafe die es gibt.Und die Störer sollte auch gleich was bekommen wegen Mißachtung des Gerichtes.
Ich rufe zum Gegenprotest gegen die protestierenden Chaoten auf. Wir werden sie mit Schnitzeln aus garantierter Massenhaltung bewerfen. Aber natürlich nur ausserhalb des Gerichtssaals. Und danach werden die Schnitzel gegrillt. Mit Essen spielt man ja bekanntlich nicht.
Peinliche Tierschützer my50cent – 21.05.10
Vielen Dank an die sogenannten Tierschützer.Endlich haben diese entlarvt was Sie wirklich sind, nämlich eine Bande von pubertierenden und peinlichen Gestalten die in unserer Spaß- und Erlebnisgesellschaft wohl intellektuell etwas zu kurz gekommen sind...
Lachhaft Nawerschon – 21.05.10
Das sind doch nur Kinder, die wollen halt spielen und toben.Die darf man einfach nicht ernst nehmen.
Eingangskontrolle Der Troll – 21.05.10
Einfach am Eingang nen Friseur aufstellen.Davor haben diese Studenten Angst.
... fray – 21.05.10
Sorry, alle klagen über Steuermittelverschwendeung und was machen die?... Is das besser? Sie waren doch da? Oder haben sie nicht protestiert? Dann könnte ja auch gebaut werden...war ja keiner da oder?Wenn schon, dann auch dazu stehen und nicht sagen wir waren es auf einmal nicht. Könnt ihr euch nicht anders medienwirksam aufstellen? Der Vergleich zum schwarzen (mittelmäßig begabten) Block liegt schon sehr nah.
Weiter so! Noah – 21.05.10
Alle Macht den Tieren! Nieder mit den Ferkelwämsern!.. asd – 20.05.10
deppentreffen-fragt sich nur,wer die deppen sind.
die Eingeladenenen oder die Einladenden?
Die Angeklagten oder die Anklagenden?
.
.
.
.
Wer schmeisst den Laden, in dem verhandelt wurde
.
.
.
.
die sind deppert!
die einzigen deppen... peter lustig – 20.05.10
....sind die cops die mit einem großaufgebot alles wegen ner handvoll hippies abriegelt. aber hannover ist ja für total überzogene polizeieinsätze bekannt. binias und schünemann gehören weg vom fenster...Boehringer- Besetzer ? Aufpasser – 20.05.10
Wie sagte der Kabarettist Günther Grünwald kürzlich ? Wir leben in einer Plem-plem- Gesellschaft - noch Fragen ?... hannoveraner – 20.05.10
Deppentreffen und alle spielen mit?