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Aus der Stadt 4, 13, 18, 29, 39, 43 - sonst knallt’s!
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00:15 05.12.2016
Von Michael Zgoll
„Wir haben schon viele umgebracht“: Erpresserin vor Gericht. Quelle: Michael Wallmueller
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Hannover

Auf diese Idee muss man erst einmal kommen. Toto-Lotto zwingen zu wollen, eine bestimmte Zahlenkombination zu ziehen. Eine Kombination von 6 aus 49, die man selbst seit Monaten erfolglos tippt. Der Erpresserbrief, der das niedersächsische Glücksspielunternehmen mit Sitz in Hannover im Januar 2015 erreichte, strotzte nur so vor Rechtschreibfehlern - und düsteren Drohungen. Ein anonymer Schreiber behauptete, gerade mit seinem Kumpan aus dem Irak zurückgekehrt zu sein, wo man „das Töten gelernt“ habe. „Wir haben schon viele umgebracht“, hieß es. Man gebe Toto-Lotto vier Wochen Zeit, die Zahlen 4, 13, 18, 29, 39 und 43 auszulosen - sonst werde es ernst. Nun muss sich der mutmaßliche Erpresser vor dem Amtsgericht verantworten - eine 66-jährige Rentnerin mit grauen Haaren, zartem Stimmchen und von zierlicher Statur.

Hilde Gärtner* muss sich wegen Erpressung verantworten, ein Delikt, das mit einer Geldbuße oder bis fünf Jahren Haft bestraft werden kann. Doch ob es dazu kommt, ist offen. Das Schöffengericht entschied auf Antrag von Verteidiger Jens Döpke, ein psychiatrisches Gutachten einzuholen. Die verquere Denkweise der mutmaßlichen Täterin, die sich auch in dem wirren Erpresserbrief wiederfindet, weckt Zweifel an ihrer geistigen Gesundheit.

„Wir sind hier in Hannover und beobachten Sie alle“

Doch das ändert nichts daran, dass sich die Toto-Lotto-Mitarbeiterin bedroht fühlte, die den Brief im Januar 2015 öffnete. „Wir sind hier in Hannover und beobachten Sie alle“, lautete eine der Warnungen. Zudem habe man alle in Döhren Beschäftigten fotografiert, auch deren Familien. Unverzüglich schaltete das Unternehmen die Polizei ein.

Die Beamten ermittelten, dass ein Tipper aus Bad Sachsa in den Vorwochen regelmäßig Scheine mit der Kombination 4, 13, 18, 29, 39 und 43 in einer Lotto-Annahmestelle vor Ort abgegeben hatte. Daraufhin wurde der entsprechende Edeka-Markt observiert. Mitte Februar landeten die Polizisten ihren ganz persönlichen Sechser im Lotto: Gärtner wurde bei der Abgabe eines Tippscheins beobachtet und festgenommen.

In der Wohnung der aus dem Harz stammenden Rentnerin fanden die Ermittler handschriftliche Aufzeichnungen, die eine starke Ähnlichkeit mit dem Erpresserbrief aufwiesen. Auch stieß man auf Hinweise, dass die Seniorin die Autorin war. Sie hatte bereits im Frühjahr 2014 Briefe an Toto-Lotto versandt. Auch darin wurde das im Auftrag des Landes tätige Unternehmen zur Ziehung bestimmter Zahlen aufgefordert - allerdings anderer Ziffern als im Januar 2015. Der Ton dieser Anschreiben war noch deutlich freundlicher als der spätere Erpresserbrief, sie waren eher als Bettelbriefe zugunsten von Oma und behinderter Schwester formuliert.

Vor Gericht leugnete die 66-Jährige, die Anschreiben verfasst zu haben. Selbst die Tatsache, dass eine DNA-Untersuchung Spuren ihres Speichels auf einem an Toto-Lotto gerichteten Brief herauskristallisiert hatte, ließ die Seniorin nicht schwach werden.

Die Verhandlung fand großteils unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Nach Auffassung des Schöffengerichts gilt es, die schutzwürdigen Interessen der möglicherweise psychisch kranken Angeklagten zu wahren. Bis das Gutachten des medizinischen Sachverständigen vorliegt und der Prozess fortgesetzt werden kann, werden wahrscheinlich noch etliche Wochen ins Land gehen.

* Name von der Redaktion geändert

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