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Aus der Stadt Wie Autoknacker Schließsysteme überlistet haben
Hannover Aus der Stadt Wie Autoknacker Schließsysteme überlistet haben
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00:16 01.09.2017
Von Michael Zgoll
Sie hüllten sich bislang in Schweigen: Artiomas B. (links) und Valdemaras N. - Sinaida Sauerland (mittig) ist ihre Dolmetscherin. Quelle: Zgoll
Hannover

Zwei Männer aus Litauen müssen sich seit Dienstag vor dem Landgericht Hildesheim wegen siebenfachen Autodiebstahls verantworten. Die 25-jährigen Artiomas B. und Valdemaras N. sollen zwischen dem 21. Januar und dem 12. März dieses Jahres sieben PS-starke Mercedes- und BMW-Fahrzeuge gestohlen haben, unter anderem in Badenstedt und Seelhorst, aber auch in Burgdorf, Lehrte, Rodenberg sowie Hamburg und Erfurt. Alle Autos waren mit Keyless-Go-Systemen, also schlüssellosen Zugangssystemen, ausgestattet. Das machten sich die Diebe mittels elektronischer Hilfsmittel zunutze.

Legt man die Neuwagen-Listenpreise zugrunde, beträgt der Wert der gestohlenen Fahrzeuge rund 500 000 Euro. Erstattet wurde den Opfern der Zeitwert ihrer verschollenen oder ausgeschlachtet aufgefundenen Autos, sodass der tatsächliche Schaden um einige Zehntausend Euro geringer ausfällt.

Gefasst bei Routinekontrolle

Die beiden Angeklagten waren der Polizei am 12. März bei einer Routinekontrolle auf der A 2 in die Hände gefallen. In ihrem Fahrzeug befanden sich Navigationsgeräte, Handys sowie Dokumente aus den entwendeten Limousinen und SUVs. Am Dienstag, vor der 16. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Karin Brönstrup, hüllten sich B. und N. in Schweigen.

Die Masche der Autoknacker war immer die gleiche: Sie schlugen in der Nacht zu, meist zwischen 1 und 6 Uhr morgens. Da sie keinerlei Gewalt anwenden mussten, konnten sie nahezu geräuschlos agieren. Ihre Einbruchswerkzeuge waren offenkundig ein Auto-Scanner und ein Schlüssel-Scanner, auch unter dem Namen Funkwellenverlängerer bekannt.

Schon seit Jahren bieten diverse Autohersteller Keyless-Go-Systeme an. Dabei kann der Fahrer seinen Wagen aufschließen und starten, ohne den Autoschlüssel in die Hand zu nehmen – er muss ihn nur nah am Körper tragen. Das funktioniert, weil der Schlüssel permanent Funksignale sendet; steht man neben dem empfangsberechtigten Wagen, löst sich die Verriegelung.

Die Diebe, davon geht die Anklage aus, stellten sich nah an die Einfamilienhäuser, wo die Schlüssel in Fluren oder auf Tischen lagen. Mittels des Schlüssel-Scanners fingen sie das Funksignal auf und leiteten es an einen neben dem Auto befindlichen Empfänger weiter. So ließen sich die Wagen dann kinderleicht öffnen und starten.

Ein Mercedes GLE 350 aus Lehrte wurde nach dem Diebstahl noch einmal in Dänemark geortet, dann verlor sich seine Spur. Gen Osten führte die Reise eines BMW X 5. „Die Polizei fand ihn ausgeschlachtet in einem Wald in Polen“, sagte Oberstaatsanwalt Oliver Paul. Glück hatte nur der Besitzer eines 120 000 Euro teuren Mercedes GL aus Rodenberg: Weil ein Nachbar die Täter bei Nacht auf einem Feldweg aufschreckte, flohen sie Hals über Kopf und ließen das SUV stehen. Zurück ließen sie auch ihr eigenes mobiles Navigationsgerät – dessen Display kyrillische Schriftzeichen zeigte.     

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