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Angeklagter muss nicht vermessen werden

Prozess Angeklagter muss nicht vermessen werden

Hat Gentrifizierungsgegner Lukas L. auf einer Kundgebung in Linden öffentlich zu Straftaten aufgerufen? Montag unternahm das Amtsgericht den zweiten Anlauf, die Taten des 28-Jährigen aufklärten, nachdem ein erster Versuch im Januar gescheitert war.

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Zum Tatzeitpunkt filmte die Polizeikamera die Demonstranten mit Plakat und Bengalos auf dem Baugerüst.

Quelle: Archiv

Hannover. Es saß sogar ein Rechtsmediziner der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) im Saal, einen Zollstock auf dem Tisch, der das Gesicht des Angeklagten in einem Hinterzimmer vermessen und genau untersuchen sollte; dabei ging es darum, dessen Identitätsmerkmale mit den Aufnahmen eines Polizeivideos abzugleichen. Richter Michael Siegfried stellte gar die Frage, ob sich der Angeklagte rasieren müsse.

Doch zu dieser „unwürdigen Behandlung“, wie es Verteidiger Peter Fahlbusch nannte, kam es nicht. Stattdessen muss das Gericht im Spätsommer einen dritten Versuch starten, die Geschehnisse vom 30. Mai 2015 aufzuklären.

Wie schon beim ersten Verhandlungstermin saßen rund 30 Sympathisanten der „Kampagne Ahoi“ im Saal, die L.s Abneigung gegen hohe Mieten in Linden genauso teilen dürften wie dessen Wunsch nach einem autonomen Stadtteilzentrum. Doch bis auf wenige Kommentare hielten sich die Zuschauer an die Spielregeln der Prozessordnung, die Stimmung war friedlich. Zumindest den Ton des Polizeivideos, von dem Richter Siegfried einige Sequenzen mehrfach vorspielte, konnten alle Anwesenden hören. „Macht doch mal was kaputt oder zumindest ein bisschen Dreck“ war mit Mühe zu vernehmen - doch war es wirklich Lukas L., der auf einem Lautsprecherwagen stand? Dummerweise gibt es von dieser Szene nur ein Tondokument, weil die Überwachungskamera am Polizeifahrzeug zeitgleich Spannenderes filmte: Auf dem Baugerüst eines benachbarten Hauses standen Demonstranten, entrollten ein Transparent und schwenkten Bengalos, bejubelt von der rund 150-köpfigen Menge. Zudem stand die Polizei unter Konfettibeschuss.

Verteidiger Fahlbusch bezweifelt, dass das Gericht dieses Video überhaupt verwerten darf. Doch soll es auch Zeugen geben, die L. auf dem Lautsprecherwagen gesehen haben. Die Urheberschaft an einem anderen Satz, bei dem der MHH-Mediziner ins Spiel kommen sollte, gestand der 28-Jährige schließlich ein. Eine Stunde nach den ersten Filmaufnahmen am Kötnerholzweg bekundete er am Küchengarten lautstark: „Ihr müsst euch ja nur mal umgucken, wie viel Scheiße ist, da ist bestimmt auch was dabei, was ihr wegmachen könnt.“

Verständigungsgespräche von Richter, Verteidiger und Staatsanwältin Kathrin Söfker scheiterten, die Anklagebehörde möchte das Verfahren nicht einstellen. Weil gestern zwei Zeugen im Urlaub weilten, geht die Wahrheitssuche am 5. September von vorne los.

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