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Aus der Stadt Prozess um Kannibalenmord beginnt
Hannover Aus der Stadt Prozess um Kannibalenmord beginnt
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00:20 20.08.2014
Auf einem Grundstück im Osterzgebirge fanden Ermittler im November vergangenen Jahres unzählige Leichenteile. Quelle: Polizei
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Hannover

Es ist ein Fall wie aus einem Horrorfilm: Ein 59 Jahre alter Mann fährt mit einem Fernbus von Hannover nach Dresden, um sich dort töten, zerstückeln und essen zu lassen. Den Mann, der diese grausige Tat für ihn verüben soll, findet er im Internet. Detlef G., der den hannoverschen Geschäftsmann Wojciech S. am 4. November 2013 getötet haben soll, steht ab kommendem Freitag in Dresden vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 56-jährigen Mitarbeiter des Landeskriminalamtes unter anderem Mord wegen Befriedigung des Geschlechtstriebes vor.

Nach bisherigen Informationen sollen sein späteres Opfer und er sich auf einer Internetplattform kennengelernt haben, auf der sich Menschen mit kannibalischen Phantasien austauschen. Auf der gleichen Seite hatte auch Armin Meiwes, der als der „Kannibale von Rotenburg“ bekannt wurde, nach Opfern gesucht. Nach wochenlangen Unterhaltungen verabreden die beiden Männer ein Treffen. Am 4. November 2013, einem Montag, steigt Wojciech S. in Hannover in einen Fernbus nach Berlin. Von dort reist der Vater einer Tochter im Teenageralter weiter nach Dresden, wo er von Detlef G. abgeholt wird. Gemeinsam fahren sie in die Pension, die der Kriminalhauptkommissar gemeinsam mit seinem Lebensgefährten in Glimmlitztal betreibt. Dort soll der Kriminaltechniker Wojciech S. getötet und danach zerstückelt haben. Doch anstatt ihn zu essen, vergrub er die Leichenteile im Garten des Hauses im Osterzgebirge.

Drei Wochen später nimmt die Polizei Detlef G. fest und durchsucht sein Haus. Im Garten finden die Beamten den zerstückelten Toten. Nach Informationen der Staatsanwaltschaft Dresden gesteht der 56-Jährige die Tat, widerruft einen Teil seiner Aussage aber kurz darauf. „Das Ermittlungsergebnis rechtfertigt aber einen dringenden Tatverdacht“, sagt Behördensprecher Lorenz Haase. „Er wollte den Mann töten und zerstückeln.“ G.’s Verteidiger Endrik Wilhelm widerspricht dem. Sein Mandant habe nie ein Geständnis abgelegt, nur Schilderungen zu den Akten gegeben, „die nicht stimmten“. Er sieht den Tod von S. als Selbsttötung an. G. sei nur so weit gegangen, wie der andere das gewollt habe.

Auch der Geschäftspartner von Wojciech S., der seinen Kompagnon eine Woche nach dessen Verschwinden als vermisst meldete, berichtet Ähnliches. Er hatte zuvor den Computer des Vermissten durchsucht und war auf die Chatprotokolle des 59-Jährigen gestoßen. „Das alles geht schon ganz lange“, sagte er damals. Offenbar war Wojciech S. seit frühester Kindheit von dem Gedanken getrieben, sich umbringen und von seinem Mörder verzehren zu lassen.
„Diese Aussage stimmt nicht“, sagt Rechtsanwältin Tanja Brettschneider. Sie vertritt die ehemalige Frau des Opfers in der Nebenklage. „Und sie widerspricht dieser Darstellung ganz klar“, sagt Brettschneider. Auch aus dem Video, das G. bei seiner Tat drehte, gehe klar hervor, dass Wojciech S. nicht getötet werden wolle, sagt die Anwältin, die die mehr als 30 Minuten dauernde Aufnahme gesehen hat. Diese habe der Angeklagte zuvor zwar gelöscht – die Datei habe sich aber wieder herstellen lassen.

15 Verhandlungstage hat die Kammer anberaumt und 19 Zeugen geladen, darunter den Lebenspartner des Angeklagten. Vermutlich wird in der Verhandlung auch das Video gezeigt werden müssen. Die Familie des Opfers soll dann den Saal verlassen. „Meine Mandantin und ihre Tochter sind ohnehin schon schwer traumatisiert“, sagt Nebenklagevertreterin Brettschneider.

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