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Aus der Stadt OP am falschen Knie – Ärzte geben Fehler zu
Hannover Aus der Stadt OP am falschen Knie – Ärzte geben Fehler zu
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08:51 03.11.2017
Von Michael Zgoll
Anwalt Karsten Heidemann vertritt Bärbel Lüders aus Immensen. Quelle: Zgoll
Hannover

Bis heute leidet die 67-Jährige unter den Folgen der OP, bei der offenbar auch noch gepfuscht wurde. Sie kann nur unter Schmerzen Treppen steigen oder im Garten arbeiten, traut sich kaum noch auf ihr Fahrrad. Am Donnerstag wurde am Landgericht Hannover über ihre Klage gegen das Klinikum Region Hannover (KRH) verhandelt. Mit Unterstützung von Anwalt Karsten Heidemann fordert die Seniorin 50.000 Euro Schmerzensgeld plus 38.000 Euro Schadensersatz für Haushaltsführungsschäden und weitere mögliche Behandlungen.

Vor der 19. Zivilkammer unter Vorsitz von Uwe Fischer sagten am Donnerstag zwei OP-Ärzte und ein Chefarzt aus. Sie gaben zu, dass die Lehrter Klinik an jenem 4. April 2014 alle Vorbereitungen für einen Eingriff am linken Knie getroffen hatte. Bärbel Lüders war wenige Tage zuvor auf einer Treppe gestürzt. Das linke Knie der gelernten Hauswirtschafterin war angeschwollen und bereitete ihr starke Schmerzen, laut Befund von zwei externen Medizinern hatte sie sich eine Schienbeinkopffraktur zugezogen. Am rechten Knie war zwar auch ein Bluterguss zu sehen, doch schmerzhaft war dies nicht.

Laut Aussage der beiden Krankenhausmediziner – eine Ärztin und ein Arzt – stellten diese nach der Narkotisierung von Bärbel Lüders aufgrund einer Bildaufnahme fest, dass auch im rechten Knie eine Fraktur vorlag, noch schlimmer als im linken. Daraufhin hätten sie sich spontan entschlossen, das rechte Knie zu öffnen. Doch eine Aufklärung über eine OP an diesem Bein hatte es nie gegeben. „Ich weiß, dass das ein Fehler war“, gestand die Ärztin. Was noch seltsamer ist: Es existieren keine Bilder von dem angeblich so stark lädierten Knie. Auch der medizinische Sachverständige Dietmar Müller äußerte am Donnerstag sein Befremden: „Besonders bei einer regelwidrigen OP ist eine Fotodokumentation immens wichtig, das weiß doch jeder Operateur.“

Zweite Operation vom Chefarzt

Weil den zwei Ärzten die Sache am 4. April etwas heikel wurde, baten sie den Chefarzt hinzu. Dieser gab am Donnerstag einen entlarvenden Satz zum Besten: „Den Ärzten war während der OP aufgefallen, dass nicht das geplante Knie geöffnet worden war.“ Die Fraktur auf der rechten Seite habe er allerdings mit eigenen Augen gesehen. Auf die erste OP folgte kurz darauf eine zweite, nun vom Chefarzt persönlich am linken Knie ausgeführt. Da man in Lehrte jedoch nicht auf einen weiteren derartigen Eingriff vorbereitet war, musste zuvor ein zweiter steriler Instrumentensatz aus der MHH herbeigeschafft werden.

Der Gutachter bezweifelte ganz offen, dass rechtsseitig überhaupt eine Fraktur vorgelegen habe. Allerdings habe sich auch das Friederikenstift bei der Nachbehandlung des mit einer überstehenden Metallplatte versehenen Knies nicht mit Ruhm bekleckert. Während das linke Knie von Bärbel Lüders wunderbar verheilte, musste sie wegen des rechten noch mehrere Operationen und Dutzende von Arzt- und Physiotherapiebesuchen erdulden. Anwalt Heidemann spricht von einem Skandal, die Seniorin klagt: „Ich hätte gerne Geld gegeben, wenn mir die letzten dreieinhalb Jahre erspart geblieben wären.“

Richter Fischer stellte klar, das KRH müsse nachweisen, dass es am rechten Knie von Bärbel Lüders eine Fraktur gab – doch das kann das Klinikum offenkundig nicht. Insofern stehen die Chancen gut, dass die Kammer beim Verkündungstermin am 27. November ein Urteil zugunsten der nachhaltig geschädigten Patientin fällt.

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