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Verlangte Autokäufer Manipulation des Tachos?

Prozess um Reparaturkosten Verlangte Autokäufer Manipulation des Tachos?

Ein eigentümlicher Autokauf beschäftigt derzeit das Amtsgericht Hannover. Nachdem der Motor des gebraucht gekauften Mercedes nach einem Jahr kaputt ging, stellte die Werkstatt fest, dass der Tacho verstellt war. Der Verkäufer bestreitet das auch nicht - doch er meint, der Käufer habe ihn darum gebeten.

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Autokauf unter keinem guten Stern: Um einen Mercedes-Benz C 320 CDI - ähnlich wie auf diesem Symbolbild - gibt es Ärger.

Gekauft wurde ein schwarzer Mercedes C 320 CDI, der für einen Preis zwischen 15.500 und 18.500 Euro veräußert wurde. Doch nach einem Jahr ging der Motor kaputt. Eine Mercedes-Werkstatt stellte fest, dass die Laufleistung in Wirklichkeit viel höher war als auf dem Kilometerzähler abzulesen. Nun bestreitet der Verkäufer überhaupt nicht, den Tacho manipuliert zu haben - doch behauptet er, der Käufer habe ihn dazu gedrängt. Zivilrichterin Catharina Erps hatte es in der Verhandlung mit zwei Lagern zu tun, die ihr zwei völlig unterschiedliche Geschichten erzählten - beide kaum nachvollziehbar. Auf einige Beteiligte könnte nun auch noch ein Strafverfahren zukommen.

Klägerin ist eine 36-jährige Frau, der eigentliche Autokäufer jedoch ist ihr Mann, ein 38-jähriger Geschäftsmann aus Langenhagen. Die beiden fordern von dem Verkäufer aus Hessisch Oldendorf 4300 Euro Schadensersatz. Das ist die Hälfte der 8600 Euro, die der Einbau eines neuen Motors und die damit zusammenhängende Reparatur der Kupplung in der Mercedes-Werkstatt gekostet hat.

Die beiden Männer lernten sich 2011 kennen, weil sie das gleiche Hobby teilen: Paintball, die spielerische Menschenjagd mit Farbkugeln. Doch auch das Interesse am An- und Verkauf großer Autos bot immer wieder Gesprächsstoff. Im August 2012 dann verkaufte der 42-jährige Versicherungsmakler aus Hessisch Oldendorf dem Langenhagener aus der Gebäudereinigungsbranche seine Mercedes-Limousine. Der tatsächliche Kilometerstand soll 180 000 Kilometer betragen haben, auf dem Tacho standen allerdings nur 120 000.

Wie der Käufer in der Verhandlung aussagte, habe er kurz nach der Übergabe des Wagens von einem Freund erfahren, dass der Mann aus Hessisch Oldendorf den Tacho manipuliert habe. Er habe den Verkäufer zur Rede gestellt, sich dann aber mit der Auskunft zufrieden gegeben, dass der 42-Jährige den Entfernungsmesser nur um 10 000 Kilometer nach unten verstellt habe: „Also habe ich der Sache nicht viel Bedeutung beigemessen.“ Erst als der Motor kaputtgegangen sei, habe er von dem früheren Besitzer eine 50-prozentige Beteiligung an den Reparaturkosten verlangt. Weil dieser abgelehnt habe, wollten er und seine Frau diesen Betrag nun einklagen - sie seien arglistig getäuscht worden.

Die Version des Beklagten war eine andere. Der Kaufinteressent aus Langenhagen habe ihm erzählt, auf Anraten seines Steuerberaters und aus betriebswirtschaftlichen Gründen dürfe der Wagen höchstens eine Laufleistung von 120 000 Kilometer aufweisen und offiziell höchstens 15 500 Euro kosten. Deshalb sei er, der Verkäufer, nach Holland gefahren und habe den Tacho manipuliert, deshalb habe er nach Vertragsabschluss 15 500 Euro überwiesen bekommen - und weitere 3000 Euro in bar. Sich an den späteren Reparaturkosten zu beteiligen, habe er aber nicht eingesehen.

Beide Seiten boten Zeugen aus der Paintball-Szene auf, die ihre Sicht der Dinge bestätigten. Der Mercedes C 320 CDI ist inzwischen weiterverkauft - mit einem angezeigten Kilometerstand von 126 000. Richterin Erps wies darauf hin, dass es von ihrem Urteilsspruch am 12. April abhängt, ob sie die Staatsanwaltschaft auf einen möglichen Prozessbetrug oder Falschaussagen hinweist: „Eine der beiden Parteien hat mir hier einen Bären aufgebunden.“

Dem Versicherungsmakler, der die Manipulation des Kilometerzählers so freimütig eingeräumt hat, droht auch noch von anderer Seite Gefahr. Zwar hat die Anklagebehörde ein Strafverfahren wegen Betrugs eingestellt, doch könnte der Autoverkäufer noch auf Grundlage eines anderen Paragrafen verurteilt werden. Seit 2005 steht in der Straßenverkehrsordnung, dass der „Missbrauch von Wegstreckenzählern und Geschwindigkeitsbegrenzern“ geahndet werden kann - mit Freiheitsentzug bis zu einem Jahr oder Geldstrafen.

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