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Aus der Stadt Wer erschlug Obdachlosen im „Polen-Lager“?
Hannover Aus der Stadt Wer erschlug Obdachlosen im „Polen-Lager“?
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00:17 15.05.2016
Von Michael Zgoll
In einem Waldstück in Bothfeld wurde die Leiche des 36-Jährigen im vergangenen September gefunden. Quelle: Uwe Dillenberg/Archiv
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Hannover

Der Tod des 36-jährigen Obdachlosen, der am 7. September 2015 in einem Bothfelder Wäldchen starb, wird qualvoll gewesen sein. Ein Gerichtsmediziner zählte im Schwurgerichtssaal des Landgerichts eine Fülle von Verletzungen an Kopf und Körper des Opfers auf, die nur einen Schluss zulassen: Der Lette „Malutki“ (heißt: „der Kleine“) wurde brutal zu Tode geprügelt und getreten. Auf der Anklagebank sitzen der 35-jährige Kazimierz K. und der 36-jährige Piotr W., die sich wegen Totschlags verantworten müssen. Doch waren die beiden Männer aus der Trinker- und Obdachlosenszene wirklich die - alleinigen - Täter? Kann man ihnen die Bluttat zweifelsfrei nachweisen? Oder schlugen doch andere zu? Die beiden Polen streiten die Vorwürfe ab. Gestern ließen sie sich bereitwillig befragen und präsentierten ihre Version der Dinge.

Das Opfer war an jenem September-Montag im sogenannten „Polen-Lager“, einem heruntergekommenen Camp zwischen Burgwedeler Straße und An den Hilligenwöhren, schrecklich zugerichtet aufgefunden worden. Auf den Toten aufmerksam gemacht hatten die beiden Angeklagten sowie ein dritter, derzeit verschwundener Mann. Die drei waren am Tattag zunächst bei der Bahnhofspolizei im Hauptbahnhof und kurz darauf in der Wache Herschelstraße aufgetaucht und hatten von einer leblosen, in eine Decke gehüllten Gestalt in Bothfeld berichtet. Der Alkoholisierungsgrad aller Beteiligten - auch des Opfers - war erheblich, er lag zwischen drei und vier Promille.

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In Bothfeld ist Anfang September 2015 die Leiche eines 36 Jahre alten Mannes entdeckt worden. 

Zunächst verlasen die Verteidiger Christian Neumann und Oliver Langer namens ihrer Mandanten längere Erklärungen, dann äußerten sich Kazimierz K. und Piotr W. selbst. Sie seien bereits vier Jahre mit dem Opfer befreundet gewesen, gemeinsam durch etliche Städte getingelt und nie in Streit geraten. Am Sonntagabend habe man zu fünft - mit zwei anderen Polen - friedlich vor einem Wohnwagen im Camp gehockt, reichlich Wein, Wodka und Bier konsumiert und dabei gegrillt. Irgendwann seien sie eingeschlafen und hätten das Opfer dann am Morgen tot im Wohnwagen liegend gefunden. Die anderen zwei Trinkkumpane hätten den nur 1,63 Meter großen „Malutki“, der Epileptiker war, gleich begraben wollen. Das aber lehnten K. und W. nach eigenem Bekunden vehement ab. Stuhlbeine, die als Tatwerkzeuge gelten, hätten sie lediglich zum Grillen benutzt; woher das Blut des Opfers an diesen Hölzern komme, wüssten sie nicht - ebenso wenig, warum Blut an ihren Schuhen entdeckt wurde.

Die Kammer unter Vorsitz von Wolfgang Rosenbusch verlas frühere, von der Polizei aufgenommene Aussagen der beiden anderen Männer, die derzeit gesucht werden. Der eine hatte bekundet, das Opfer habe einen epileptischen Anfall gehabt, später sei er selbst von seinen Kumpels verprügelt worden und nach einem Filmriss tags darauf in einer Klinik aufgewacht. Der andere bestritt in einer nicht minder zweifelhaften Aussage, in der Nacht zum 7. September überhaupt in Bothfeld gefeiert zu haben.

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