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Prozess wegen Kopftritts endet mit Freispruch

Mangel an Beweisen Prozess wegen Kopftritts endet mit Freispruch

Ein nur wenige Sekunden dauerndes Handyvideo zeigt, wie ein junger Mann einem schlafenden Obdachlosen gegen den Kopf tritt. Der 22-Jährige, auf dessen Smartphone sich das Video befand, war wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt - und wurde nun freigesprochen. 

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Der Angeklagte wurde freigesprochen.

Quelle: Archiv/Symbolfoto

Hannover. Das Video, von einer unbekannten Handykamera aufgenommen, ist schockierend: Ein junger Mann tritt einem auf einer Bank schlafenden Obdachlosen in Kickbox-Manier gegen den Kopf. Doch der 22-Jährige, auf dessen Mobiltelefon der nur wenige Sekunden dauernde Film entdeckt wurde und der wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt war, ist am Mittwoch von einem Jugendschöffengericht am Amtsgericht freigesprochen worden. „Der Tatnachweis kann nicht mit der für eine Verurteilung notwendigen Sicherheit geführt werden“, sagte die Vorsitzende Richterin Brigitte Meier bei der Urteilsverkündung. Es gebe kein belastbares Geständnis, keine Zeugen, keine echten Beweise - und das reiche nicht für einen Schuldspruch.

Obdachloser erinnert sich nicht an Attacke

Für den Staatsanwalt dagegen war die Täterschaft klar, das bestätigte sich am Mittwoch auch in dessen Plädoyer. Der Kickbox-Treter auf dem Video sehe dem Angeklagten sehr ähnlich, die Filmsequenz sei auf dessen Telefon entdeckt worden, und der Täter habe bei der nächtlichen Aktion in der Bahnhofstraße eine rotweiße Bermuda-Shorts getragen, wie sie später in der Wohnung des Angeklagten gefunden wurde. Zudem sei der 56-jährige Obdachlose, der am Mittwoch als Zeuge auftrat, sehr wahrscheinlich das Opfer - auch wenn dieser Mann erst nach monatelanger Suche gefunden wurde und sich bis heute nicht an eine derartige Attacke erinnern kann. Doch einen Antrag, wie der 22-Jährige zu bestrafen ist, stellte der Ankläger am Mittwoch nicht. Dazu müsse vorab per Gutachten ermittelt werden, ob und inwieweit der im vermuteten Tatzeitraum drogensüchtige Angeklagte überhaupt schuldfähig war.

Der Umstand, dass der genaue Zeitpunkt der Tat nicht bekannt ist, war für Verteidiger Michael Tusch das entscheidende Argument. Das Video wurde im März 2015 auf das Handy des Angeklagten überspielt - doch im Hintergrund blühen die Bäume und laufen Passanten mit T-Shirts durchs Bild. Der Täter sei nur von hinten zu erkennen und keineswegs sicher als sein Mandant auszumachen, so Tusch, und eine Hose wie im Film würden viele junge Männer tragen.

Tritt hätte zu Querschnittslähmung führen können

Der Fußtritt hatte den über die Bank ragenden Kopf des Obdachlosen mitten im Gesicht getroffen. Im schlimmsten Falle, so ein Mediziner, hätte dies zu Querschnittslähmung oder Tod führen können. Offenbar hatte der schlafende Mann aber Glück im Unglück, denn sonst wäre er sicherlich in einem Krankenhaus gelandet.

Eine Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe erklärte, dass sich der Angeklagte nach einer zweimonatigen U-Haft im Vorjahr offenbar besonnen, den Drogen abgeschworen und eine Berufsqualifizierungsmaßnahme begonnen habe. Der Freispruch eröffnet ihm die Chance, diesen Weg weiterzugehen.

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