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Aus der Stadt Überraschung im Totschlagsprozess
Hannover Aus der Stadt Überraschung im Totschlagsprozess
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09:58 06.10.2015
Von Michael Zgoll
Die Angeklagte Diana S. mit ihrem Verteidiger. Quelle: dpa
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Hannover

Die Frau soll am Karfreitag dieses Jahres in einer Wohnung in Mittelfeld ihre langjährige Partnerin totgeschlagen und -getreten haben. Laut dem Gutachter war die 20 Jahre ältere ehemalige Geliebte der Frau aber an Verletzungen gestorben, die bereits einige Tage alt waren. Mit der Tat endete eine äußerst komplizierte Beziehung zwischen zwei lesbischen Frauen in einer Katastrophe.

Bei dem Opfer diagnostizierte die Gerichtsmedizin zahlreiche Blutergüsse und Brüche, unter anderem von Rippen, Schlüsselbein und Handgelenk. Der erste Verhandlungstag eröffnete Einblicke in bizarre Lebenswelten.

Laut Zeugen kannten sich die zwei Frauen viele Jahre. Offenbar, so formulierte es der Verteidiger von Diana S., Karl-Heinrich Wintzenburg, konnten sie nicht mit-, aber auch nicht ohne einander. Die Wohnung der Angeklagten am Neisser Weg, so schilderte es ein Polizeibeamter, war mit Postern nackter Frauenpaare gespickt. Gelegentlich lief S. mit bloßem Oberkörper durchs Treppenhaus, hatte auch ein Jahr eine intime Beziehung zu einer anderen, zehn Jahre jüngeren Hausbewohnerin. Diese Liaison endete kurz vor dem Gewaltausbruch am
3. April 2015, der die 67-Jährige traf.

 

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Nach einem tödlichem Streit zwischen zwei früheren Freundinnen muss sich eine 47-jährige Frau vor dem Landgericht Hannover wegen Totschlags verantworten. 

Zwischen der Angeklagten und der Seniorin gab es immer wieder Eifersuchtsszenen, Trennungen, Versöhnungen. Lautstarke Streitigkeiten waren an der Tagesordnung und im ganzen Haus zu vernehmen. Anfang 2014 verletzte S. ihre Freundin mit einem Messer; das Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung wurde später gegen Geldauflage eingestellt. Bei den Wutattacken spielte Schnaps eine entscheidende Rolle, derart alkoholisiert warf S. sogar Gegenstände vom Balkon. Allerdings erklärten Polizeibeamte gestern, dass die Frau in der Tatnacht nicht übermäßig betrunken gewirkt habe. Ein Blutalkoholtest kurz nach Mitternacht zeigte 1,78 Promille an – für eine geübte Trinkerin kein Wert, der ihre Steuerungsfähigkeit aufhebt.

Beide Frauen hatten Alkohol getrunken

Auf der Anklagebank sitzt eine 1,63 Meter große Frau mit kurzen, rotorange gefärbten Haaren. Wie ihr Verteidiger in einer Erklärung verlas, seien beide Frauen in der Tatnacht alkoholisiert gewesen. Zwar sei es im Zuge von Eifersüchteleien zu tätlichen Auseinandersetzungen gekommen, doch könne keine Rede davon sein, dass S. ihre Freundin umgebracht habe. Die Rippenbrüche, so Wintzenburg, seien durch Wiederbelebungsversuche seiner Mandantin entstanden.

Doch ist das glaubhaft? Einer Nachbarin hatte Diana S. kurz vor Mitternacht erzählt, sie habe „eine Leiche im Keller“. Diese Zeugin sah auch, dass S. dem tot im Wohnzimmer liegenden Opfer noch einen Faustschlag versetzte; auf dem Balkon wurden später etliche Blutflecken entdeckt. Als die Polizei eintraf, erklärte S., dass sie einen Anwalt anrufen müsse. Später erbat sie sich eine „Henkerszigarette“ und fragte, ob sie die nächsten fünf Jahre im Gefängnis Kreuzworträtsel lösen könne – die Schilderung eines Unfalls sieht gewöhnlich anders aus.

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