Seit über 20 Jahren erholt sich Ernst August dort regelmäßig von seiner strapaziösen Prinzen-Rolle. Mit ihm kommen seine „Freunde aus aller Welt“, um das Archipel im Indischen Ozean zu genießen. „Wenn sie Shela wieder verlassen, haben sie Tränen in den Augen, weil sie erkannt haben, was für ein einzigartiger Ort das ist“, schwärmt Ernst August. Seine Liebe zu Lamu hat ihm allerdings mächtig Ärger eingebracht. Weil er in der Nacht zum 15. Januar 2000 einen Bayern verprügelt hat, steht er vor Gericht.
Der internationale Jetset hat Lamu längst für sich entdeckt: keine Autos, keine Paparazzi, stattdessen Esel und Stille. Ein Ort, an dem der Prinz im Kikoi, dem kenianischen Hüfttuch, herumlaufen kann, ohne sein Abbild am nächsten Tag in den Zeitungen wiederzufinden. Die High Society trifft sich auf der Terrasse des Peponi Hotels in Shela. Seit 1967 ist es im Besitz der Familie Korschen aus Dänemark. Zum Peponi gehört die einzige Bar im Ort mit einer Lizenz zum Alkoholausschank. Lamu ist muslimisch.
Lars Korschen, 55 Jahre alt, führt seit dem Tod seines Vaters das Hotel. Gestern hat er als Zeuge in Hildesheim ausgesagt. Korschen hat es geschafft, dass Leute wie Robert De Niro und Naomi Campbell bei ihm Urlaub machen. Er selbst schweigt über seine Kundschaft. Diskretion gehört zum Geschäft. Dass Jaqueline Kennedy, Prinzessin Soraya und Mick Jagger da waren, ist ein offenes Geheimnis. Ernst August ist Stammgast und auch seine Verwandtschaft, die englischen Prinzen William und Harry, sollen sich auf der Terrasse erholt haben.
Korschens Kundschaft sucht in erster Linie Ruhe. Und ausgerechnet ein Landsmann von Ernst August, der bayerische Hotelier und Spekulant Josef Brunlehner, drohte, diese Idylle mit Diskolärm und Laserstrahlen zu zerstören. Direkt gegenüber dem Hotel, vielleicht 500 Meter entfernt auf der Nachbarinsel Manda, hat er den Manda Beach Club aufgemacht. „Da hatten wir alle was dagegen, nicht nur der Prinz“, sagte Korschen gestern. Seine Frau habe sogar Ohrenstöpsel an die Gäste verteilt.
„Wir wollen nicht einfach danebenstehen und zusehen, wie der Ort zerstört wird“, hat sich Ernst August am 12. Januar 2000 schriftlich beim Tourismusminister in Nairobi beschwert: „Dieser Deutsche verdirbt die Kinder, übervorteilt die älteren Leute, ist nur auf sein Vorteil bedacht und führt zwielichtige Geschäfte.“ Zwei Tage später hat Ernst August zugeschlagen. Gestern verlas Korschen den Brief vor Gericht. Im Nachhinein klingt er wie eine Ankündigung der Schläge auf Brunlehner.
Mit welcher Vehemenz der Prinz den Mann attackiert hat, soll der neu aufgerollte Prozess klären. Korschen selbst hat die Tat nicht beobachtet. Nach einem Drink mit Ernst August und Caroline von Hannover ging er zu Bett. Auch die Menge des Alkohols konnte er nicht angeben.
Ernst August ist angeklagt wegen gefährlicher Körperverletzung. Doch eigentlich führen er und seine drei Verteidiger die Anklage – gegen Brunlehner. Gegen den Mann, der sich anschickte, das Paradies des Prinzen zu zerstören. Korschens Kommentar zu den Prügeln: „Um ehrlich zu sein, ich fand es ganz lustig.“
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