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Putz fällt auf Auto – Schadenersatz für Besitzer

Gerichtsentscheid Putz fällt auf Auto – Schadenersatz für Besitzer

Herabfallender Putz in einem Parkhaus hat ein Auto beschädigt. Deshalb klagte ein Autofahrer in Hannover gegen den ehemaligen Betreiber auf Schadenersatz – und bekam vor dem Amtsgericht fast 1000 Euro zugesprochen.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. Im Februar noch wäre der Betreiber eines Langenhagener Parkhauses günstiger davongekommen, hätte er einem gerichtlichen Vergleich zugestimmt. Doch mochte er nicht für die Reparatur eines Autos geradestehen, das von herabfallendem Wandputz beschädigt worden war, wollte keine 370 Euro zahlen. Am Dienstag urteilte das Amtsgericht Hannover, dass er dem Besitzer eines Seat Exeo nun sogar 998 Euro plus Mehrwertsteuer erstatten muss. Wie Zivilrichterin Catharina Erps sagte, hafte der Betreiber eines kostenpflichtigen Parkplatzes immer für auf seinem Grund abstellte Fahrzeuge – unabhängig davon, ob er persönlich Schuld hat an dem Malheur oder nicht.

Es war ein Urlauberpaar aus Osterholz-Scharmbeck, das seinen Seat im August 2015 in dem rund drei Kilometer vom Flughafen entfernten Parkhaus abgestellt hatte. Dies wurde damals als Langenhagens „modernste Parkhalle“ beworben, sollte „abgeschlossen, sauber und trocken“ sein. 53 Euro zahlten die Fluggäste für das elf Tage dauernde Abstellen ihres Fahrzeugs. Doch als sie auf der Heimreise in ihr Auto steigen wollten, machten sie eine ungute Entdeckung: Auf der Lackoberfläche, vor allem auf der Motorhaube und einem Kotflügel, lagen etliche kleinere Brocken Putz. Dieser hatte sich offenkundig von der Wand vor dem Fahrzeug gelöst. Weil das Material kalkhaltig ist, hatte es den Lack über die Tage verätzt. Ein Gutachter stellte später fest, dass sich der Schaden keineswegs durch einfaches Polieren beheben ließe, hier müsse die Werkstatt tiefgründiger arbeiten. Waren vom Fahrzeugbesitzer zunächst nur 715 Euro Reparaturkosten geltend gemacht worden, schätzte der Sachverständige den Schaden inklusive 25 Euro Nutzungsausfall auf knapp 1000 Euro.

Der Betreiber des Parkhauses wies eine Verantwortung für die Verätzung des Lacks weit von sich. Die Wand, von der der Putz herabgefallen war, gehöre zum Nachbargebäude, und für davon ausgehende Gefahren könne er nicht haftbar gemacht werden. Sein Anwalt Jens Klinkert ergänzte, dass die Wandfläche tatsächlich nicht besonders ordentlich ausgesehen und dass das Abplatzen von Putzplacken durchaus im Bereich des Möglichen gelegen habe. Seine Schlussfolgerung: „Autobesitzer sollten sich schon Gedanken machen, an welcher Stelle in einem Parkhaus sie ihr Auto abstellen.“

Doch diesen Haftungsausschluss mochte die Richterin nicht akzeptieren. Der Parkhausbetreiber habe einen Stellplatz vermietet, also sei er dafür verantwortlich. Wie schon im Februar verwies Erps auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahre 1974, das immer noch Gültigkeit hat. Damals musste ein Hotelier Schadensersatz leisten, weil auf dem zu seinem Betrieb gehörigen Parkplatz ein Ast auf ein Auto gefallen war. Dass den Geschäftsmann am Abknicken des Geästs überhaupt keine persönliche Schuld traf, war klar – trotzdem musste er für den am Fahrzeug entstandenen Schaden haften und seinem Übernachtungsgast die Reparatur bezahlen.

Das Parkhaus hat inzwischen einen neuen Betreiber. Der HAZ gegenüber versicherte er, dass er bereits einen Handwerker beauftragt hat, der die Schäden an der Wand, von der der Putz herabgefallen war, in Kürze beseitigen wird.

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