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Aus der Stadt Radikale Muslime verteilen den Koran
Hannover Aus der Stadt Radikale Muslime verteilen den Koran
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06:15 15.04.2012
Von Tobias Morchner
Die erste von insgesamt sechs Verteilaktionen der Islamisten fand am Sonnabend in der Fußgängerzone statt. Quelle: Frey
Hannover

An den kommenden fünf Wochenenden wollen Muslime in Hannover deutsche Ausgaben des Korans umsonst in der Stadt verteilen. Der Verfassungsschutz beobachtet diese Aktionen mit großer Sorgen. Denn ins Leben gerufen wurde die Kampagne, die derzeit in fast allen großen Städten der Republik läuft, von einem einflussreichen Prediger des Salafismus – jener radikalen Strömung des Islam, die als Nährboden für den islamistischen Terror gilt.

„Die Aktion richtet sich gezielt an junge Nichtmuslime, die Kontakt zu dem salafistischen Netzwerk bekommen sollen“, sagt Maren Brandenburger vom Verfassungsschutz. Auch der Landesverband der Muslime in Niedersachsen ist nicht angetan von den Aktivitäten in der Landeshauptstadt: „Unsere Gemeinden distanzieren sich von der Aktion“, sagt Avni Altiner, der Sprecher des Landesverbandes. Während des Freitagsgebets soll das Thema in den Moscheen zur Sprache gebracht werden. „Wir werden die Besucher darüber informieren, was es mit der Koranverteilung auf sich hat und wer dahintersteckt“, erklärt Altiner.

Für die Aktionen in Hannover – eine fand bereits am vergangenen Sonnabend in der Fußgängerzone statt – zeichnet sich ein 23-jähriger Konvertit aus dem Landkreis Peine verantwortlich. Dennis R., der sich im Internet Abdul Malik nennt, hat bei der Stadt alle Infostände angemeldet. In einem knapp zehn Minuten langen Video, das ebenfalls online zu finden ist, legt der Automechaniker seine Beweggründe dar, warum er sich als ehemals gläubiger Christ von einem Tag auf den anderen dem Islam zugewendet hat. „Wir haben ihm bestimmte Auflagen erteilt und die Stände dann genehmigt“, sagt Stadtsprecher Udo Möller. Polizei und Staatsschutz seien über alles informiert. „Wir werden die Aktionen beobachten, allerdings liegen uns bislang keine Hinweise vor, dass dort Straftaten begangen werden sollen“, sagt Kathrin Feyerabend von der Polizeidirektion Hannover.

Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes achten die Unterstützer der Salafisten bei ihren öffentlichen Auftritten peinlich genau darauf, nicht unnötig ins Visier der Behörden zu geraten. Indizierte Schriften der Gruppierung, in denen etwa das Schlagen der Frau in der Ehe propagiert wird, landen nicht auf den Infotischen. „Im Internet bieten sie zudem auch rechtliche Beratungen für alle an, die eine Verteilaktion auf die Beine stellen wollen“, sagt die Sprecherin des Verfassungsschutzes.

In der Vergangenheit hat es in Hannover nach Angaben des Nachrichtendienstes immer mal wieder Veranstaltungen des salafistischen Netzwerkes gegeben. So trat im Sommer 2009 beim Deutschsprachigen Islamkreis in der Kornstraße der Islamist Pierre Vogel auf, der als eine der einflussreichsten Personen der deutschen Konvertiten-Szene gilt. Im März 2011 war im ausverkauften Audimax der Leibniz Universität der Kinofilm „6:122“ zu sehen, der ebenfalls als Propagandamittel der Salafisten gilt. Der Titel des Streifens bezieht sich auf den 122 Vers in der sechsten Sure des Korans.

„In Hannover agieren nach unseren Erkenntnissen Einzelpersonen, die mal in dieser, mal in jener Moschee Veranstaltungen organisieren“, sagt Maren Brandenburger. Avni Altiner vom Landesverband der Muslime empfiehlt allen, die an den kommenden Wochenenden eine Koranausgabe in die Hand gedrückt bekommen, freundlich, aber bestimmt abzulehnen und dann weiterzugehen. „Ich hoffe nicht, dass es zu einer Eskalation kommt, weil jemand das Buch vielleicht achtlos in den nächsten Mülleimer wirft“, sagt er.

Stichwort: Salafismus

Der Salafismus gilt als die derzeit am schnellsten wachsende radikale Strömung des Islam. Ihre Anhänger interpretieren den Koran wortwörtlich und betrachten ihn als Richtschnur für alle Lebensbereiche. Gläubige anderer Religionen, Atheisten und „irregeleitete“ Muslime landen in der Hölle. Das Ideal der Salafisten ist ein Gottesstaat, in dem es keine vom Menschen gemachten Gesetze gibt, sondern nur das islamische Rechtssystem, die Scharia. Strenge Salafisten lehnen die westliche Lebensweise ab, propagieren die strikte Geschlechtertrennung und betrachten Homosexualität als schwere Sünde.

Experten unterscheiden verschiedene Ausprägungen der Ideologie: Der puristische Salafismus beschränkt sich auf die Regelung privater Lebensbereiche. Der politische Salafismus will alle gesellschaftlichen Bereiche regeln. Vertreter des dschihadistischen Salafismus legitimieren auch den Heiligen Krieg. Zu den prominentesten Vertretern des Salafismus in Deutschland gehört der bekannte Prediger Pierre Vogel. Der Rheinländer ist ein Konvertit. Vogel propagiert die Einführung des islamischen Rechtssystems Scharia, verurteilte aber stets Terroranschläge in westlichen Ländern. Allerdings gehörten die Attentäter des 11. September 2001 dem salafistischen Netzwerk an.

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