Hannover. Das muss man sich bei einem Firmenjubiläum erst einmal trauen. Der Radiosender ffn servierte beim Neujahrsempfang zum 25-jährigen Bestehen handelsübliche Cheeseburger zum edlen Weißburgunder. Die angenehme Hintergrundmusik, die dem gediegenen Tête-à-tête eine gewisse Lounge-Atmosphäre verlieh, wurde mit einem Knall zerrissen, damit der Konfettiregen auch richtig zur Geltung kam. Und als der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister an seinem Geburtstag zur Feierstunde eilte, wurde er von Dietmar Wischmeyer in der Rolle des Treckerfahrers Günther als „Schützenkönig aus der Nähe von Cuxhaven“ begrüßt, der vor allem die Sendereihe „Der Graf von Bederkesa“ höre – in der sich der Politiker selbst als Graf David McTornister mit Burgfräulein Waltraut Hirche rumplagen muss. So feiert also Niedersachsens ältester und am meisten gehörte private Radiosender. Die etwa 550 Gäste amüsierten sich prächtig.
Und so passte der Empfang durchaus zum unkonventionellen Sendestart 1986, als die Hörer mit den Sätzen begrüßt wurden: „Am Anfang war das Wort, und das Wort hieß Grüß Gott! Und dann kamen die Bangles.“ Seitdem ist sich der Sender treu geblieben. „Radio ffn ist anders. Und ffn bleibt anders. Sie wissen ja: Wer einen starken Charakter hat, der braucht keine Prinzipien“, erklärte ffn-Geschäftsführer Harald Gehrung, der mit Programmdirektorin Ina Tenz die Gäste begrüßte. Die Empfänge wurden darum schon als Schottenparty, ostalgisches Mauerfallfest oder dekadente Geldgala samt Blattgold im Proseccoglas gefeiert. Nun wurde sich also einen Abend vor allem erinnert. Die Vorsitzende der Versammlung der Niedersächsischen Landesmedienanstalt, Ortrud Wendt, und Andreas Fischer, der Direktor der Niedersächsischen Landesmedienanstalt, erzählten da gern vom Jahr 1992, als ffn-Nachrichtensprecher vor Trinkwassergenuss warnten und damit einen Telefonansturm bei Behörden auslösten. Über den Aprilscherz konnten nicht alle lachen. Gestern gab man sich versöhnlich. Die Radiowächter übergaben Gehrung den Zuschlag, die ffn-Frequenz in Hameln zu stärken.
Auch Ewald Dobler, Vorsitzender des ffn-Gesellschafterausschusses, erinnerte an chaotische Anfangszeiten, als Moderatoren noch selbst Platten auflegten. Gestern verkündete er stolz die Durchschnittshörerzahl von 400 000 pro Stunde. Vor allem aber lobte McAllister die „Erfolgsgeschichte, auf die man stolz sein kann“. Er erinnerte ans Frühstyxradio, an Siggi und Raner und Frieda und Anneliese. „Das ist niedersächsische Hochkultur“, sagte er mit Augenzwinkern. Da applaudierten auch Entertainer Desimo, Musiker Mousse T., Sozialministerin Aygül Özkan, der Präsident des niedersächsischen Landtags, Hermann Dinkla, der Vorsitzende und der stellvertretende Vorsitzende der Madsack-Geschäftsführung, Herbert Flecken und Thomas Düffert, sowie Friedhelm Haak, Aufsichtsratschef der Madsack-Mediengruppe.
Zum allgemeinen Anekdotenreigen passte auch der musikalische Beitrag von Thorsten und Kai Wingenfelder, die für ffn „Won’t forget these days“ von Fury in the Slaughterhouse spielten. Nein, solche Tage voller Radiomomente zwischen programmatischem Chaos und anarchischer Genialität wird man nicht vergessen – trotz des reichlich gereichten Weißburgunders.
HAZ.de Anmeldung
5