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Aus der Stadt Führte Rockerstreit zum Suizid?
Hannover Aus der Stadt Führte Rockerstreit zum Suizid?
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00:22 16.07.2015
Von Tobias Morchner
Eine enge Freundschaft: Der ehemalige Steintorwirt André S. (Mitte) und der damalige Hells-Angels-Chef Frank Hanebuth (rechts) gemeinsam beim Steintorfest 2011. Quelle: Martin Steiner/Archiv
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Hannover

„Der Freitod ist der ultimative Schritt, wenn ein Mensch in seinem Leben keinen anderen Ausweg mehr sieht“, heißt es in einer offiziellen Presseerklärung des Clubs. Jedermann mit Charakter solle sich mit Spekulationen über die Hintergründe zurückhalten. André S. allerdings hatte am Sonntag die Öffentlichkeit gesucht, um aus dem Leben zu scheiden. Gegen 4.30 Uhr verließ er einen Klub in der noch immer gut besuchten Scholvinstraße. Auf der Straße schoss er einmal in die Luft und richtete anschließend die Waffe gegen sich selbst.

Der gebürtige Hamburger S. war jahrzehntelang Mitglied der Hells Angels in Hannover, hatte in dem Ortsverein, der von den Behörden der organisierten Kriminalität zugerechnet wurde, sogar eine der führenden Positionen inne. Mit Frank Hanebuth, dem langjährigen Chef der Rocker in Hannover, der seit fast zwei Jahren in Spanien in U-Haft sitzt, verband ihn eine enge Freundschaft. Doch vor Kurzem soll es zum Bruch mit den Höllenengeln gekommen sein. Zu den Hintergründen gibt es zwei Versionen. Offiziell erklärt Rudolf „Django“ Triller, Sprecher der Hells Angels in Deutschland André S. sei „vor zwei Monaten freiwillig und im Guten aus dem Club ausgeschieden“. Zu den Gründen für den Schritt wollte sich Triller nicht äußern.

Doch es gibt noch eine zweite Version: Dem Vernehmen nach ist Andre S. vor nicht all zu langer Zeit aus dem Club geworfen worden. Einigen Rockern war das Gebahren und das öffentliche Auftreten des 51-Jährigen wohl schon seit längerer Zeit ein Dorn im Auge. So war unter anderem sein Drogenkonsum im Club nicht gern gesehen. Als die Polizei an einem Sonntagmorgen im April 2014 den Technoklub Underground in der Innenstadt mit 125 Beamten nach Drogen durchsuchten, trafen sie in den Räumlichkeiten auch auf den Rocker.

Besonders verärgert sollen die Hells Angels über einen Vorfall im Jahr 2010 gewesen sein, für den André S. später zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. Als ein Fernsehteam in der Scholvinstraße Aufnahmen auch von den Clubs und Etablissements machen wollte, ging er auf die Journalisten zu und bedrohte sie massiv. Dieser Vorgang trug auch dazu bei, bei den Behörden und den Bürgern den Eindruck zu verstärken, im Steintor würden die Gesetze nicht von der Polizei, sondern von den Hells Angels durchgesetzt. In der Folge erhöhte die Polizeidirektion den Druck auf Hanebuth und dessen Mitstreiter so lange, bis die Höllenengel das Charter in Hannover im Jahr 2012 schließlich auflösten.

Über all die Fehltritte von André S. soll Frank Hanebuth lange Zeit schützend seine Hand gehalten haben. Doch seit der Inhaftierung des über die Grenzen Hannovers einflussreichen Hells Angels durch die spanischen Behörden sollen sich die Machtverhältnisse bei den Rockern neu sortiert haben und André S. aus dem Club gedrängt worden sein. Wie die HAZ erfuhr, musste S. sich aus dem Steintorgeschäft zurückziehen und seine Insignien der Hells Angels abgeben. Seinen Rauswurf nach all den Jahren soll der 51-Jährige nicht verkraftet haben.

Ermittlungen zur Waffe: Die Polizei geht in dem Fall nach wie vor von einem Suizid aus. Eine Obduktion der Leiche wird es deswegen nicht geben. Wie die Behörde mitteilt, haben dagegen die Ermittlungen „zu der Waffe begonnen“. Nach HAZ-Informationen wird unter anderem geprüft, ob S. eine Berechtigung für den Besitz dieser Schusswaffe hatte und ob sie in der Vergangenheit möglicherweise bereits bei anderen Straftaten zum Einsatz gekommen ist. Mit dem Ergebnis der Tests beim Landeskriminalamt wird in den kommenden Tagen gerechnet.

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