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Aus der Stadt Rainer Lensing verstirbt mit 66 Jahren
Hannover Aus der Stadt Rainer Lensing verstirbt mit 66 Jahren
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21:10 29.01.2010
„Jemand, der keine Feinde hatte“: Hannovers Stadtpolitik ist bestürzt über den Tod von CDU-Ratsfraktionschef Rainer Lensing. Quelle: Archiv

Rainer Lensing, der zahllose Ehrenämter in Politik, Gesellschaft und Sport innehatte, hinterlässt seine Frau Monika Kölling und vier erwachsene Söhne. Nach einem Empfang des sogenannten Herrenmeisters der Johanniter in Berlin war Lensing am Donnerstagabend gesund und munter nach Hause zurückgekehrt, hieß es am Freitag. Lediglich ein Kratzen im Hals habe er erwähnt. Gegen sechs Uhr am Freitagmorgen erlitt der 66-Jährige dann einen Herzinfarkt. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos, Lensing verstarb wenig später im Oststadtkrankenhaus. Neben seinen politischen Ehrenämtern war der 66-Jährige auch im Bundesvorstand der Johanniter-Unfallhilfe tätig und trug den Titel des Ehrenritters des Johanniterordens.

Die CDU Hannover sei „tief betroffen“ über den Tod ihres Fraktionsvorsitzenden, sagte ein sichtlich bestürzter Parteichef Dirk Toepffer bei einer spontan einberufenen Pressekonferenz des Kreisvorstandes der Partei. Für Familie, Freunde und Vertraute habe es keine Vorzeichen einer Erkrankung gegeben. „Es kam für uns alle völlig überraschend“, sagte Toepffer. Der Parteichef würdigte Lensing als „jemanden, der keine Feinde hatte, was es in der Politik nur sehr selten gibt“. Lensing, der zeitweise Landesvorsitzender der CDU-Arbeitnehmervereinigung CDA und Landesvize der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di war, sei das „soziale Gewissen der CDU in Hannover“ gewesen. Als hervorragender Zuhörer habe er „die Dinge stets im Sinne der Menschen gelöst“.

Nach Bekanntwerden des Todes von Rainer Lensing erreichten Beileidsbekundungen aus allen politischen Lagern die Familie des Verstorbenen und die CDU. SPD-Fraktionschefin Christine Kastning würdigte Lensing als „ganz angenehmen Kollegen, der uns allen in bester Erinnerung bleiben wird“. Den FDP-Fraktionsvorsitzenden Wilfried Eingelke ließ die Nachricht „völlig sprachlos“ zurück – „vor allem, weil er mitten aus dem Leben gerissen wurde“. Für die Grünen sprach Fraktionschef Lothar Schlieckau von „tiefer Betroffenheit“ und lobte das soziale Engagement Lensings. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Rita Pawelski zeigte sich fassungslos. „Wir haben nicht nur einen Kollegen, sondern einen guten Freund verloren“, sagte sie.

Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) drückte den Angehörigen seine Wertschätzung für den verstorbenen CDU-Fraktionschef in einem Brief aus. „Mich hat die Nachricht sehr erschüttert, denn mit Rainer Lensing arbeitete ich mehr als 13 Jahre lang im Rathaus in den verschiedenen Funktionen und Gremien über die Parteigrenzen hinweg vertrauensvoll und gern zusammen“, sagte Weil. Lensing habe sich um die Landeshauptstadt „in hervorragender Weise verdient gemacht“.

Seit 1996 hatte Lensing der CDU-Ratsfraktion angehört, seit 2001 war er ihr Vorsitzender gewesen. Für den Sommer dieses Jahres hatte die Fraktion den Stabwechsel an seinen Vorstandskollegen Jens Seidel vorgesehen. Seidel soll nun am 9. Februar zu Lensings Nachfolger gewählt werden, bis dahin füllt Kerstin Seitz die Funktion kommissarisch aus. Beiden stand die Trauer über den Tod Lensings tief ins Gesicht geschrieben, als sie vor die Presse traten. Lensing habe es geschafft, eine zerstrittene Fraktion wieder zu einen, sagte Seidel. Sein Tod sei für alle nicht zu fassen.

Ein Leben für das Ehrenamt

Nicht nur in Hannover waren der Schock und die Trauer über den Tod von CDU-Ratsfraktionschef Rainer Lensing am Freitag groß. In der Zentrale des Bundesverbandes der Johanniter in Berlin gedachten die Mitarbeiter am Vormittag mit einer spontanen Andacht ihres verstorbenen Vorstandsmitglieds. Lensing habe sich „in vorbildlicher Weise für die Johanniter eingesetzt“, sagte Präsident Hans-Peter von Kirchbach. „Unsere Gedanken in dieser schweren Zeit sind bei seiner Frau und seinen vier Söhnen.“

50 Jahre lang hatte der Maschinenbaumeister Lensing bei Pelikan in Hannover gearbeitet, seit 2007 war er im Ruhestand. Ruhig aber wurde das Leben für Lensing damit nicht, die Liste seiner Ehrenämter füllt zwei DIN-A4-Seiten. Neben seinen herausgehobenen Positionen bei CDU und Johannitern war er unter anderem Vorsitzender des Bildungswerks Niedersachsen, des Vereins Tradition Klein Buchholz und der Gemeinschaft Evangelischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Niedersachsen. Dazu saß er in den Aufsichtsräten der Messe AG und der Hannover Holding. Lensing war Schütze, Schöffe, Betriebsrat und Fußball-Jugendtrainer. Man hatte gehofft, so sagte CDU-Chef Dirk Toepffer am Freitag, dass Lensing nach der für den Sommer vorgesehenen Ablösung als Fraktionschef „ein bisschen zur Ruhe kommt“.

Felix Harbart

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