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Aus der Stadt  „Leibnizufer unter Denkmalschutz“
Hannover Aus der Stadt  „Leibnizufer unter Denkmalschutz“
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00:16 02.12.2017
Architekt Rudolf Hillebrecht ,von 1948 bis 1975 Stadtbaurat von Hannover. Quelle: HAZ
Hannover

 Hannovers Stadtbaurat Uwe Bodemann gelingt es manchmal, in einem Tonfall zu sprechen, der offen lässt, ob er gerade Verachtung oder Erstaunen ausdrücken will. Vor Kurzem sah er ein Luftbild von der Innenstadt und Bodemann sah Straßen. „Da sind in Armlänge von der Marktkirche vier bis acht Spuren, eine Stadtautobahn fast bis zum Deister durch. Ist das noch angemessen? Gibt es nichts Besseres mit diesem Stadtraum zu tun“, fragte der Dezernent, wobei die Frage schon die Antwort war: Bodemann glaubt, dass es für eine Stadt tatsächlich Besseres zu tun gibt. Vier bis acht Spuren, das hörte sich aus seinem Mund eine Spur eklig an. Sein Konzept für die Zukunft: Nicht Autoverkehr solle bevorzugt, sondern das Interesse aller Verkehrsteilnehmer berücksichtigt werden. 

Da war die Runde im Gobelinsaal des Rathauses schon mitten in der Diskussion. Der Kunsthistoriker Ralf Dorn stellte vor gut 100 Besuchern sein Buch über Rudolf Hillebrecht vor, den legendären Stadtbaurat der Landeshauptstadt, der seinen Dienst nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges antrat. Dorn, Privatdozent an der Universität Mainz, wertete über acht Jahre hinweg Material aus, darunter auch 21 Regalmeter über Hillebrecht im Stadtarchiv von Cornelia Regin, Herausgeberin des Bandes. Dorn zeichnet darin die Arbeit eines Mannes nach, der sich nicht reduzieren lasse auf die geläufigen Stichworte in der öffentlichen Wahrnehmung: Erfinder der autogerechten Stadt und Vernichter historischer Bauten wie der Wasserkunst. 

„Er war ein vorausschauender Planer“, sagte Dorn, schon 1948 sind beim Wiederaufbau der Stadt Rampen für U-Bahnen berücksichtigt worden, wie auch Busbahnhof und Flughafen. Dringlich war es Hillebrecht, VW nach Hannover zu holen, wofür er einiges an Raum für die Anbindung des Werks hergab. Dass in der Folge seiner Stadtplanung Autofahrern mitten in der Stadt mehr Spuren zur Verfügung stehen als aktuell auf der Autobahn nach Hamburg, hält er im Gesamtensemble für bemerkenswert und einmalig in der Republik. Leibnizufer, Lavesallee, „ich würde es unter Denkmalschutz stellen“. 

Bodemann wohl kaum. In Hillebrechts Wirken sieht er bei aller Kritik im Detail dennoch „eine umfassende Planungswucht“, einen Menschen, der vorbildlich darin war, Verantwortung zu übernehmen und zu leben. Bodemann sagte: „Er hat es gemacht, wie er es wollte.“ Ein Charakter mit großen rhetorischen Fähigkeiten und weniger eingebunden in Prozesse öffentlicher Beteiligung, als sich heute die Welt von Baudezernenten in Kommunen darstellt.  „Wenn man etwas nicht erklärt und nicht rational herleiten kann, dann wäre man schnell woanders“, sagt Bodemann.  Ob das gut oder schlecht ist, ließ er offen. 

Bauhistoriker Olaf Gisbertz plädierte dafür, Rudolf Hillebrecht im Zusammenhang seiner Zeit und seiner Einflüsse zu sehen. Denkmalschutz bekam erst Mitte der 1970er-Jahre einen besonderen Stellenwert, Ideen für städtische Verkehrskonzepte, wie Hillebrecht sie verwirklichte, seien bereits Jahrzehnte zuvor international diskutiert worden. Gisbertz warnte davor, allzu sorglos mit Hillebrechts Vermächtnis umzugehen: „Man muss aufpassen, was man macht, damit etwas von seinem Erbe bleibt.“ Bodemann erinnerte daran, dass Hillebrecht das Leineschloss früh dem Land Niedersachsen als Parlament anbot. 

Dorn hätte in seinem Buch „Der Architekt und Stadtplaner Rudolf Hillebrecht“ weit mehr unterbringen können als auf diesen knapp 500 Seiten. Dann wäre es um weitere Facetten seiner Arbeit gegangen, die bis heute Hannovers Stadtbild prägen. „Die Kunst im öffentlichen Raum, Werke, die er aufstellen ließ, die Platzkonzepte.“ Rudolf Hillebrecht wird Hannover in Zukunft beschäftigen.

Diskutieren über Hillebrecht (von links): Uwe Bodemann, Cornelia Regin, Autor Ralf Dorn, Olaf Gisbertz. Quelle: Florian Petrow

Von Gunnar Menkens

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