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Aus der Stadt Raner hat seinen Siggi verloren
Hannover Aus der Stadt Raner hat seinen Siggi verloren
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20:22 07.02.2012
Comedykünstler Jochen Krause (links) ist im Alter von 61 Jahren gestorben. Quelle: Archivbild
Hannover

Mit manchem Vorurteil über Hannover haben Marketingmenschen und Touristiker mittlerweile aufgeräumt. Doch die Wahrheit über diese Stadt in ganz spezieller Hinsicht zu verkünden war einem ehemaligen Deutschlehrer, Countryliebhaber, Terrarienfreund und großen Komödianten vorbehalten: Wenn jemand erfolgreich die These widerlegt haben sollte, in Hannover werde nichts als reinstes Hochdeutsch gesprochen, dann war das Jochen Krause. Jener Mann, den alle viel besser unter dem Namen Siegfried „Siggi“ Behrens kannten. In dieser Rolle war er an der Seite seines Partners und Freundes Martin Jürgensmann fast 20 Jahre die eine Hälfte des Comedyduos „Siggi und Raner“, das mit seinem breiten, nasalen Slang bewiesen hat, wie viel Mundart in Hannover steckt.

Krause, der seit 1993 beim Radiosender ffn als Moderator und Redakteur gearbeitet hat, ist am Montagabend nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 61 Jahren gestorben. Und mit ihm sein Siggi. Krause hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Kinder.
Der Südstädter Krause schrieb stets die Texte für die beiden Heimat- und „Herri“-Freunde in Jeansjacke und Ballonseidenanzug, für die das Universum aus Linden, Ricklingen und vielleicht noch ein bisschen Maschsee und Kröpcke bestand. Wenn Siggi und Raner ihr unwiderstehliches „Froindschaft!“ herausposaunten oder prognostizierten „Nur die Harten komm’ in Garten“, pflegten sie nicht nur das hannöversche Platt, sondern prägten Sätze, die viele in ihren Alltagswortschatz übernahmen. Das galt vor allem für das beruhigend-versöhnliche „Is doch goch kan Thema!“.

Der hannoversche Radiomoderator und Comedian Jochen Krause ist tot. Wie sein Sender ffn am Dienstag mitteilte, starb Krause nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 61 Jahren.

Sogar ein Tonarchiv mit hannöverschem Platt, das Krause initiierte, gibt es seit 2008, Oberbürgermeister Stephan Weil hat die Schirmherrschaft dafür. „Mit Jochen Krause verliert Hannover einen überzeugten Lokalpatrioten“, sagte er am Dienstag. „Jochen und ich waren das perfekte Team, obwohl wir so grundverschieden sind – er war der großartige Autor, ich der Darsteller. Er fehlt mir sehr“, sagte Jürgensmann. Tief betroffen war auch Comedykollege Dietmar Wischmeyer: „Jochen und ich haben über Jahre fast täglich miteinander telefoniert, um ein Thema für meine ,Günther-Kolumne‘ bei ffn abzusprechen. Wir hatten den gleich Humor.“ Wolfgang Besemer, Geschäftsführer von Hannover Concerts, sagte: „Er ist unersetzlich, aber als Siggi Behrens wird er unsterblich bleiben.“ Besemer hatte zusammen mit Krause und Jürgensmann die Idee für eine Hannover-Revue mit Siggi und Raner unter dem Titel „Von Linden bis nach ’n Kröpcke hin“. Die Show im Theater am Aegi war sofort ein Erfolg, am 28. März hätte sie wieder stattfinden sollen. Sie war so gut wie ausverkauft.

Doch Krause, für den die deutsche Sprache eine Leidenschaft war, schlüpfte noch in viel mehr Rollen als die des Siggi. So schrieb er von 1999 bis 2004 die Radio-Comedyserie „Die Schröders privat“. Er war ein begnadeter Stimmenimitator und der Erfinder des legendären ffn-„Crazyphones“. Unvergessen sein Anruf im November 2007 als Reiner Calmund bei Fußballbundestrainer Joachim Löw, dem er empfahl, den Seidenschal wegzulassen, weil Löw damit aussehe wie eine „Schwabentucke“. Der DFB verklagte den Radiosender, verlor aber. Für einen noch größeren Skandal sorgte Krauses Anruf mit der Stimme von Franz Müntefering bei der damaligen hessischen SPD-Chefin Andrea Ypsilanti im September 2008, die ihm voll auf den Leim ging. Die Blätter der Republik von „Spiegel“ bis „Financial Times Deutschland“ berichteten darüber.  Sein neuestes Projekt war die tägliche Radiorubrik „Dr. Wort“, in der er Redensarten erklärte.

„Jochen hat Meilensteine in der ffn-Geschichte gesetzt“, sagt ffn-Programmdirektorin Ina Tenz. „Und er war ein so wertvoller Kollege, der den jungen Mitarbeiterin sehr viel vermitteln konnte.“ Es seien „viele Tränen geflossen“, als die Nachricht von seinem Tod die Kollegen erreichte. Auf der Facebook-Seite des Senders waren bis Dienstagabend rund 500 Beileidsbekundungen zu lesen.

Froindschaft, Siggi!

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