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Aus der Stadt Säureopfer Vanessa gibt Dankesparty
Hannover Aus der Stadt Säureopfer Vanessa gibt Dankesparty
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13:59 22.02.2018
Säureopfer Vanessa Münstermann hatte sich für ihre Party für alle Helfer und Freunde extra ein Spiegelauge in die vom Anschlag verätzte linke Augenhöhle eingesetzt. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

 Vanessa Münstermann, die vor zwei Jahren Opfer eines Säureanschlags von ihrem Ex-Freund wurde, steht ein ereignisreiches Jahr bevor. Im Mai erwartet die 28-Jährige ihr erstes Kind. Im Juni beginnt in Hannover der Schadensersatzprozess gegen den Täter, Ende des Jahres erscheint ein Buch über ihr Schicksal, dazwischen plant sie mit einem Wiener Fotografen eine Ausstellung zum Thema „Innere Schönheit“. Am Sonntag hat die junge Frau ihr turbulentes Jahr mit einer Party begonnen. Zwei Jahre nach der Attacke ihres Ex-Freundes mit ätzendem WC-Reiniger und ein Jahr nach Gründung ihres Vereins „AusGezeichnet“, der sich um weltweit um Säureopfer kümmert, hatte Münstermann Helfer, Vereinsmitglieder und Weggefährten ins Kino am Raschplatz geladen.

Im Zentrum der Feier stand der Dokumentarfilm „Wenn aus Liebe Hass wird“, den der Autor Masiar Haschemizadeh für die Reihe „Menschen hautnah“ des Fernsehsenders WDR gedreht hatte. In dem 45-minütigen Beitrag berichtet Vanessa Münstermann ausführlich über die Tat und die Folgen. Zu sehen sind auch Auszüge aus den Briefen, die der Täter in unregelmäßigen Abständen aus der JVA Sehnde an das Opfer schickt. „Es ist doch traurig, was wir beide für einen Lebensweg gehen mussten. Doch jetzt machen wir das Beste draus: Du mit OPs und ich mit Sport, Ausbildungen und Schulabschlüssen“, schreibt der Ex-Freund. Die 28-Jährige berichtet in der Dokumentation, dass sie sich von derartigen Zeilen verspottet fühlt.

Inzwischen interessiert sich auch die Staatsanwaltschaft Hannover für die Schreiben. „Sie wollen jetzt prüfen, ob darin nicht doch strafrechtlich relevante Dinge stehen“, sagt Rechtsanwalt Andreas Hüttl, der Vanessa Münstermann seit Kurzem vertritt. Er selbst hatte wegen der Briefe an seine Mandantin in dieser Woche die Leitung der JVA Sehnde kontaktiert. „Wir wollten darum bitten, dass künftig keine Schreiben des Ex-Freundes mehr an Vanessa herausgehen – aber er macht das offenbar nie direkt, sondern immer über Dritte, so dass der JVA die Hände gebunden sind“, sagt der Jurist.

In dem Fernsehbeitrag beschreibt die 28-Jährige auch ausführlich, welche Gewalt und welchen psychischen Spielchen sie vor dem Anschlag von ihrem Ex-Freund erdulden musste. Schlief sie beim gemeinsamen DVD-Abend auf dem Sofa ein, flippte er aus. Saugte er die Wohnung, durfte Vanessa sich nicht bewegen, weil sie den Staub aufwirbeln könnte. Die Übergriffe wurden immer heftiger. Als der junge Mann die gelernte Kosmetikerin eine Treppe herunter getreten und sie an den Haaren wieder nach oben gezogen hatte, erstattete Vanessa Münstermann Anzeige wegen Körperverletzung. Einen Tag nach dem Besuch bei der Polizei wurde sie Opfer des Säureanschlags.

Heute kümmert sie sich mit ihrem Verein „AusGezeichnet“ um andere Säureopfer auf der ganzen Welt. „Ein Päckchen mit Salben und Verbänden nach Indien zu schicken, kostet uns rund 70 Euro. Deshalb sind wir auf Spenden angewiesen“, sagt Münstermann nach der Vorführung des Films. Der Verein wird sie bekommen. Die Gäste nahmen aus dem Kino reichlich Mitgliedsanträge und Spendenformulare mit nach Hause.

Von Tobias Morchner

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