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Aus der Stadt Hat Raser-Urteil Auswirkungen auf Hannovers Szene?
Hannover Aus der Stadt Hat Raser-Urteil Auswirkungen auf Hannovers Szene?
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00:16 02.03.2017
Von Tobias Morchner
Beim Unfall eines gelben Lamborghini wurde 2016 in der City eine Radfahrerin verletzt. Der Berliner Richterspruch „fließt in rechtliche Bewertung ein“. Quelle: Uwe Dillenberg
Hannover

„Das ist zwar kein obergerichtliches Urteil, aber das Augenmerk wird dadurch schon geschärft“, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge.

Am 23. März 2016 lieferte sich ein 37-jähriger Langenhagener in einem gelben Lamborghini in der Innenstadt ein Autorennen mit dem Fahrer eines weißen Porsches. Am Platz der Weltausstellung verlor der Mann die Kontrolle über den italienischen Sportwagen, beschädigte drei Autos und verletzte eine Fahrradfahrerin. Anschließend stieg er in den weißen Porsche und flüchtete gemeinsam mit dem anderen Teilnehmer des Rennens. Erst Wochen später konnte die Identität des Fahrers geklärt werden. Die Polizei leitete Ermittlungen gegen den 37-Jährigen wegen fahrlässiger Körperverletzung, Gefährdung des Straßenverkehrs, Fahrerflucht und Fahrens ohne Führerschein ein.

Bei einem illegalen Autorennen in der Innenstadt von Hannover ist ein Lamborghini gegen einen Fiat 500 geprallt.

Eine Bewertung der Ermittlungsergebnisse und eine Anklage steht allerdings noch aus. „Das Urteil aus Berlin fließt sicherlich auch bei uns in die rechtliche Bewertung des Vorfalls ein“, sagt Thomas Klinge. Wann die Anklage gegen den 37-Jährigen fertig sein wird und der Prozess beginnen kann, ist noch offen. „Wir warten noch auf ein Gutachten“, sagt der Oberstaatsanwalt.

Alles zum Berliner Urteil lesen Sie hier.

Die Innenstadt dient noch nicht lange als Ort, an dem die Vollgas-Fraktion ihre PS-starken Wagen zur Schau stellt. In der Vergangenheit trafen sich die Autoliebhaber und Hobbyschrauber an der Aral-Tankstelle in Vahrenwald. Bei den Feiern zur Saisoneröffnung, dem sogenannten Car-Freitag, musste die Polizei regelmäßig einschreiten und illegale Straßenrennen unterbinden. So war im vergangenen Jahr ein damals 35-Jähriger vor dem Oberlandesgericht Celle gegen eine saftige Geldstrafe vorgegangen, die er nach einem Rennen im Zuge des Car-Freitag aufgebrummt bekommen hatte. Er war mit seinem Fünfer-BMW mit deutlich mehr als Tempo 100 auf der Vahrenwalder Straße unterwegs. Die gegen ihn verhängte Strafe von 450 Euro und einem Monat Fahrverbot bestätigte das Oberlandesgericht allerdings.

Die Aral-Tankstelle wurde im Oktober 2015 abgerissen. Der Tuning­szene in Hannover fehlt damit der zentrale Treffpunkt. Die Versuche, zumindest den Saisonauftakt an einen anderen Ort zu verlegen, sind bislang gescheitert. Weder die Parkplätze der großen Möbelhäuser in Garbsen an der Bundesstraße 6 noch der Parkplatz von der Eventlocation Wasserturm in Hannover wurden von der Szene angenommen. Auch die Internetseite der Auto-Tuner existiert nicht mehr.

Der Landesverband des ADAC in Niedersachsen wollte das Berliner Urteil nicht kommentieren, da es noch nicht rechtskräftig ist. „Allerdings sind wir der Auffassung, dass illegale Autorennen kein Kavaliersdelikt sind und hart bestraft werden müssen, um Nachahmer abzuschrecken“, sagt ADAC-Sprecherin Christine Rettig.

Das ist in Hannover passiert

Juni 2009: Ein Mini überschlägt sich auf der Vahrenwalder Straße – die Polizei vermutet ein illegales Rennen.

April 2011: Am Car-Freitag verhindert die Polizei illegale Wettrennen in Vahrenwald.

April 2015: Auf der Vahrenwalder Straße bremst die Polizei erneut potenzielle Raser aus.

März 2016: Der Fahrer des gelben Lamborghini verliert die Kontrolle, verletzt eine Radlerin und flieht mit dem Porsche-Fahrer, mit dem er sich unmittelbar zuvor noch ein Rennen auf der Karmarschstraße geliefert hat.

Szene unter Beobachtung

Die Polizeidirektion hat derzeit keine Hinweise darauf, dass an irgendeiner Stelle im Stadtgebiet regelmäßig illegale Autorennen abgehalten werden. „Es gibt auch keinen Trend dahingehend“, sagt Polizeisprecher Sören Zimbal. Ob die Tuning-Szene sich erneut etwa auch zum Car-Friday auf dem Parkplatz des Unternehmens Medimax in Brink-Hafen treffen werde, sei offen. Man sei mit einigen aus der Szene in regelmäßigem Kontakt, sagte Zimbal.

Ebenso beobachte die Polizei PS-Protze in der City. Nach dem Abschluss der Bauarbeiten rund um die Oper nutzen sie die Strecke wieder vermehrt, um ihre teuren Wagen zu präsentieren. „Wir haben auch diese Szene im Blick“, sagt Sören Zimbal. Stellen die Streifenpolizisten Verstöße fest, würden diese selbstverständlich geahndet.

tm

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