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Halbe Million Euro: Hannover schafft Trinkraum am Raschplatz

Ordnungs- und Sicherheitskonzepts Halbe Million Euro: Hannover schafft Trinkraum am Raschplatz

Bereits am 6. Oktober soll ein Raum für die Trinkerszene am Raschplatz eingerichtet sein und in Betrieb gehen. Rund eine halbe Million Euro lässt sich die Stadt den auf ein Jahr angelegten Versuch kosten. In der Ratspolitik wird das Vorhaben kontrovers diskutiert.

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Ein neuer, aufgestockter Ordnungsdienst soll auf dem Raschplatz und auf anderen Plätzen für Sicherheit sorgen.

Quelle: Samantha Franson

Hannover. Der Trinkraum mit dem Namen "Kompass" soll im Gebäude der Spielbank gegenüber dem alten ZOB (jetzt Baustelle) entstehen. Sechs Mitarbeiter von der Diakonie werden die Menschen betreuen. Die Beschäftigten, drei Männer und drei Frauen, werden polnisch, russisch und englisch sprechen können. "Es handelt sich um Mitarbeiter, die Erfahrungen aus der Suchtberatung und der Betreuung von Obdachlosen mitbringen", heißt es vonseiten der Stadtverwaltung.

Erlaubt soll das Mitbringen und Konsumieren von leichten alkoholischen Getränken sein, also Wein und Bier. Geöffnet ist der Trinkraum täglich zwischen 11 und 19 Uhr. Die Zeiten seien mit dem Obdachlosen-Kontaktladen Mecki auf dem Raschplatz abgestimmt. Ein Jahr lang soll der Trinkraum betrieben werden, danach will die Verwaltung ein Fazit ziehen.

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Die Stadt Hannover richtet am Raschplatz einen Raum für Trinker ein - für eine halbe Million Euro. Was halten Sie davon?

Anlass für das Vorhaben sind etliche Klagen über lautstarke Trinkergruppen, die sich auf dem Raschplatz insbesondere bei gutem Wetter versammeln. Die Stadt will die Szene mithilfe des Trinkraums entzerren. Der Trinkraum ist Teil eines umfassenden Ordnungs- und Sicherheitskonzepts, zu dem vor allem ein neuer Ordnungsdienst mit rund 50 Mitarbeitern zählt. Eine Entscheidung über das Ordnungskonzept hat die Ratspolitik am Donnerstag verschoben.

Die CDU will den Trinkraum zwar unterstützen, verhehlt aber nicht eine gewisse Skepsis. Sie verweist darauf, dass sich die Stadt Kassel gerade entschlossen  hat, ihren Trinkraum zum Ende des Jahres zu schließen. "Ist es vor diesem Hintergrund für die Stadt Hannover noch immer zielführend, einen solchen Trinkraum zu eröffnen?", fragt CDU-Fraktionschef Jens Seidel im Oberbürgermeister-Ausschuss. Schließlich werde in den Plänen der hannoverschen Stadtverwaltung ausdrücklich auf das Beispiel Kassel Bezug genommen.

Der Raschplatz in Hannovers Innenstadt ist als Treffpunkt für Alkoholkonsum bekannt. Das hinterlässt dort seine Spuren. Ein Besuch.

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Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) verteidigt seine Strategie. "Wir brauchen Rückzugsräume am Raschplatz, in denen Vertrauen entstehen kann", sagt er. Man könne die Szene nicht nur über die Polizei ansprechen. In Kassel habe die Bevölkerung den Trinkraum nicht akzeptiert. In Kiel seien aber inzwischen sogar zwei Trinkräume entstanden. "Wir machen hier ein zielgruppengerechtes Angebot", sagt Schostok.

Die AfD hält nichts von dem Vorhaben. Das sei mit Steuergeld subventioniertes Trinken, sagt AfD-Ratsherr Roland Herrmann. Er befürchtet, dass es im Trinkraum zu Schlägereien und Übergriffen kommt. Die Grünen halten den Trinkraum für eine der besten Maßnahmen innerhalb des Ordnungskonzepts. "Man muss auch nicht immer das Schlimmste befürchten", sagt Grünen-Ratsherr Daniel Gardemin. Die FDP räumt ebenfalls ein, dass sie intern mit dem Vorhaben gerungen habe. "Aber es kommt auf den Versuch an", sagt FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke.

Letztgültig entschieden wird über den Trinkraum in der Ratssitzung am Donnerstag, 28. September. Die Entscheidung über das gesamte Ordnungskonzept wurde auf Wunsch der Linke vertagt. "Es sei besser, nach der Landtagswahl über das Konzept zu sprechen", sagt Linken-Fraktionschef Dirk Machentanz.

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